10 Monate Kyleena - 10 Monate Hölle

Schreibe uns hier Deine Erfahrungen mit der Hormonspirale.

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Chrissi@medvet
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10 Monate Kyleena - 10 Monate Hölle

Beitragvon Chrissi@medvet » 24.09.2018, 20:58

Hallo liebe Mitglieder,

auch wenn mein Betreff etwas reißerisch klingt, fasst er dennoch die Erfahrungen, die ich mit der Kyleena gemacht habe, sehr gut zusammen.
Erst einmal zu mir: ich bin eine 25-jährige, 63 kg schwere und 1,73 m große, sportliche und eigentlich lebensfrohe Tierärztin, die seit sie 17 ist hormonell verhütet. Zunächst habe ich, wie so ziemlich jede Frau, mit der Pille angefangen. Meine Frauenärztin, die ich seit ich 15 war hatte, empfahl mir ein Präparat, das ich ca. 1,5 Jahre einnahm. Die ersten unangenehmen Nebenwirkungen hatte ich ca. nach einem Jahr, als ich stellenweise unreine Haut bekam. Selbst inmitten schlimmster Pubertät hatte ich nie Hautprobleme gehabt. Damit konnte ich noch leben, aber als dann auch noch regelmäßige Migräneattacken dazukamen, entschied ich mich etwas anderes auszuprobieren. Meine Frauenärztin empfahl mir dann mit 19(!) Jahren die 3-Monatsspritze. Als wenig überraschend keine Besserung auftrat, wechselte ich auf ihr Anraten hin nach einem halben Jahr zum Verhütungsring. Diesen behielt ich auch nur ein Jahr, da sowohl meine Haut als auch die Migräne nicht besser wurden. Nach einem weiteren Beratungsgespräch kam ich zurück zur Pille, allerdings einem anderen Präparat. Da der Stress im Studium zunahm, hatte ich bis ich 24 war einfach keine Zeit und Nerven mir weiter über das Thema Verhütung Gedanken zu machen. Diese Zeit war sehr zehrend, aber ich dachte immer, dass ich das nach dem Studium schon alles in den Griff bekommen würde.
Als ich also 24 war, wollte ich endlich weg von hormoneller Verhütung. Da kam es sehr passend, als eine gute Freundin von mir (die bei der gleichen Ärztin war) sich die Kupferspirale einsetzen ließ und sehr zufrieden war. Die Ärztin riet mir allerdings davon ab und empfahl mir die Hormonspirale Kyleena. In diesem Beratungsgespräch bekam ich allerdings keine neutralen, wissenschaftlich begründeten Informationen von ihr, sondern nur den Schund, der auf den Flyern (viel mehr Werbeprospekten) der Spiralen zu finden ist, vorgetragen. Blöderweise ließ ich mich vor allem dadurch überzeugen, dass sie immer wieder behauptete, dass die Kyleena nur lokal wirke und für mich die passende sei. Außerdem meinte sie, ich sollte lieber nichts in Internetforen dazu lesen. Also bekam ich im November 2017 die Kyleena eingesetzt. Das sollte eine der schmerzhaftesten Erfahrungen, die ich bis dahin je gemacht habe, werden. Obwohl sie behauptete, dass das nur ein wenig unangenehm werden wird, brach in dem Moment, als sie anfing, augenblicklich mein Kreislauf zusammen, mir wurde speiübel und ich hatte damit zu kämpfen, nicht in Ohnmacht zu fallen. Nachdem ich das überstanden hatte, hatte ich die nächsten zwei Wochen starke Unterleibsschmerzen und Blutungen. Das ging auch lange so weiter, leichtere Blutungen hatte ich ca. 2 Monate lang durchgehend. Was aber noch schlimmer war, war dass ich vor allem auf den Wangen Knoten und Pusteln bekam. Meine Haut wurde so schlecht, dass ich ohne Make-Up nicht mehr aus dem Haus ging. Zusätzlich bekam ich auch noch am Hals und dem Rücken lauter kleine Pickelchen. Keine Kosmetik konnte das verbessern, es wurde immer schlimmer.
