Brief an Jenapharm

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lekado
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Brief an Jenapharm

Beitragvon lekado » 05.09.2017, 11:47

Hallo Ihr Lieben,

wie ich bereits erzählte, habe ich vor einigen Wochen einen Brief von Jenapharm erhalten, in dem ich gebeten wurde, nochmal zu meinen Nebenwirkungen Stellung zu nehmen, die vom BfArM an Jenapharm gemeldet wurden.

Ich wollte zunächst das Ergebnis meiner Meridiandiagnose abwarten (das ich gestern nach drei Monaten endlich bekommen habe!) und die Diagnose ist eindeutig: Progesteron-/Estradiolmangel, Mangel an Vitamin B, C, D, Zink, Selen, Übersäuerung, toxikologische Belastung und Befall des Darms mit Viren, Bakterien, Pilzen und Parasiten. Das aber nur am Rande...

Ich möchte Euch den Brief gerne zum Lesen zur Verfügung stellen. LG Leonie

"Abschließend möchte ich noch ein paar persönliche Worte an Sie richten:

Wie ich mittlerweile erfahren habe, sind Gynäkologen seit 2007 „angehalten“, Frauen auf die Nebenwirkungen der Mirena hinzuweisen und einen Aufklärungsbogen unterschreiben zu lassen.

Ich las, dass der Bayer-Konzern in der Vergangenheit darauf hingewiesen wurde, dass nur in wenigen Fällen eine ordnungsgemäße Aufklärung durch die Gynäkologen stattfindet. Bayer erklärte daraufhin, die Nebenwirkungen seien von den Frauen in der Packungsbeilage einzusehen, wenn sie die Mirena aus der Apotheke holten.

Ich möchte ausdrücklich betonen, dass das nicht die gängige Praxis ist! Üblicherweise bekommen die Frauen die Mirena direkt in der gynäkologischen Praxis eingesetzt und haben so überhaupt nicht die Möglichkeit, die Packungsbeilage einzusehen.

Ich bin mit vielen mirenageschädigten Frauen im Austausch. Der überwiegende Teil erhielt bei Einlage der Spirale lediglich die Hochglanzbroschüre „Kopf frei für die Liebe“ und hielt diese irrtümlich für die Packungsbeilage (auch, weil garnicht erwähnt wurde, dass es neben der Broschüre noch eine reguläre Packungsbeilage gibt!).

In der Broschüre werden mögliche „Begleiterscheinungen“ zwar kurz angesprochen, es wird aber ausdrücklich betont, dass diese auch mit dem natürlichen Zyklus zusammenhängen können und sich meist auf die Eingewöhnungsphase, also die ersten 3 Monate beschränken. Es wird impliziert, dass Nebenwirkungen die absolute Ausnahme seien. Der Hinweis, für weitere Informationen die Gebrauchsinformation zu lesen, ist so versteckt angebracht, dass ich ihn erst nach mehrfachem Lesen der Broschüre entdeckt habe. Ich halte das für eine bewusste Irreführung der Patientinnen!

Außerdem frage ich mich, warum ein Medizinprodukt überhaupt so aufwändig beworben werden muss und ob das nicht lediglich dem Zweck dient, die Herausgabe der Packungsbeilage zu umgehen, in der die Liste der Nebenwirkungen deutlich umfangreicher ist!

Die Verantwortung für eine ordnungsgemäße Aufklärung IHRES Produktes wird von Ihnen an die Frauenärzte weiter delegiert, indem Sie aufwändiges Werbematerial zur Verfügung stellen und darauf vertrauen, dass sich Frauen nach Einsicht dieser umfangreichen Broschüre umfassend aufgeklärt fühlen und darüber hinaus nicht weiter über mögliche Nebenwirkungen informieren. Einen Zusammenhang zwischen Mirena und möglichen Beschwerden zu ziehen, wird für Frauen damit massiv erschwert bis unmöglich gemacht.

