10 Jahre mit Mirena – 5 ½ Jahre ohne: nicht alles ist wieder gut geworden

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Kooper
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10 Jahre mit Mirena – 5 ½ Jahre ohne: nicht alles ist wieder gut geworden

Beitragvon Kooper » 25.11.2018, 19:10

Liebe Forenmitglieder,

nachdem ich dank diesem Forum und den zahlreichen Berichten im Internet endlich den Verursacher meiner Beschwerden und der damit verbundenen jahrelangen Arzt- und Klinikodyssee ausfindig machen durfte, bin ich voller Hoffnung an die Wiederherstellung meiner Gesundheit gegangen.

Meinen 1. Bericht findet Ihr hier: viewtopic.php?f=32&t=7933

Und die Kurzfassung:
Die Zeit VOR Mirena:
Ich war kerngesund, sehr schlank und sehr robust, 58kg – max. 62 kg, perfekter 28-Tage-Zyklus, sehr gutes Immunsystem. unternehmungslustig, gesellig, sehr leistungsfähig, ein super Gedächtnis. Ich hatte mich bis zur Handlungsbevollmächtigten hochgearbeitet, fuhr gern in den Urlaub, lachte viel und gern, traf mich mit anderen, ging ins Kino, fuhr einen schönen Youngtimer mit dem Ziel, das H-Kennzeichen zu erreichen. Alkohol schmeckte mir nicht und ich trank ihn allenfalls abends, wenn ich wegging. Gesundheitlich sei zu erwähnen, dass ich stark kurzsichtig bin (ein Auge über 8 Dioptrien) und damals starke Raucherin war. Depressive Einbrüche waren mir nicht fremd, mein Frauenarzt wusste dies. Ich habe deswegen aber nie auch nur einen einzigen Arbeitstag versäumt!

Anfang 2003 wollte ich mich sterilisieren lassen. Mein FA lehnte dies ab mit der Begründung, dass ich dann so früh in die Wechseljahre käme und pries mir den „Mercedes unter den Verhütungsmitteln“, die Mirena, an. Diese sollte besonders gut für mich sein, da nach dem Ziehen alles wieder wie vorher wäre und ich dann sogar noch einen etwaigen Kinderwunsch realisieren könnte.

MIT Mirena änderte sich mein Leben schleichend immer mehr:
Ich wurde dünnhäutiger, unternahm nichts mehr und blieb zu Hause, bekam Ängste vor Menschen und vor dem Autofahren, vor Dunkelheit, Höhen und vor meinem eigenen Schatten, ich wurde fahrig und unruhig, kontrollierte alles, was ich tat (und befand es nie für gut genug), ich lachte immer weniger und mein vorher aktives Sexualleben schlief völlig ein. Ich ging zu verschiedenen Psychotherapeuten, ließ mir allen möglichen Blödsinn einreden, gab meine Hobbies auf, zwischendurch liebte ich meinen (langjährigen) Partner nicht mehr. Ich wurde ein völlig anderer Mensch! Sogar mein Musikgeschmack änderte sich (erst 3 Jahre nach dem Ziehen wurde er wieder „der Alte“). Mir den Anforderungen im Beruf wurde ich nicht mehr fertig, ich verlor meine Freunde, die Lebensfreude sowieso.
Neben den hier so oft genannten Ängsten, Depressionen, Unruhe, Schwindel, Übelkeit, Gewichtszunahme und Schlafstörungen entwickelte ich auch immer mehr den Drang, mich zu verletzen. Ich hatte so eine Mordswut auf mich, weil ich alle möglichen Ratschläge befolgte, Therapien wahrnahm, anders atmete, aß und entspannte, kurz: kämpfte ohne Unterlass - und trotzdem kannte meine Entwicklung nur eine Richtung: es wurde immer schlimmer.
Zwei Klinikaufenthalte waren notwendig und es wurden verschiedene Antidepressiva (mit reichlich Nebenwirkungen) an mir ausgetestet. Am Ende war ich kaum noch lebensfähig, und selbst wenn ich nichts vorhatte, war mir das „Nichts“ noch zu viel. Ich trank immer häufiger Alkohol, weil ich mich und mein Leben nicht mehr ertrug (wobei ich nie verstand, WAS GENAU es alles so unerträglich machte). Ich traute mir aber (leider) nach all den Fehlschlägen auch nicht mehr zu, meinem elenden Dasein ein Ende zu setzen.

Mehrfach habe ich bei Ärzten regelrecht gebettelt, mich mal gründlich zu untersuchen, weil ich doch früher auch ein normales Leben hatte und in der Zwischenzeit kein Trauma stattgefunden hatte, das meinen „Zustand“ erklärte. Man befand dies nicht für notwendig: Es ist alles psychisch und der Stress.

