Bericht einer Ärztin /Frauengesundheitszentrum

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Katja
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Bericht einer Ärztin /Frauengesundheitszentrum

Beitragvon Katja » 02.02.2004, 10:35

(Frauengesundheitszentrum Graz )

Sylvia Groth M.A., 1.3.2000
Die Liegedauer von der Kupferspirale Multiload 375 wird vom Hersteller Organon mit 5 Jahren angegeben, der Hersteller Schering gibt für Nova T 380 5 Jahre an. Im International Planned Parenthood Federation "IPPF Medical Bulletin" 29,6,Dec 1995 wird angegeben, daß die Kupferspirale TCu 380 A mindestens 10 Jahre hält, Multiload 375 mindestens 5 Jahre.
Ein häufigerer Wechsel ist aus zwei Gründen nicht zu empfehlen: Die Komplikationsraten wie starke Krämpfe oder spontanes Ausstoßen der Spirale sind in den ersten Monaten nach Einlegen am häufigsten. Und die Kosten werden unnötig hoch.
Der Pharmakonzern Schering vertreibt eine Spirale, die sehr stark beworben wird. "Mirena" enthält ein Gestagen, nämlich Levonorgestrel. Geworben wird damit, daß sie fünf Jahre liegen könnte, ein Argument, das nicht zählt (s.o.). Sie vereint meines Erachtens die Nachteile einer Spirale mit denen einer Pille.

Die Wirkungsweise basiert darauf, daß laufend geringe Mengen dieses Gestagens in die Gebärmutter abgegeben werden, dadurch wird das Wachstum der Gebärmutterschleimhaut gehemmt, die Drüsen bilden sich zurück, die Stärke der Blutung ist gemindert.

Wirksamkeit: Die Wirksamkeit wird mit 0.1 Schwangerschaft gegenüber herkömmlichen Spiralen mit 1.26 Schwangerschaften auf 100 Frauenjahre als hoch angegeben. Die Versagerquote ist also geringer als bei den alten Spiralen, doch stoßen 6-7% der Frauen jede Art der Spirale besonders in den ersten beiden Anwendungsmonaten aus.

Unter der Hormonspirale überwiegen als Gründe für einen Abbruch das Aussetzen der Regel (bis 25%), andere Blutungsunregelmäßigkeiten (bis 20%) und gestagene Störwirkungen wie Depression, Akne oder Kopfschmerz (12%). In einem fünfjährigen Vergleich werden bei Anwenderinnen der gestagenhaltigen Spirale mehr als doppelt so viele Veränderungen an Zellen des Gebärmutterhalses (Zervixdysplasien) festgestellt als bei einem Gestagen, daß zur Verhütung unter die Haut gepflanzt wird. Problematisch könnte sich auswirken, daß diese Spirale größer ist als die bisherigen und daher schwieriger einzusetzen. Langfristige Folgen sind ungeklärt.

Im übrigen kostet diese Spirale das 5 bis 10-fache herkömmlicher Spiralen. Mit öS 5000 ist sie die teuerste Spirale auf dem Markt, davon erhält öS 2900 die ÄrztIn für das Einsetzen, öS 2100 berechnet der Pharmakonzern. Diese Spirale verhütet eine Empfängnis zwar zuverlässig, ist aber sehr teuer. Die mit 5 Jahren lange Liegedauer, die von der Industrie als Vorteil angegeben wird, gilt für alle Spiralen. Die Nachteile dieser Spirale, zusätzlich zu den sonstigen Kosten einer Spirale - daß sie als Fremdkörper in der Gebärmutter sitzt, Eileiterschwangerschaften häufiger vorkommen und Frauen leichter Entzündungen bekommen, und dadurch das Risiko haben, unfruchtbar zu werden - ist, daß sie langfristig noch nicht einschätzbar ist. Es fehlen bevölkerungsbezogene Langzeituntersuchungen über die Veränderungen der Gebärmutterschleimhaut und des Gebärmutterhalses. So ist durch eine gestagenhaltige Spirale der Zellabstrich bei der Krebsfrüherkennung (Befundung nach Papanicolaou) typisch verändert durch die zurückgebildete Gebärmutterschleimhaut (atrophes Endometrium) und kann dadurch schwer von entzündlichen oder bösartigen Veränderungen abgrenzbar sein und u.U. zu unnötigen Eingriffen führen. Die Erzeugerfirma hat leider übersehen, diese wissenschaftliche Information auch an die PathologInnen und ZytologInnen weiterzugeben. (gynäkologische praxis 24, 93-94, 2000).
Diese Spirale wird für Frauen empfohlen, "die ihre Familienplanung abgeschlossen haben". (arzneimitteltelegramm 11/1997)

http://www.fgz.co.at/texte.htm#Erfahrung

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dieSonja
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Beitragvon dieSonja » 03.11.2004, 14:56

Hab diesen Artikel erst jetzt entdeckt. Sehr interesant!

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