Die Frauenärzte argumentieren, sie hätten die Frauen durch die Herausgabe der Broschüre doch aufgeklärt und ihre Pflicht sei somit erfüllt.

Leidtragende sind die betroffenen Frauen, die zum Teil jahrelange Leidenswege durchmachen müssen, bevor sie auf die Hormonspirale als Verursacher ihrer Beschwerden kommen. Für mich ist das ein unhaltbarer Zustand!!!

In mehreren in den Medien veröffentlichten Stellungnahmen des Bayer-Konzerns las ich, dass mirenageschädigte Frauen als Einzelschicksale dargestellt werden und die „positive Nutzen-Risiko-Abwägung“ betont wird. Erstaunlich, angesichts der Tatsache, dass im vergangenen Jahr mehr als 3.500 Frauen in den USA den Bayer-Konzern wegen gesundheitlicher Schädigungen durch Mirena verklagt haben. In den deutschen Medien wird seit einiger Zeit immer wieder von geschädigten Frauen berichtet. Auch in Österreich wird über die Risiken der Mirena öffentlich diskutiert.

Zwar klingen diese Zahlen gering angesichts der Tatsache, dass im letzten Jahr mehr als 1 Milliarde Euro Gewinn durch Mirena erzielt wurde, aber ich bin der Überzeugung, dass die Dunkelziffer geschädigter Frauen ungleich höher ist und viele Frauen mangels Aufklärung nicht auf den Gedanken kommen, dass ihre physischen und psychischen Beschwerden von der Mirena herrühren.

Zumal ein Zusammenhang zwischen gesundheitlichen Beschwerden und Mirena von vielen Ärzten noch immer kategorisch verneint wird mit dem Hinweis auf die angeblich „lokale“ Wirkung – obwohl die Nebenwirkungen mittlerweile hinreichend bekannt sind und auch die „lokale Wirkung“ als falsch entlarvt wurde! Gerne werden die betroffenen Frauen als „Psychofälle“ abgetan, das berichten Frauen in den einschlägigen Internetforen immer wieder und das ist auch meine Erfahrung.

Ich bin überzeugt, dass die Zahl der geschädigten Frauen in den nächsten Jahren sehr viel weiter ansteigen wird, da die Nebenwirkungen sich offenbar mit steigender Tragedauer potenzieren und erst bei der zweiten oder dritten Mirena voll zum Tragen kommen. Angesichts der Tatsache, dass Mirena in diesem Jahr 20 Jahre auf dem deutschen Markt ist und sich erst etablieren musste, um zu einem der meistverwendeten Verhütungsmitteln zu werden, dürften die Folgeschädigungen bei vielen Frauen erst jetzt oder in nächster Zukunft einsetzen.

Mein Leidensweg steht stellvertretend für viele Frauen, mit denen ich in Kontakt bin (und die täglich mehr werden!). Deshalb appelliere ich an Sie, Ihrer Verantwortung als Herstellerkonzern nachzukommen und dafür Sorge zu tragen, dass Patientinnen umfassend über Risiken und Nebenwirkungen aufgeklärt werden.
Diese Verantwortung kann und darf von Ihnen nicht delegiert oder umgangen werden!"

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dieBeate
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Re: Brief an Jenapharm

Beitragvon dieBeate » 05.09.2017, 18:27

Hallo, Leonie,

vielen Dank, dass du deinen Brief an Jenapharm hier im Forum veröffentlicht hast. Bin gespannt, ob darauf eine Antwort von Jenapharm kommt.