Als hätte ich damit nicht genug zu kämpfen gehabt, wurde meine Laune immer schlechter. Zuerst dachte ich, dass das mit meiner Haut zu tun hatte, da jeder Blick in den Spiegel eine Qual für mich war. Mein Selbstbewusstsein war bei null, ich wollte das Haus nicht mehr verlassen. Mit der Zeit konnte ich nichts Positives mehr finden, jeden Morgen musste ich mich aus dem Bett quälen, und am Wochenende wollte ich nicht mehr weggehen, da ich mich nur hässlich und überflüssig fand. Das sollte doch meine Zeit werden, stattdessen wollte ich mich einfach nur in Luft auflösen - Selbstmordgedanken inklusive. Immer häufiger bekam ich richtige Zusammenbrüche, bei denen ich mich einsperrte und nur noch heulte. Der Höhepunkt war, als ich mit meinem Freund (mit dem ich seit 9 Jahren zusammen bin) in unserem lang ersehnten Italien-Urlaub einen Zusammenbruch nach dem anderen hatte, und auch noch unerwartete sehr starke Blutungen bekam. Nach einem weiteren Besuch bei der Frauenärztin und einer Ultraschall-Kontrolle, wurde mir nur versichert, dass es keinen Zusammenhang zwischen meinem Zustand und der Spirale geben kann. Nur die schlechte Haut sei halt eine Nebenwirkung, mit der man leben müsse. Einzig die Migräne wurde in der Zeit deutlich besser. Also ließ ich das Ganze weitere vier Monate über mich ergehen, bis mir meine Mama, nachdem sie im Internet davon gelesen hatte, ''befahl'', die Spirale entfernen zu lassen. Ich hatte schon die ganze Zeit über den Verdacht gehabt, wollte es aber nicht wahr haben. Nach einem wenig aufbauenden Telefonat, machte ich einen Termin zur Entfernung aus. Dabei wurde mir von der Ärztin nur wieder versichert, dass es keinen Zusammenhang zwischen meinem Zustand und der Spirale geben kann. Außerdem meinte sie, dass es jetzt noch viel zu früh sei, sie zu entfernen, und ob ich mir denn wirklich sicher sei. Aber natürlich war ich mir sehr sicher.
Mittlerweile bin ich die Kyleena seit gut zwei Wochen los und ich fühle mich schon viel besser. Was meine Stimmung angeht bin ich wieder viel ausgeglichener, kann mich besser konzentrieren und wieder richtig lachen. Es gibt noch Momente - vor allem wenn ich in den Spiegel sehe - da fühle ich mich wieder etwas niedergeschlagen, aber das ist kein Vergleich mehr. Ich werde auch erst einmal hormonfrei bleiben.
Was mich an der ganzen Geschichte am meisten traurig und auch wütend macht, ist, wie wenig meine Frauenärztin mich über Jahre hinweg aufgeklärt hat, und dass sie meine Situation nicht wirklich ernst genommen hat. Deshalb habe ich jetzt auch endlich eine neue Ärztin aufgesucht. Meine Seele erholt sich zum Glück bereits von den letzten Monaten, meine Haut wird aber wohl noch etwas länger dafür brauchen. Ich weiß wirklich nicht, wie Frauen, die hier schreiben, dass sie das über Jahre hinweg mitgemacht haben, das alles ausgehalten haben.
Ich bin mir bewusst, dass dieser Verlauf nicht bei jeder Frau auftreten muss. Ich hoffe nur dass, falls sich eine Betroffene meine Geschichte durchliest, die Entscheidung zur Entfernung der Spirale schneller getroffen wird, und sich das Bewusstsein über diese möglichen Nebenwirkungen weiter verbreitet.

Viele Grüße,

Christina

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