8,5 Jahre Mirena: Herzrasen, Schwitzattacken, Migräne, Rückenschmerzen, Muskel- und Gelenkschmerzen, Verspannungen...

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lekado
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8,5 Jahre Mirena: Herzrasen, Schwitzattacken, Migräne, Rückenschmerzen, Muskel- und Gelenkschmerzen, Verspannungen...

Beitragvon lekado » 19.03.2017, 17:00

42 Jahre; 3 Kinder (12, 9,9 Jahre); 8,5 Jahre Mirena, seit sechs Wochen "ohne"

Nebenwirkungen: Migräne, Rückenschmerzen, Muskelverspannungen, Gelenkschmerzen, Erschöpfung, Herzrasen, Schwitzattacken, Atemnot, Nervosität, Unruhe, Kribbeln in Armen und Beinen, Empfindungsstörungen, "Ameisen" vor den Augen, Schlafstörungen,Konzentrationsschwierigkeiten, Geräuschempfindlichkeit, Globusgefühl, Kopfschmerzen, Aggressivität, Gefühl der Überlastung, Oberbauchschmerzen, Panikattacken, Ängste, Depression


Meine Mirena-Geschichte

Die erste Spirale bekam ich etwa ein Jahr nach der Geburt meiner Zwillinge, da war mein erster Sohn drei Jahre alt. Meine Frauenärztin hatte mir die Mirena wärmstens empfohlen, sie würde allgemein sehr gut vertragen und v.a. bliebe die Regel damit aus. Da ich schon immer große Probleme mit starken und schmerzhaften Blutungen hatte, klang das für mich natürlich sehr verlockend. Also ließ ich mir die Spirale im Mai 2008 legen. Eine Packungsbeilage bekam ich nicht, über Nebenwirkungen wurde ich auch nicht aufgeklärt. Das Einlegen war problemlos und bereits nach 3 Monaten blieb meine Regel aus. In der folgenden Zeit hatte ich mit sehr starken Rückenschmerzen und Erschöpfung zu kämpfen, schob das aber alles auf die Belastung mit den drei kleinen Kindern. Die Rückenprobleme wurden immer schlimmer, teilweise kam ich kaum noch die Treppe hoch. Diverse Untersuchungen beim Orthopäden ergaben aber keine körperliche Ursache, so dass das Ganze schließlich als Erschöpfungssyndrom abgetan und ich 2011 zur orthopädischen Reha geschickt wurde. Die Zeit tat mir zwar gut, die Rückenschmerzen blieben aber, trotz Sport und regelmäßiger Bewegung.

Diese Spirale trug ich etwas länger als die vorgeschriebenen fünf Jahre. Im letzten halben Jahr vor dem Wechsel hatte ich regelmäßig einmal im Monat einen starken Migräneanfall mit Aura (etwas, das ich vorher noch nie gehabt hatte), damals hatte ich schon an die Mirena gedacht, sagte mir aber, dass sie nach über fünf Jahren Tragezeit ja eigentlich keine Nebenwirkungen mehr haben könne…

Im Juli 2014 habe ich mir dann eine neue Spirale einsetzen lassen. Wieder ohne Aufklärung oder Herausgabe der Packungsbeilage. Die Migräneattacken hörten sofort auf, dafür begannen etwa drei Monate später massive gesundheitlichen Probleme: Anfällen von Herzrasen, v.a. nachts, die teilweise so heftig waren, dass ich dachte, ich bekomme einen Herzinfarkt (mehrere EKG´s blieben ohne Befund). Dazu kamen starke Schwitzattacken, Atemnot, Nervosität und allgemeine Unruhe, Kribbeln in den Fingern, Armen und Beinen, Empfindungsstörungen, "Ameisen" vor den Augen, Konzentrationsschwierigkeiten, Geräuschempfindlichkeit, Kopfschmerzen, Aggressivität, Gefühl der totalen Überlastung, Oberbauchschmerzen, massive Ein- und Durchschlafstörungen. Da ich zeitgleich mit dem Spiralenwechsel eine neue Arbeitsstelle angetreten hatte, vermutete ich zunächst einfach Stress, die Probleme blieben aber, als der größte Stress schon längst vorbei war. Besonders schlimm war das permanente Gefühl, einen Kloss oder einen Fremdkörper im Hals zu haben, das wurde irgendwann so schlimm, dass ich Panikattacken bekam, weil ich dachte, ich ersticke. Daneben hatte ich heftigste Muskelverspannungen und –schmerzen im Gesicht, im Kiefer, in Hals, Schulter und Nacken, im Brustkorb und im Rücken.

Ich habe in dieser Zeit unzählige Ärzte konsultiert, war mehrfach in der Notaufnahme, mir wurde in Vollnarkose der Zungengrund punktiert, weil man dort eine Ursache vermutete, ich wurde auf MS untersucht (wg. des Kribbelns in den Gliedmaßen), ich habe einen Auslandsurlaub mit diversen Arztbesuchen zugebracht und war danach ein paar Tage im Krankenhaus. Alles ohne Ergebnis, organisch war ich kerngesund… Natürlich wurde dann alles auf die Psyche geschoben. Ich hatte schon während meiner Ärzteodyssee immer wieder gehört, das alles sei psychosomatisch. Ein Arzt sagte mir, ein Kloß im Hals sei immer psychisch, ich solle mal nach Hause gehen und entstressen, dann höre das von allein auf. Zu diesem Zeitpunkt ging es mir psychisch wirklich sehr schlecht, zu den Panikattacken kamen diffuse Ängste und eine Depression, was die Ärzte natürlich in der Diagnose bestätigte.