Ich frage mich, ob Frauenärzte entweder blind und taub sind oder bewußt mit Schauklappen durch die Welt laufen. Angesichts der Berichte in den Medien (Fernsehen, Rundfunk), die mittlerweile viele Frauen / Mirenaträgerinnen erreicht haben, stellt sich mir wirklich die Frage, wie eine Gynäkologin oder ein Frauenarzt immer noch die Mär von der lokalen Wirkung widerkauen kann. Meine persönliche Bewertung: Entweder steckt da eine gezielte Verharmlosungskampagne von Jenapharm/Bayer mittels der Pharmareferenten dieses Weltkonzerns dahinter und/oder um den IQ bzw. EQ (Emotionale Intelligenz) von Fachärzten auf dem Gebiet der Frauenheilkunde ist es übel bestellt. Kritisches Hinterfragen, w e r die Infos zu Pharmaprodukten bereitstellt und ob diese Infos interessengebunden sind oder nicht, ist weder bei Ärzten noch bei Apothekern zu finden. Wieviele Frauenärztinnen verhüten eigentlich selbst hormonell? Das würde mich wirklich mal interessieren.

Mir selbst geht es mittlerweile 2 Jahre nach der Mirena wieder ganz gut, insbesondere seit ich bioidentisches Progesteron nehme. Die Welt ändern kann ich nicht, daher ist es mir zur Zeit wichtiger, mich mit meiner eigenen Gesundheit zu befassen als mit Aufklärungsarbeit. Jenapharm blickt auf eine laaange Geschichte in Sachen Hormonforschung zurück, bei der Coordination gegen Bayer-Gefahren kann frau sich diesbezüglich schlau machen. Vor kurzem wurde ein Bund der Duogynongeschädigten gegründet, das war ein hormoneller Schwangerschaftstest von Schering/Bayer. Seit ca. 40 Jahren kämpfen die Duogynonopfer um Entschädigung, bisher ohne Erfolg. Wenn es interessiert: www.duogynonopfer.de. Trotz Berichten in den Medien über den Duogynon-Skandal (Fernsehen, Stern, Spiegel usw.) wird das BfarM und das Bundesministerium für Gesundheit auch in diesem Fall seiner Verantwortung nicht gerecht. Ich finde das skandalös, es zeigt mir aber, dass auch wir Mirenaopfer wohl in diesem Land unter der bestehenden Gesetzgebung (keine Sammelklagen) und angesichts der weitgehenden Untätigkeit der zuständigen Behörden keine Chance gegen einen Pharmakonzern haben. Im Oktober 2017 soll ja nun wohl die Bewertung durch die EMA in Sachen psychiatrische Nebenwirkungen der Hormonspiralen vorliegen. Bin gespannt wie weit Bayers Einflussnahme reicht - nur meine Meinung.

Liebe Grüße in die Runde
Beate

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lekado
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Re: Brief an Jenapharm

Beitragvon lekado » 05.09.2017, 19:48

Liebe Beate,

ich gebe Dir in allen Punkten recht! Auch ich habe mir die Frage gestellt, wie Ärzte es trotz der vielfältigen Berichterstattung in den Medien schaffen, die Augen vor den Nebenwirkungen der HS zu verschliessen. Dazu gehört schon eine gehörige Portion Arroganz (oder Blödheit...).

Wie dem auch sei: Ich bin trotzdem der Meinung, dass Bayer/Jenapharm seiner Sorgfaltspflicht nicht nachkommt, indem gezielt die Broschüre und nicht der Beipackzettel in Umlauf gebracht wird. Ich halte das für eine bewusste Patiententäuschung!

Ich muss gestehen, dass ich den Inhalt der Broschüre garnicht mehr auf dem Schirm hatte, sie mir aber heute nochmal aus dem Internet heruntergeladen habe. Sie ist in der Tat so aufgebaut wie eine umfassende Gebrauchsinformation, so dass die Patientin garnicht auf die Idee kommt, dass es daneben noch eine Packungsbeilage gibt. Der Verweis auf die Packungsbeilage ist irgendwo ganz unten in die Ecke gequetscht und wird so leicht überlesen, dass ich ihn erst nach mehrmaligem Lesen fand und weil ich gezielt danach gesucht habe!!!! Ich finde das eine Riesenschweinerei, das ist doch unlauter! Für Aspirin oder Halsschmerztabletten kriegen wir schließlich auch keine Hochglanzbroschüre.

