Allgemeines zur weiblichen Sterilisation

Alles rund um die Sterilisation.

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Mondi
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Allgemeines zur weiblichen Sterilisation

Beitragvon Mondi » 17.11.2007, 11:05

Methoden,Allgemeines

Zu allererst sollte man sich gründlichst überlegen,ob man diesen Schritt gehen möchte,da eine sog. "Refertilisierung" in den wenigsten Fällen möglich ist und der Eingriff der Sterilisation für die Frau keine Lapalie darstellt,da er zumeist unter Vollnarkose gemacht werden muss. Frau sollte sich hierfür einen kompetenten Arzt suchen,dem sie auch vertraut. Im Vorgespräch sollten zudem alle Fragen der Patientin vom Arzt beantwortet werden (können). Die Preise für den Eingriff sind recht unterschiedlich und hängen u.a. auch davon ab,ob er stationär oder ambulant durchgeführt wird. Was frau auch wissen sollte ist,dass selbst dieser so endgültig scheinende Eingriff keine 100%ige Sicherheit vor
einer Schwangerschaft gewährt,was sich auch in dem PI -der je nach Quelle unterschiedlich angegeben wird-von 0,1-0,3 niederschlägt. Dieser PI kommt erstens zustande,da es Fälle von Schwangerschaften gibt,die bereits WÄHREND der OPbestanden haben (wurde nicht getestet-ob schwanger oder nicht)und zweitens,weil es zu einer sog. "spontanen Rekanalisation" kommen kann. Diese spontane Rekanalisationkann angeblich nur im ersten halben Jahr passieren,dennoch sind Fälle bekannt,in denen Frauen nach Jahren noch schwanger wurden. Das sollte man vor dem Eingriff bedenken,dass er eben NICHT 100%ige Sicherheit verspricht und eine-wenn auch geringe-Chance besteht,doch schwanger zu werden. Beim Eingriff selbst gibt es verschiedene Methoden,die meist angewandte ist die operative Methode,bei
der es wiederum verschiedene gibt. Am Häufigsten werden die Eileiter verschmort bzw. verödet (hierbei gibt es wieder drei verschiedene Methoden)mittels einer Lapraskopie (Bauchspiegelung) bei der eine kleine Narbe zurück bleibt.Eine andere-wenn auch unsicherere Methode-ist das "verclipsen" der Eileiter,wobei jeder Eileiter mit einem Clip versehen wird (was nicht bedeutet,dass man wieder Kinder bekommen kann,wenn diese Clips entfernt werden),was als unsicherer gilt als das Veröden. Ein ähnlicher Eingriff ist der,bei dem die Eileiter mit einem
Silikonband abgebunden werden,hierbei gilt von der Sicherheit her und von der Möglichkeit des rückgängig machens dasselbe wie bei den Clips. Bei allen drei Möglichkeiten wird ein Einschnitt am Bauchnabel gemacht (teilweise sind auch drei "Eintritte" nötig-einer am
Bauchnabel,einer im Schambereich und einer an der Seite)-unter Vollnarkose-und danach wird der Bauch mit einem Gas aufgepumpt,damit der Arzt besser sehen kann,was er tut. Danach kommt ein Instrument mit einer Optik in die Öffnung und in diesem Instrument befindet sich auch entweder das "Verödungsinstrument" oder die Klemmen für Silikonband bzw. Clips (werden drei "Eintritte" benötigt,sieht der
Eingriff natürlich etwas anders aus-das Gas wird aber jedes Mal gebraucht).Es ist wichtig vor dem Eingriff den Arzt zu fragen,WELCHE Methode verwendet wird.


Risiken,mögliche Komplikationen

Abgesehen vom Narkoserisiko (das egal bei welchem der operativen Eingriffe IMMER besteht),besteht auch noch das Risiko,dass der Arzt mit seinen Instrumenten den Darm,die Blase oder andere im Bauchraum befindlichen Regionen verletzen könnte (ist äußerst selten). Es könnte auch sein,dass er die Blutversorgung der Eileiter zerstört,was dazu führen würde,dass diese ihren Dienst versagen und man somit früher in die Wechseljahre kommt. Wie ich erst kürzlich in einem Buch las, führt selbst eine gelungene Tubensterilisation zu einer signifikanten Veränderung des Progesteronspiegels,welche noch ein Jahr nach der OP nachweisbar ist.
Dies kann zu PMS oder anderen Beschwerden führen.("Frauenkörper,Frauenweisheit" von Dr. Christiane Northrup)