Im Sommer 2015 hatte ich dann einen Zusammenbruch, musste in die psychiatrische Notfallambulanz und bekam dort Antidepressiva verordnet (von dem ich 15 kg zunahm), man schickte mich zum Psychiater, der schickte mich zur psychosomatischen Reha und zum Psychologen, wusste aber eigentlich auch nicht richtig, was er mit mir anfangen sollte, weil ich mit den Medikamenten zwar die Depression schnell in den Griff bekam, die körperlichen Beschwerden aber blieben… In der Reha habe ich den behandelnden Arzt gefragt, ob die Mirena etwas mit meinen Beschwerden zu tun haben könne, er meinte aber, da könne es wirklich keinen Zusammenhang geben und warf mir mehr oder weniger vor, ich hätte ein Akzeptanzproblem mit der psychischen Erkrankung.

Da die Schmerzen und Verspannungen im Kiefer mich sehr quälten, landete ich Anfang 2016 schließlich beim Kieferorthopäden, der mir eine CMD (-> Kieferfehlstellung) bescheinigte, mir eine Aufbissschiene verschrieb und mich zum Osteopathen und zum Physiotherapeuten schickte. Ohne Erfolg…
Ich habe mir dann für teures Geld ein neues Bettsystem gekauft und unzählige Kopfkissen ausprobiert, weil die Schmerzen und Verspannungen morgens besonders schlimm waren und ich dachte, vielleicht liege ich nachts einfach schlecht. Effekt gleich null…

Schließlich, im Februar 2017, der Durchbruch. Ich hatte seit einiger Zeit das diffuse Gefühl, dass die Schmerzen und Beschwerden ohne äußeren Anlass im Monat zyklisch mal besser und mal schlechter wurden, also habe ich „Hormone Muskelverspannungen“ gegoogelt und bin auf diese Seite gestoßen. Ich kann garnicht beschreiben, was mir durch den Kopf ging, als ich die vielen Erfahrungsberichte las. Ich hatte das Gefühl, hier wird hundertfach meine Geschichte erzählt und war so unendlich erleichtert. Endlich, ENDLICH eine plausible Erklärung!

Eine Woche später habe ich mir das Monsterding ziehen lassen. Natürlich meinte auch meine FA, das könne alles nicht von der Spirale kommen, sie verschreibe sie schon viele Jahre und sei mit ganz vielen Kollegen im Austausch, aber das höre sie zum ersten Mal. In Marburg gebe es eine Klinik für Menschen mit mysteriösen Erkrankungen, vielleicht sollte ich mal da…? (Kleine Anekdote am Rande: Kurze Zeit später habe ich im Internet eine Fernsehreportage über eben jene Klinik gesehen, dort wurde eine Frau behandelt, die sich über zehn Jahre lang mit massiven gesundheitlichen Beschwerden plagte und niemand fand eine Ursache. Und nun dürft Ihr raten, was der Professor dieser Klinik als Ursache festgestellt hat…).

Was soll ich sagen: Drei Tage nach dem Ziehen der Spirale waren zum ersten Mal nach fast drei Jahren meine Kiefernmuskeln weich und sind es bis heute. Trotzdem ist seitdem jeder Tag eine Wundertüte. Ich hatte wieder einen Migräneanfall, zum Glück nicht soo heftig, immer noch Schmerzen in den Gelenken und Muskelverspannungen, Atemnot, Kribbeln in den Gliedmaßen, fast durchgängig Unterleibsschmerzen, aber insgesamt habe ich das Gefühl, dass es mit jedem Tag ein winziges Bisschen besser wird. Ein paar Tage nach dem Ziehen der Mirena hatte ich eine leichte Blutung. Seit sechs Tagen nun die zweite Blutung, die ziemlich heftig ausfällt.

Zum Glück habe ich eine wunderbare Heilpraktikerin gefunden, die mich sehr unterstützt. Da mein (jetzt ehemaliger) Hausarzt mich ebenfalls belächelt hat, als ich ihm von der Mirena erzählte, habe ich mir eine neue Ärztin gesucht. Ihr war das zwar auch neu, sie nimmt mich aber ernst und checkt mich komplett durch. Ich habe ein großes Blutbild machen und auf eigene Kosten meinen Vitaminspiegel testen lassen (Ergebnis steht noch aus), denn ich bin mittlerweile sicher, dass all meine Beschwerden mit dem Vitamin- und/oder Progesteronmangel, den die Mirena verursacht, zu erklären sind. Die Hausärztin will mich außerdem zum Endokrinologen schicken. Ich hoffe also, dass ich irgendwann wieder ganz gesund werde.

An dieser Stelle vielen, vielen Dank den Gründerinnen dieses Forums und Euch allen, die Ihr Eure Geschichten hier veröffentlich habt. Ich hoffe, dass auch meine Geschichte dazu beitragen kann, dass anderen Frauen so ein Leidensweg erspart bleibt!

Eure lekado

Nachtrag am 22.3.17: Heute habe ich die Blutergebnisse bekommen; Vitamin D bei 9 (normal ist 35-60), Magnesium, Eisen und B 12 an der unteren Grenze. Die Ergebnisse sind eigentlich genau so, wie ich sie nach den Informationen aus dem Forum erwartet habe... Ich nehme seit einer Woche schon Vitamin D, B 12, K 2, Magnesium und Calcium, ausserdem Mönchspfeffer und es geht mir täglich etwas besser.
Liebe Grüsse an Euch!

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