Die Hölle

Schreibe uns hier Deine Erfahrungen mit der Hormonspirale.

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Zerbi
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Die Hölle

Beitragvon Zerbi » 26.04.2005, 20:14

Hallo liebe Leidensgenossinnen,

schön, dass es das Internet gibt und ich mit meinen Problemen nicht mehr die einzige bin.
Meine Geschichte:
Im September 2003 habe ich meine zweite Tochter bekommen, da ich mit der Familienplanung abgeschlossen habe und keine Pille mehr nehmen wollte, habe ich mich für die Mirena entschieden. Mein Frauenarzt war gleich Feuer und Flamme und hat sie mir im Dezember 2004 eingesetzt. Das Einsetzten war ein wenig unangenehm, aber ich konnte es gut aushalten, so kurz nach der Geburt ist der Muttermund noch etwas geöffnet.
Am 01. Mai 2004 fing alles an, aus heiterem Himmel, aus voller Gesundheit und Energie. Auf einem Spaziergang bekam ich Schwindelanfälle und einen fast Kreislaufkollaps. Gut, dass meine Eltern dabei waren, ich habe auf einer Parkbank gelegen und hatte eine Höllenangst sofort zu sterben, mein Baby neben mir. Sehr starkes Kribbeln in den Armen. Mein Vater hat sofort einen Krankenwagen gerufen. Nach kurzen Untersuchungen im Krankenhaus hat man mich dann nach Hause geschickt. Nichts zu finden. Das war der Tag an dem mein bisheriges Leben aufgehört hat. Ich bin 39 und habe noch nie etwas derartiges erlebt. Es folgten Untersuchungen beim Internisten, mit EKG, Schilddrüsentest, große Blutuntersuchung nichts. Muss alles phychisch sein. Ich hatte dann immer häufiger Schwindelanfälle, Sehstörungen, Gleichgewichtsstörungen die mit einen enorm ansteigenden Blutdruck einherginnen und jedesmal Lebensangst. Hab mich kaum noch getraut mein Kind auf dem Arm zu nehmen, weil ich immer das Gefühl hatte, ich kippe gleich um. Selbst im Liegen hatte ich das Gefühl zu fallen und gleich zu sterben. Ein 24 Stunden Blutdrucktest hat nicht ergeben (den Tag ging es mir auch ganz gut). Seit dem habe ich eigentlich Täglich Nebel im Kopf, Sehstörungen, Kribbeln in Armen und Beinen, Verspannungen im Nacken, extremste Blutdruckschwankungen, kein Tag ist mehr schön und es kommen Depressionen dazu. Ich war immer stark und belastbar. Ausgeglichen und Lebensbejahend, habe schon viele Kriesen überstanden, aber diese? Hatte ich schon Herzrasen erwähnt? Ich habe manchmal eine Herzfrequenz im Ruhezustand von 120 bis 130. Nach einem Arztwechsel wurde ein 24 Stunden Blutdruckgemessen, diesmal zu hoch. 24 Stunden Urin. Zuviel Streßhormone. Klar habe ich Streß, bin alleinerziehend ( 18 Monate und 12 Jahre) und arbeite einen halben Tag. Hatte ich aber vorher immer schon. Mein Arzt hat mir jetzt eine Betablocker verschrieben. Aber davon werde ich noch trantütiger und lustloster. Ich krieg nichts mehr auf die Reihe. Fühl micht ständig überfordert. Ich die Powerfrau. Die Tablette kann ich aber nicht jeden Tag nehmen, weil mein Blutdruck tagelang normal ist. Aber bei Angstanfällen hilft es. Mittlerweile ist mir aufgefallen, dass die Bewerden mit meinem Zyklus zusammen hängen, kurz vor den Tagen (was davon übrig ist) wird es extrem und während der Regel auch. Um den Eisprung geht es auch immer bergab. Den Blutdruck kann mein Arzt sich nicht erklären, bin schlank und Blutwerte super. Ich hatte letztes Jahr auch schon mal die Mirena im Verdacht, habe aber im Netz nichts gefunden, jetzt bin ich auf diese Seite gestoßen und mir geht ein Licht nach dem anderen auf. Gestern war ich beim Frauenarzt, der hat sofort gesagt, dass es unbedingt mit der Spirale zusammenhängen kann, muss aber nicht. Wollte mir Hyptnose anbieten (teuer), um meine Problemen zu ergründen. Er wollte auch gleich die Mirena ziehen, aber nein die Fäden sind weg. Nach langen Angeln in der Gebärmutter hat er aufgegeben. Nun muss die operativ entfernt werden. :( Ist es auch nur ein Strohhalm, ich werde mich mit aller Kraft daran Klammern, denn so ist mein Leben nicht mehr lebenswert. (Das aus meinem Mund, schrecklich)
Ich musste mir das jetzt alles von der Seele schreiben, sonst dreh ich noch durch.