Ich bin sehr sicher, dass mein Brief nichts bewirken wird. Ich habe eine detaillierte Aufstellung meiner Mirenakrankheitsgeschichte hingeschickt. Das war mir ein Bedürfnis, v.a. weil gezielt danach gefragt wurde, welche Vorerkrankungen, Risikofaktoren u.ä. es gibt - also zielt der Brief ja schon darauf ab, die Nebenwirkungen auf andere Faktoren schieben zu können. Ich habe explizit darauf hingewiesen, dass ich vor Mirena ein kerngesunder Mensch war, aber vermutlich wird es irgendwie so gedreht werden, dass meine Beschwerden andere Ursachen haben können.
Egal! Mir war es ein Bedürfnis, meine Meinung zu sagen, auch wenn es nix bringt.

Ich kann von daher gut verstehen, liebe Beate, dass Du jetzt primär an Dich und Deine Gesundung denkst und freue mich aufrichtig für Dich, dass es Dir endlich besser geht.
Alles Gute für Dich!
LG Leonie

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Silke323
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Re: Brief an Jenapharm

Beitragvon Silke323 » 06.09.2017, 14:14

Liebe Leonie,

sehr gut verfasster Brief. Bin gespannt was kommt, bitte berichte.

LG - Silke

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ladybird
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Re: Brief an Jenapharm

Beitragvon ladybird » 13.09.2017, 23:43

Hallo Leonie,
ich kann alles sehr gut nachvollziehen, was du in dem Brief an Jenapharm schreibst.
Wie du schon sagst, wird der Brief keine großen Auswirkungen haben. Und ich finde auch den Adressat nicht richtig. Der Hersteller ist nicht dafür verantwortlich, dass der Beipackzettel verbreitet wird, er tut ihn in die Packung und gut. Damit ist er ausm Schneider.
Adressat sollten die GynäkolgInnen dieser Welt sein, die den BPZ nicht aushändigen. An die ist allerdings schlecht ranzukommen, nicht mal über den Berufsverband. Übrigens hast du da offensichtlich was verwechselt.
"Ich las, dass der Bayer-Konzern in der Vergangenheit darauf hingewiesen wurde, dass nur in wenigen Fällen eine ordnungsgemäße Aufklärung durch die Gynäkologen stattfindet. Bayer erklärte daraufhin, die Nebenwirkungen seien von den Frauen in der Packungsbeilage einzusehen, wenn sie die Mirena aus der Apotheke holten."
Das war der Berufsverband der Frauenärzte und nicht Bayer!
Man kann sie beinahe verwechseln, so sehr ziehen sie am gleichen Strang: dem Profit.

Ich denke, jeden dieser beiden Bösewichte muss man gesondert angehen.
Dem Hersteller kommt man sicherlich nicht bei mit ins-Gewissen-reden. Das ist ein Wirtschaftsunternehmen, das zum Ziel hat, möglichst viel Profit zu machen. Auf Kosten der Gesundheit von Menschen und sogar Menschenleben. Dem Hersteller kommt man allenfalls über Behörden bei wie das BfArM (ein erster Schritt ist getan, da die Angaben in der Fachinformation und auch bald im Beipackzettel aufgrund eines Schreibens unserer Initiative geändert wurden/werden). Und eben wie z.B. über das Signalverfahren zu den psychiatrischen Nebenwirkungen. Eine andere Sprache versteht dieser Konzern nicht.

Den Frauenärzten kommt man mit öffentlichem moralischem Druck bei. Das geschieht gerade durch die Medienwelle. Und das ist gut so.

Als dritte große Maßnahme im Kampf gegen eine der unseligsten Erfindungen unserer Zeit sehe ich die Aufklärungsarbeit an, im kleinen (persönliches Netzwerk) wie im Großen (Medien). Da ist das erklärte Ziel, so viele Frauen wie möglich über die Hormonspirale aufzuklären, so dass sich immer weniger Frauen eine legen lassen und ihre Überzeugung wiederum weitertragen, eine Art umgekehrter Schneeballeffekt.