Ich habe JAHRE meines Lebens am PC und mit entsprechender Literatur verbracht, um mich in meine zahlreichen (meist psychischen) Diagnosen einzulesen und Wege zu finden, um Besserungen zu erzielen.

Erst die Begriffskombi „Schwindel, Übelkeit, Gewichtszunahme“ in einer Internet-Suchmaschine ließ mich endlich auf dieses Forum und auf die unzähligen Berichte zu den Nebenwirkungen der Hormonspirale stoßen. Eine Befreiung! Und noch mal ein dickes DANKE!!!

Direkt NACH dem Ziehen der Mirena im März 2013 passierte zunächst verblüffendes:
Ich schmeckte wieder, was ich aß, und ich konnte auch wieder riechen. Das war super! Auch die Taubheitsgefühle an den Fingern inkl. Weißfärbung verschwanden. Ich schlief besser, mir wuchsen nicht mehr so viele dicke schwarze Haare an den Beinen. Der hohe Blutdruck – als hätte es ihn nie gegeben! Die Pickel auf dem Rücken verschwanden ebenso wie die Übelkeit, ich fühlte mich regelrecht befreit!

Ein Zyklus stellte sich jedoch nicht ein. Also konsultierte ich erneut den Frauenarzt und teilte diesem auf Nachfrage mit, dass meine Mutter (die mit 34 sterilisiert wurde) mit 54 in die Wechseljahre gekommen ist. Er beruhigte mich, dass dies für mich dann kein Thema sein dürfte. Es gibt in unserer Familie auch keine Wechseljahre unter 50.

Meine Werte Anfang 2014 (ein ¾ Jahr nach dem Ziehen im Alter von gerade mal 43) waren:
FSH, basal 105,8 (Postmenopause 26 – 135)
LH, basal 58,7 (Postmenopause 8 – 59)
17-ß-Östradiol (E2) 7 (Postmenopause <5-55)
Auf die Notwendigkeit des Progesteronwertes musste ich ihn hinweisen, dieser war:
Progesteron 0,6 (Postmenopause 0,1-0,8)
Bei der Schilddrüse waren FT3 und FT4 noch in der Norm, aber:
TSH, basal 4,84 (0,27-4,20)

Seitdem heißt es übrigens aus Schulmedizinerkreisen, dass es überhaupt nicht relevant ist, wann meine Mutter in die Wechseljahre gekommen ist – „manche trifft es eben früher, andere später“, meine Werte seien natürlich „ganz bitter“ und meine Ärztin war so „freundlich“, mir vorzeitige Alterung, einen dicken Bauch, dünne Beine und Osteoporose in Aussicht zu stellen….

Für die Schilddrüse (Diagnose: „Hashimoto“) händigte sie mir „L-Thyroxin 75“ aus. Ich habe lange gezögert, es zu nehmen (schlau von mir :smile_wink: ), und irgendwann die Tablette gedrittelt. Und wenn mein Befinden vorher schon mies war, ging die Post nun richtig ab: Herzrasen, Herzstiche, ich konnte nichtmehr klar reden und kaum noch vom Stuhl aufstehen. Durchfall und Erbrechen gesellten sich hinzu.

Hinzu kam, dass sich nach dem Ziehen der Mirena ein merkwürdiges Phänomen einstellte, das ich so im Internet nicht noch mal gefunden habe: es fühlte sich in meinem Bauch an, als würde dort Wasser ansteigen. Ich bekam immer schlechter Luft und fühlte mich total aufgeblasen, aufgeschwemmt, aufgetrieben, Treppensteigen war eine echte Qual. Und egal, was ich tat (Sport, anders oder gar nichts essen etc.), es stieg immer weiter und piesackte mich am Ende Tag und Nacht. Meine Ärztin war mit der neuen Diagnose „Essstörung“ (natürlich wieder mal ohne vorherige Untersuchung) schnell bei der Hand.

Ich kann meine Verzweiflung kaum in Worte fassen, wie es sich anfühlte, SCHON WIEDER nicht ernst genommen zu werden, SCHON WIEDER die Schuld zu bekommen, SCHON WIEDER kämpfen zu müssen, ohne Erfolg zu haben!!!!