Alter 39. Zwei Kinder (1 1/2 und 12). HS seit 1 Jahr

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Lieselotte
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Beitragvon Lieselotte » 26.04.2005, 21:47

Hallo Zerbi,
ich habe gerade deinen Bericht gelesen und ich muß sagen, das er gut hätte von mir sein können. Auch ich bin während eines Spazierganges fast umgekippt und landete beim Notdienst. Es folgte ein Ärztemaraton, der aber nichts brachte. Irgendwann kam mir der Gedanke, das meine ganzen Beschwerden von Mirena kommen und ich habe sie mir ziehen lassen. Das war vor einem halben Jahr. Seitdem komme ich mir vor wie auf der Achterbahn. Mal geht es mir einigermaßen gut, das habe ich das Gefühl durch die Hölle zu gehen. Ich hoffe aber, das das alles bald mal besser wird und ich wieder mein altes Leben zurück bekomme.
Seit froh, das du einen Frauenarzt hast, der nicht abstreitet, das Frau unter der so supertollen Hormonspirale keine Nebenwirkungen bekommen.
Ich drücke dir ganz fest die Daumen und wünsche dir alles Gute.

liebe Grüße Lieselotte
37 Jahre, 3 Kinder/ Mirena im März 03 bekommen, ohne HS seit 01.11.04

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V.
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Beitragvon V. » 27.04.2005, 09:49

Hallo Zerbi,

raus mit dem Ding! Und zwar sofort!! Das mit der Hypnose kannst Du Dir wirklich sparen. So viele von uns haben -zig Stunden bei Psychiatern, Therapeuten etc. zugebracht (mich eingeschlossen). Man "beruhigt" sich zwar, aber die Wurzel allen Uebels bleibt. Und da Du schreibst, dass Du frueher, ohne Spirale, kein einziges Deiner doch sehr massiven Symptome gekannt hast, ist das Ziehen der Mirena doch wirklich einen Versuch wert!

Ich kenne fast alle von Dir geschilderten Probleme, und auch ich war mehrfach davor, voellig zu verzweifeln, durchzudrehen, aus dem Fenster zu springen. Erst nach vier qualvollen Jahren ist das Teufelsding entfernt worden (weil ja angeblich keines meiner Leiden von der Spirale kam!); jetzt lebe ich seit neun Monaten ohne, und es geht von Zyklus zu Zyklus aufwaerts. Allein die Berge von Medikamenten, die ich jetzt nicht mehr schlucken muss, zeigen mir, dass mein "Mirena-Zustand" nicht mein "Normalzustand" war.

Ich wünsche Dir von Herzen gute und baldige Besserung! Und meld Dich wieder!

Grüsse,
Vera

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dieSonja
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Beitragvon dieSonja » 27.04.2005, 10:42

Hallo Zerbi!

Auch die finde mich in Deinem Bericht 100% wieder! Die Lebensangst, das Kribbeln in Armen und Beinen, der zusammenhang mit dem Zyklus, Schwindel obwohl der Blutdruck was anderes zeigt.......

Ich kann auch nur sagen: Raus damit! Und geh nochmal zum ziehen wenn Du deine Tage hast, dann kommen die Fäden vielleicht doch noch zum Vorschein!

Alles, alles Gute!

Sonja
26 Jahre, 1 Kind, Mirena 5 Jahre, seit 10/04 ohne

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Zerbi
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Beitragvon Zerbi » 27.04.2005, 13:14

Ihr Lieben,
es ist so schön, nicht mehr allein zu sein mit seinem Problemen. Manchmal laufe ich durch die Straßen und sehe Menschen, die lachen, die laufen, die springen und sich am Leben freuen, so war ich auch noch vor einem Jahr. Jetzt muss ich mich darauf konzentrieren zu gehen, weil oft der Untergrund schwankt oder mein Kopf so leer ist, als wenn nur Watte darin wäre.
Heute war ich beim Neurologen zum Nervenmessen, wegen dem Kribbeln in den Armen. Alles super. Es sollen aber noch mehr Untersuchungen gemacht werden, EEG usw. Naja, ich glaube es wird nichts gefunden. Mal sehen, wie es mir geht, wenn Mirena raus ist. Freitag muss ich zur Klinik für das Vorgespräch. Der Faden ist so kurz geschnitten worden, dass er nicht mehr herauskommen kann, mein FA hat es mit Ultraschall überprüft. Ein bißchen Angst habe ich schon. :oops: Hat jemand Erfahrungen mit der operativen Entfernung?

Bis bald

Zerbi

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Lina 2
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Beitragvon Lina 2 » 27.04.2005, 18:25

Liebe Zerbi,

nein ich habe keine Erfahrungen mit operativer Entfernung von dem Ding. Aber ich kann dir Mut machen, denn es wird nach dem Entfernen alles wieder viel besser - manches verschwindet sogar ganz. Meine Herzrythmusstörungen haben sich jetzt auf ein Minimum reduziert genau wie meine Angstgefühle. Der Zyklus spielt dabei eine große Rolle. Haarausfall und Herzrasen sind weg, ich hoffe für immer. All das hätte ich bis vor Kurzem noch nicht geglaubt. Also nur Mut !!!!

Liebe Grüße Lina 2
44 Jahre alt, 2 Kinder, 5 Jahre Mirena, seit Aug. 04 ohne

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