Nach dem Eingriff

Das Ei übrigens (was normalerweise nach der OP immer noch jeden Monat "springt"),gelangt nur noch bis zur Unterbrechungsstelle-egal ob bei der operativen oder den anderen Methoden-und wird dort vom Eileitergewebe resorbiert. Darum-wenn z.B.die Eileiter nicht 100%ig verschlossen sind-ist das Risiko einer Eileiter oder Bauchhöhlenschwangerschaft nach einer Sterilisation erhöht-allerdings nur bei den operativen Methoden-,bei den anderen Methoden (Essure und Ovabloc)sollte der Eileiter ja 100%ig blockiert sein und ein zusammentreffen von Samen- und Eizelle somit unmöglich sein.
Die sexuelle Erlebnisfähigkeit bleibt übrigens ungetrübt,für manche Frauen ist es psychisch sogar sehr gut zu wissen,dass eine Schwangerschaft unmöglich ist.


Nicht-operative Methoden


Mittlerweile gibt es auch nicht-operative Methoden,die aber noch weniger rückgängig zu machen sind. Die eine nennt sich Ovabloc,hierbei wird -unter lokalerBetäubung-Gummi in die Eileiter gespritzt und verschließt diese sofort völlig. Der Eingriff ist billiger-je nach Arzt und einfacher als die operative Methode,allerdings noch nicht so gut erforscht und obwohl das Gummi wieder entfernt werden kann,heißt das nicht,dass frau danach wieder schwanger werden kann. Eine andere Methode,nach demselben Prinzip,stellt die Essure-Methode dar. Hierbei werden beide Eileiter mit einer Spirale versehen-auch unter örtlicher Betäubung-,die als Gerüst dienen soll für Gewebe aus den Eileitern,welches dieses Gerüst umwuchert und so selbst für die Verschließung der Eileiter sorgen soll. Diese Methode ist in manchen Fällen
nicht anwendbar und nicht in allen Fällen kann zu 100% garantiert werden,dass beide Eileiter völlig "dicht" sind. Sowohl Essure als auch Ovabloc sind in Deutschland noch wenig verbreitet und darum gibt es wenige Ärzte,die damit umgehen können bzw. dieses anbieten. Bedenken sollte frau natürlich auch, dass diese Methoden noch nicht solange existieren und Erfahrungswerte fehlen.

Alternativen-die Alternative ist für alle hier wohl kein Thema ;-)

Meist wird Frauen auch dazu geraten,sich zu überlegen,ob nicht lieber ihr Partner diesen Weg gehen möchte,da die OP erstens einfacher und zweitens mit weniger Risiken verbunden ist. Als Alternative zur Sterilisation wird oft die Mirena genannt-wenn man keine Hormone nehmen möchte,scheidet diese Alternative allerdings aus.Zudem sollte man bedenken,dass die Mirena für fünf Jahre ca. 300-350EUR kostet und je nach dem Zeitpunkt,zu dem man sich sterilisieren lässt,zahlt man dann drauf (Bsp. Frau lässt sich mit 30 sterilisieren,zahlt ca. 800EUR -gibt auch billigere-und hat damit Ruhe. Eine andere lässt sich von 30 bis ca. 50 (wegen den Wechseljahren,in denen man ja nicht mehr schwanger werden können sollte)die Mirena legen und zahlt damit -gehen wir von 300EUR aus-1200EUR). Vor allem hat eine gut durchgeführte Sterilisation keine Nebenwirkungen (diese treten nur bei verpfuschten OPs auf,da an den Eierstöcken etc. ja nichts getan wird),die Mirena hat aber eine ganze Menge möglicher (siehe auch-www.hormonspirale-forum.de) Nebenwirkungen.

Rekanalisation

Hier noch ein Link zur Rekanalisationswahrscheinlichkeit (je nach Alter und OP-Typ),es ist vll gut sich das vor der OP mal anzuschauen,damit man mit dem Arzt besprechen kann,welche Methode man gerne hätte.