Wo ich überall hingerannt bin, kriege ich heute kaum noch zusammen. Jedenfalls habe ich es u. a. mit Rimkus-Kapseln versucht, ging zur Fruchtbarkeitsmassage, legte mir ein Trampolin zu, ließ mir Kopfhörer aufsetzen und damit irgendwelche „Störungen“ diagnostizieren, nahm Maca, in der Hoffnung, dass dies die Hormone regulieren würde, absolvierte eine Darmsanierung, schmiss alle möglichen Nahrungsergänzungsmittel (Magnesium, Vitamin D etc.) und Ausleitungssubstanzen (Hormatrix N, Nux Vomica C1000) ein, spritzte mir B12, las mich in Maria Trebens „Gesundheit aus der Apotheke Gottes“ ein, trank u. a. Mistel- und Beifußtee, praktizierte regelmäßig Hormon-Yoga usw. usf. (Dass ich dies alles selbst bezahlen musste, muss ich sicher nicht gesondert erwähnen – aber „Freizeitgestaltung“ (die Geld kostet) gab es bei mir ja eh nicht mehr…).

An manchen Stellen traten kleine Besserungen ein, manches warf mich komplett zurück (wie z. B. die Kombination aus Lachesis und Östro/Gesta).

Anfang 2016 war mein TSH bei über 6 und ich völlig am Boden. Ich wog inzwischen 84,5 kg.

Eine Untersuchung bei einer HP förderte eine Nebennierenschwäche zutage, ein Aminosäurestatus ergab weitere gravierende Defizite.

Ende 2016 war ich beim Mitochondrienmediziner. Dort fühle ich mich ernst genommen und ich bekam auch endlich mal keine neue psychische Diagnose! Seither fülle ich hochdosiert weitere Nahrungsergänzungsmittel auf. Ich wurde dadurch auch körperlich wieder deutlich robuster! Das Wasser in meinem Körper verschwand allerdings nicht. Und in den Rezensionen hatte ich von einer Frau gelesen, die dank der Behandlung mit über 50 Jahren ihre Periode wiederbekam. Auch diese Hoffnung hat sich bei mir nicht erfüllt. (Aus diesem Grund habe ich meine diesbezügliche Konsultation im Forum bislang nicht thematisiert – es ist nämlich auch eine ziemlich teure Angelegenheit.)

Im Frühjahr 2017 fühlte ich mich jedenfalls erstmals stark genug, eine 21-tägige Fastenkur durchzuziehen (das soll man alleine nicht, war mir aber egal). Damit erzielte ich in allen Bereichen den größten Durchbruch seit Jahren!!!!!!!! Ich machte einen Entlastungstag mit Reis und gedünsteten Äpfeln und von da ab gab es 21 Tage lang nur Wasser und selbstgepresste Säfte. Obwohl ich nichts aß und auch nicht „glauberte“, hatte ich bestimmt 2 Wochen lang jeden Tag massive Durchfälle. Es schoss regelrecht aus mir raus (sorry), aber damit verlor ich endlich auch das Wasser! Nach 1 Woche konnte ich wieder aus dem Bett springen (und mich nicht nur rauswälzen), meine Gelenke taten nicht mehr weh, und ich hatte wieder etwas Tatendrang. Ich habe 9 Kilo abgenommen, und das Gewicht kam nicht wieder drauf. In 2018 habe ich in 16 Tagen Fasten nochmals 4 kg verloren, von denen 3 dauerhaft verschwunden sind. Zwar liegen meine (nicht mehr funktionsfähigen) Unterleibsorgane immer noch wie ein Stein in meinem Bauch, aber ich kann wieder ohne große Mühen Treppensteigen und fühle mich auch nicht mehr wie ein Ballon.

Zusammengefasst kann ich sagen, dass mich folgende Strategien/Wege/Behandlungen weitergebracht haben, allerdings sämtlich erst NACH dem Entfernen der Mirena :
- Osteopathie
- Ausleitung mit Nux Vomica C1000
- Aderlass (das hat mir EINEN Zyklus beschert!)
- Fasten
- Zitronen-Knoblauch-Kur
- Aminosäuren (Rekonvit + Taurin)
- Mich selbst belesen und mein eigener Arzt sein, nicht mehr alles glauben und hinnehmen

Immer noch nehme ich eine Vielzahl von Nahrungsergänzungsmitteln wie z. B. Adrenal Intercell (für die Nebennieren), Magnesium, Kalium, Calcium (wobei ich meinen Kaliumwert bis heute nicht in den Griff bekomme!), Vitamin B, C, D, K, Zink + Selen und spritze mir B12.

Ich esse gluten- und weitgehend zuckerfrei, Milch (Kakao) trinke ich gar nicht mehr, auf Käse mag ich aber nicht auch noch verzichten. Ich nehme Kokos- und MCT-Öl, trinke viel Tee & Wasser, Heidelberger Pulver + Gerstengras zählen zu den Bestandteilen meiner Ernährung. Ich kann mein Essen inzwischen auch wieder ohne schlechtes Gewissen genießen.