Man kann also eine ganze Menge gegen die Ohnmacht tun!

In diesem Sinne möchte ich alle, die dies lesen auffordern aktiv zu werden! Das hilft sehr aus der Opferrolle herauszukommen, in die wir unfreiwillig durch die HS hineingeworfen wurden.

Gruß
Ladybird
www.risiko-hormonspirale.de
Jahrgang 1967, keine Kinder, feste Beziehung, Mirena1: 2000-2006, Mirena2: 2006-Nov.2010

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lekado
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Re: Brief an Jenapharm

Beitragvon lekado » 14.09.2017, 09:06

Hallo ladybird,

Danke für Deine Antwort. Sicher hast Du recht, dass sich die Gynäkologen ihrer Verantwortung entziehen, indem sie den Beipackzettel nicht aushändigen, was ihre Pflicht wäre.

Trotzdem denke ich, dass der Herstellerkonzern diese Praxis erst ermöglicht, indem er eine gesonderte Werbebroschüre in Umlauf bringt. Ich kann mich nicht entsinnen, so etwas jemals zu einem anderen Arzneimittel bekommen zu haben. Durch dieses Gebaren wird es den FA ja erst ermöglicht, die Herausgabe des Beipackzettels zu umgehen und sich darauf auszuruhen, dass man seine Patientinnen umfassend aufgeklärt hat.
Ich meine, es gehört verboten, dass ein Arzneiprodukt neben der Packungsbeilage noch durch eine gesonderte Beilage beworben werden darf. Gäbe es die Broschüre nicht, würde die Packungsbeilage sicher öfter herausgegeben oder die Patientinnen würden gezielt danach fragen.

Wie ich schon sagte: Ich hielt die Broschüre für die Packungsbeilage und kam nicht auf die Idee, dass es eigentlich etwas anderes ist, nämlich eine zur Irreführung der Patientinnen (und vielleicht auch der Gynäkologen?!?) gedachte Werbung, die ganz bewusst nur die Vorteile bewirbt und die Risiken verschweigt, bzw. kleinredet. Wenn wir die Pille kaufen, bekommen wir auch keine Extrabroschüre über die Megavorteile, oder? Warum wohl nicht... Vielleicht weil die Nachteile der Pille mittlerweile jedem bekannt sind, was man von der HS nicht sagen kann. Also nutzt der Hersteller die Ahnungslosigkeit der Patientinnen aus und das grenzt für mich schon ans kriminelle!

Viele Grüsse

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ladybird
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Re: Brief an Jenapharm

Beitragvon ladybird » 15.09.2017, 17:26

Hallo Leonie,
achso, du meinst die Broschüre.
Ehrlich gesagt bin ich immer davon ausgegangen, dass die das dürfen. Für andere Medikamente darf doch auch geworben werden, oder? Oder gilt das nur für rezeptfreie?
Und auch hier sehe ich nicht Bayer als Ansprechpartner, sondern einen Rechtsanwalt, der herausfindet, ob "die das dürfen".
Ich gehe stark davon aus, dass Bayer sich da abgesichert hat.

Moralisch kann ich deine Empörung sehr gut verstehen, aber auch hier kann man Bayer nichts. Es ist ein Wirtschaftsunternehmen, das seine Produkte bewirbt im legalen Rahmen.
Und ich finde nicht, dass die Broschüre wie ein Beipackzettel wirkt. Die sind doch immer nüchtern und neutral und ohne Bilder.
Auch hier sehe ich die Verantwortung bei den GyäkologInnen, die den Eindruck vermitteln, die Broschüre sei alles, was man dazu wissen müsse.
Gruß
Ladybird
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Re: Brief an Jenapharm

Beitragvon lekado » 17.09.2017, 19:33

Hallo,

ich finde es schwierig, die "Schuld" nur einem einzigen Beteiligten zu geben.