Kosten
Die Kosten sind warum auch immer recht unterschiedlich,
ich habe sowohl schon von 380€ gehört (jeweils für eine AMBULANTE OP!),als auch von 900€. Also genau erkundigen,obs ein anderer Arzt in der Nähe nicht für weniger macht,bei denselben Leistungen

Zugänglichkeit
Um eine Sterilisation zu bekommen,sprechen Sie am besten ihren Gynäkologen an,sollte dieser keine Operationen durchführen oder sie nicht sterilisieren wollen (warum auch immer),können Sie es bei anderen Gynäkologen versuchen. Es gibt übrigens KEINE gesetzliche Altersgrenze für eine Sterilisation,der Arzt entscheidet dies nach eigenem Ermessen,wen er sterilisiert und wen nicht.

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Mondi
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Beitragvon Mondi » 17.11.2007, 11:10

Was ich noch als wichtig erachte ist,dass man dem Operateur die richtigen Fragen stellt:
Die Fragen sind zwar ziemlich durcheinander..aber ich hoffe,es sind alle die man fragen sollte *G* Vll kann man die auch für Männer benutzen *G*

1. Vorher überlegen,will ich eine operative oder eine nicht-operative Methode

2. Dann einen Arzt suchen der sich mit der Methode auskennt (besonders wichtig,bei den neuen,nicht-operativen Methoden)-vll bei ProFamilia (die raten einem aber eher ab von einer Sterilisation)oder der Ärztekammer nachfragen,ansonsten kann das Internet sehr hilfreich sein-auf die seriösität des Arztes achten.

Unbedingt vor der Operation ein ausführliches Beratungsgespräch führen,in dem man die für einen persönlich wichtigen Fragen stellen kann:

Wieviele OPs hat der Arzt bisher gemacht?? Wieviele davon gingen schief ? (da kann man nur hoffen,dass er/sie ehrlich antwortet)

Welche Einstellung hat er/sie zu der OP allgemein (ist er für oder gegen Sterilisation)?

Welche Methode verwendet er?

Wird die OP ambulant oder stationär durchgeführt ? Welche Kosten(komplett)?

Was passiert,wenn etwas schief geht (bei ambulant z.B.,ist ein Krankentransport möglich durch die ambulante Klinik ?)-Welche Risiken,Nebenwirkungen gibt es?

Wie sieht es aus mit dem Rekanalisationsrisiko bei der Methode (also,dass die Eileiter wieder zusammen wachsen..oder allgemein,dass man trotz der OP/Methode schwanger werden könnte)??-Werden Kosten für erneute OP von Arzt/Klinik übernommen ??

Wie läuft der Tag/die OP ab ?

Was ist danach zu beachten ?

Wie sehen die Chancen für eine Refertilisierung aus ?-Wer diese Frage allerdings stellt,sollte ich ernstlich Gedanken über eine andere Verhütungsmethode machen.

Wie sieht es mit der Nachsorge/Kontrolle aus ??
Den Link wegen dem Rekanalisationsrisiko gibt es wohl nicht mehr,darum den Operateur nach dem Pearl Index der Methode fragen

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Beitragvon Mondi » 17.11.2007, 11:11

Und noch der Rest der Frageliste:
Was wird es für Narben geben (wie kann ich diese pflegen nach der OP)??

Wie muss ich mich vorher "vorbereiten" (z.B. rasieren-nichts essen etc.)

Was muss ich mitbringen (Versichertenkarte,Waschsachen etc.)??

Wie sieht es mit Koloidbildung aus ??

Was nachher unbedingt angefordert und behalten werden sollte: Der OP-Bericht,treten Schwierigkeiten auf,haben sie etwas in der Hand!!

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pampelune
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Re: Allgemeines zur weiblichen Sterilisation

Beitragvon pampelune » 08.04.2011, 08:18

ich habe meine Krankenkasse angeschrieben, die Antwort war das auch medizinische Gründe, also zb. Bluthochdruck den ich ja habe, der Grund sein können das die Krankenkasse die Kosten übernimmt.
Jahrgang 1962, von März 2007 bis August 2011 Mirena, in einer Beziehung, 2 Kinder

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Marterl
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Re: Allgemeines zur weiblichen Sterilisation

Beitragvon Marterl » 03.04.2013, 22:59

Danke für die guten Infos!

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