Auch wenn mir bewusst ist, dass ich eine Menge Geschenke in meinem Leben erhalten habe (wie z. B. mein Partner, der nach wie vor zu mir hält) und auch wenn ich weiß, dass ich mit der 3. Mirena (die ich heute ohne dieses Forum ganz sicher tragen würde) wahrscheinlich in der Psychiatrie sitzen und den ganzen Tag meinen Kopf gegen die Wand schlagen würde, vermisse ich den Menschen, der ich einmal war!

Mirena hat meine Persönlichkeit verändert und mir meine Leidenschaft genommen – sie hat mich kastriert.

Ich habe die Hormonwerte einer 80jährigen, und so verhalte ich mich in weiten Teilen. Ich meide Menschenansammlungen und tue mich schwer, Kontakte zu halten. Wenn Depressionen jahrelang ertragen werden, können sie chronisch werden. Ob es daran liegt, oder an den Hormonen, oder ob ich einfach verlernt habe, glücklich zu sein – ich weiß es nicht. Mein Gedächtnis ist jedenfalls futsch, ich fühle mich immer noch oft benebelt. Ich habe mich weitgehend zurückgezogen, meine Karriere ist beendet, mein Auto musste ich abschaffen (das war neben den Haustieren das schlimmste für mich). Ich sitze bei deutlich reduzierter Stundenzahl in einem Büro ohne Kundenkontakt, und wenn der Drucker Papierstau hat (oder sonst etwas Unvorhergesehenes passiert), kann es passieren, dass ich in Tränen ausbreche und mich kaum beruhigen kann. Ich habe keine Träume und Wünsche mehr und für mich wäre es vollkommen in Ordnung, wenn ich morgen einfach nicht mehr aufwachen würde. Zumal ich weiß, dass ich durch mein dünnhäutiges Nervensystem mit den banalsten Dingen im Leben nicht mehr fertig werde - ich lebe also in der ständigen Angst, dass den wenigen mir verbliebenen Menschen etwas zustoßen könnte. Allen anderen gegenüber habe ich ein tiefes Misstrauen entwickelt. Außer zum Augen- und zum Zahnarzt (weil ich muss) gehe ich zu keinem Arzt mehr, mein Vertrauen ist total erloschen.

Mit meiner Power von früher wäre ich zum RA gegangen und mein Frauenarzt hätte sich „warm anziehen“ können. Das schaffe ich nicht mehr. Außerdem ist meine Akte so dick, mich nimmt eh niemand mehr ernst!

Immer wieder stellt sich hier die Frage, ob die Ärzte es wirklich nicht wissen oder ob sie es nicht wissen wollen.
Nachdem es z. B. die Packungsbeilage gibt https://beipackzetteln.de/mirena
und das Arzneimitteltelegramm von 1997 https://www.arznei-telegramm.de/html/19 ... 12_01.html
sowie den Warnhinweis von 2009: https://www.akdae.de/Arzneimittelsicher ... 905011.pdf
des Weiteren die unzähligen Berichte von Frauen, die monate- und jahrelang unter der Hormonspirale leiden mussten, stellt sich mir diese Frage nicht mehr.

Auch wenn man das Märchen vom „Einzelfall“ noch so oft wiederholt, wird es dadurch nicht wahrer! Ebenso wenig wie das Märchen von der „lokalen Wirkung“, hier ein Artikel zum Thema „Hormone“: https://www.zeit.de/zeit-wissen/2013/04 ... otenstoffe

Dem Hersteller mache ich gar nicht so einen Vorwurf, der möchte nur Geld verdienen.
Einem Versicherungsunternehmen geht es schließlich auch nicht um unser Wohlergehen oder unser Eigentum. Sondern es „wettet“ gegen viel Geld mit uns, dass nichts passieren wird. Und wenn doch etwas passiert, wird erst mal endlos geforscht, ob wir nicht doch selbst schuld sein könnten!

Genauso ist es mit einem Pharmaunternehmen. Dem geht es nicht um unsere Gesundheit. Sondern darum, möglichst viel Geld mit uns zu verdienen. Das sind aber BASICS im Leben, die studierten Medizinern bestens bekannt sein dürften.

So bitter es ist, ich bin zu dem Schluss gekommen, dass es den Ärzten sch….egal ist, wie es uns geht, so lange nur die Kohle stimmt.

Für mich bleibt die Erkenntnis: Mirena war die schlechteste Entscheidung meines Lebens und ich wiederhole meine Warnung: FINGER WEG!!!

LG Kooper
Kooper, Baujahr 1970, in Partnerschaft, keine Kinder
1. Mirena 2003 - 2009, 2. Mirena 2009 - 2013


Was bringt den Doktor um sein Brot ?
a) die Gesundheit b) der Tod.
Drum hält der Arzt, auf daß ER lebe,
Uns zwischen beiden in der Schwebe.
Eugen Roth

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