Ich glaube, dass meine FA ihrer Aufklärungspflicht nicht nachgekommen ist, bin aber sicher, dass sie mir nicht wissentlich schaden wollte. Ihr Anteil ist ohne Frage, dass sie sich nicht ausreichend informiert hat und mich somit auch nicht. Den Vorwurf muss ich mir selber auch machen.

Ein Herstellerkonzern dagegen, der bereits in einem anderen Land, wo er sein Produkt vertreibt, Sammelklagen von Geschädigten gegen sich laufen hat und die Augen davor verschliesst, der handelt in meinen Augen fahrlässig. Natürlich ist Bayer ein Weltkonzern, der ausschliesslich seine finanziellen Interessen verfolgt. Das macht die Schuld nicht kleiner!
Dass Arzneimittelkonzerne leider den längeren Atem haben, wenn es um Entschädigungen geht, hat der Conterganskandal um Grünenthal ja hinreichend bewiesen. Einen Gang zum Anwalt kann man sich da sicher schenken...
Ich bin auch überzeugt, dass nur der Gang an die Öffentlichkeit und die Aufklärung im privaten Umfeld etwas bringt.
Gruß

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dieBeate
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Re: Brief an Jenapharm

Beitragvon dieBeate » 24.10.2017, 23:48

Hallo, zur Info: Laienwerbung (bei den "Arzneimittelendverbrauchern") für rezeptpflichtige Arzneimittel ist in Deutschland verboten, in den USA dagegen erlaubt. Jenapharm / Bayer macht das schlau: Die Broschüren werde an Gyns geliefert, also an Fachleute (Ärzte, Apotheker). Damit sind die Jenapharm (Bayer)-Leute aus dem Schneider rechtlich gesehen, denke ich bzw. sie haben eine gute Ausrede. Die behaupten bestimmt, die Broschüre solle ja nur die "ärztliche Aufklärung" unterstützen. Denke rechtliche Grauzone, das kann das wohl nur ein Jurist beurteilen, denn die Broschüren sind ja zur Weitergabe an die Patientinnen verfasst worden.

Arzneimittelgesetz: Text sinngemäß, irgendwelche §§: Der Vertrieb und die Herstellung von Arzneimitteln, die bei bestimmungsgemäßen Gebrach schädliche Wirkungen haben (unter Gerücksichtigung des Nutzen/Risiko-Verhältnisses) ist in Deutschland verboten und steht unter Strafe - so zumindest meine Auffassung der Rechtslage. Da der Nutzen (Empfängnisverhütung) auch mit unschädlichen Kondomen erreicht werden kann, ist das, was als Schaden in Kauf genommen werden muss, sehr wenig. Wenn die Mirena bei ganz heftigen Monatsbutungen usw. eingesetzt wurde, sieht das evtl. etwas anders aus. Bloss: wo keine Klägerin, da kein Richter. Ich habe leider keine Rechtschutzversicherung und auch nicht die Nerven für einen Prozeß gegen Bayer.

LG Beate

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Re: Brief an Jenapharm

Beitragvon dieBeate » 26.10.2017, 08:21

Hallo, Leonie,

fahrlässiges Handeln sehe ich auch bei Jenapharm / Bayer gegeben...bin sogar am Überlegen, ob nicht die Grenze zum "vorsätzlichen Handeln" überschritten wurde - das muss ich zum Glück nicht beurteilen. Aber in Jena laufen ja die Infos zusammen, und so ahnungslos können die Leute in der Drug Safety Abteilung gar nicht sein. Die verfassen ja auch die Beipackzettel für Kanada (warning für Frauen mit history of depression), für Österreich (Hinweis auf Übergewicht infolge Mirena-Exposition) usw. Das sind übrigens wenige Mitarbeiter - tragen diese Personen persönliche Schuld? Schade, dass es keinen whistleblower gibt - wäre interessant, denke ich. LG Beate

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