1 Jahr und 2 Monate ohne Mirena

Schreibe uns hier Deine Erfahrungen mit der Hormonspirale.

Benutzeravatar
trinity
Mitglied
Beiträge: 2
Registriert: 31.07.2004, 21:58
Wohnort: NRW

1 Jahr und 2 Monate ohne Mirena

Beitragvon trinity » 11.10.2005, 20:01

In jüngeren Jahren habe ich mit der Pille verhüttet und auch da überhaupt keine Schwierigkeiten gehabt. Irgendwann jedoch bekam ich (angeblich von den Hormonen) Zysten an den Eierstöcken, die mittels OP entfernt werden mussten, da eine Tennisball und die andere Tischtennisball-Größe angenommen hatte.
Ich habe mich damals entschieden, die Pille nicht weiter zu nehmen, aber auch deshalb, da ich sehr häufig mit Sinusitis zu kämpfen hatte und sie aufgrund von Antibiotika nicht wirkte.
Irgendwann kam ich dann auf die Idee, mir die Hormonspritze verpassen zu lassen, was ich nach der zweiten Dosis aber schnell wieder sein gelassen habe, da ich dadurch aussah, wie ein Streuselkuchen und auch ein paar Kilos zugenommen hatte. Normalerweise bin ich schlank und habe eine gute Haut. Die Nebenwirkungen waren allerdings nicht so sehr schlimm und viel zugenommen hatte ich auch nicht.
Eigentlich hatte ich damals beschlossen, nie wieder Hormone zu nehmen... Ich habe nach dieser Erfahrung mit der "normalen" Kupferspirale verhüttet. Unglücklicherweise entwickelte sich meine Periode ein wenig zu einem Alptraum. Sie dauerte bis zu 10 Tage und ich habe geblutet wie ein abgestochenes Schwein. Hinzu kamen starke Unterleibsschmerzen über mehrere Tage, die mich teilweise völlig außer Gefecht gesetzt haben. Aber auch damit konnte ich eigentlich leben. Mein Frauenarzt hat mit immer brav starke Schmerzmittel verschrieben, da Freiverkäufliches nicht half und damit lies es sich aushalten.
Als die Tragezeit nach 2,5 Jahren vorüber war, habe ich mich von meinem Frauenarzt überreden lassen, die Mirena einzusetzen. Ich teilte ihm natürlich gleich meine Zweifel mit, aber er überzeugte mich, dass die Hormone ja nur LOKAL wirken und die Nebenwirkungen, wie bei der Hormonspritze überhaupt nicht auftreten können. Von möglichen Nebenwirkungen hat er sowieso nicht ein Wort erzählt. Es gäbe keine. So einfach wäre das. Er überzeugte mich, da ich ja während meiner Periode immer so starke Schmerzen hatte und so stark blute... Also habe ich mir die Mirena einsetzten lassen Anfang Januar 2004.
Nach nur 8 Monaten Tragezeit habe ich sie mir wieder entfernen lassen. Ich bin in dieser kurzen Zeit nämlich am Stock gegangen. Eigentlich bin ich ein lebenfroher und sportlicher Mensch, für jede Feier zu begeistern, gut drauf und aktiv. Doch mit Mirena... einfach die Hölle. Ich habe total schnell und viel zugenommen. Bei meinen 1,63 Metern bin ich von meinem Gewicht von 54 Kilo blitzschnell bei 67 gelandet. Das war der totale Schock für mich. Eigentlich konnte ich immer essen, was ich wollte, aber nun nahm ich zu, obwohl ich noch nicht einmal gegessen hatte. Zum Ende hin habe ich regelrecht gehungert, da ich meinen Körper überhaupt nicht mehr verstanden habe.
Obwohl ich viel Sport betrieben habe, nahm ich zu. Ich gehe täglich vor der Arbeit schwimmen; zwar immer nur für 15 Minuten, aber dafür täglich. Hinzukommt, dass ich 2 mal die Woche insgesamt drei Stunden tanze (Hip Hop), viel Rad fahre und klettere. War aber meinem Körper total schnuppe.
Das mit der Gewichtszunahme war allerdings noch nicht das Schlimmste. Mit der Zunahme hatte ich mich einigermaßen abgefunden, so nach dem Motto "du bist jetzt 31 Jahre alt, das ist halt so...".
Viel schlimmer waren die körperlichen und seelischen Beschwerden. Die Rückenschmerzen haben mich umgebracht. Nachdem ich auf der Sonnenbank gelegen hatte, konnte ich nicht mehr aufstehen. Ich musste mich regelrecht von der Bank rollen und brauchte dann ca. 5 Minuten, ehe ich mich unter Schmerzen einigermaßen aufrichten konnte.
Mein ganzer Körper schien an sämtlichen Stellen Wasser einzulagern. Stifel, die mir grundsätzlich und immer zu weit waren, konnte ich nicht mehr schließen.
Libido, was ist das. Kein bißchen Lust war mehr da. (sonst war ich sexuell immer sehr aktiv...)
Und dann ständig diese Traurigkeit. Klar, jetzt weiß ich, dass es Depris waren. Aber damals dachte ich nur, ich wäre jeden Tag einfach nur todtraurig.
Weder mein Partner noch ich habe mich wiedererkannt. Ich schien wie ausgewechselt. Irgendwo habe ich gelesen, wie ferngesteuert. Und so war es auch.
Im August (also 8 Monate nachdem Mirena bei mir Einzug gehalten hat), ging es mir richtig schlecht. Ich habe Anfang August Geburtstag und hatte an diesem Tag frei. Wir hatten herrlichstes Wetter, mein Schatz hat mich verwöhnt, wir lagen in der Sonne auf unserem Balkon, alles war wunderbar und ich heule wie ein Schlosshund und weiß nicht warum... Es müssen so an die hundert Leute angerufen haben, um mir zu gratulieren, doch ich fühlte mich trotzdem allein.
Mein Schatz meinte dann, es müsse an der Spirale liegen und ich soll mir das verdammte Ding entfernen lassen.
Denn wegen all der anderen Beschwerden war ich schon bei tausend Ärzten. Ich hatte meine Schilddrüse untersuchen lassen, war beim Orthopäden, habe meinen Hormonhaushalt checken lassen, sogar beim Nephrologen bin ich gewesen, da man dachte, meine Niren würden versagen... Alles ohne Erfolg.
Ich wollte die Mirena aber nicht einfach so entfernen lassen, da sie ja schließlich viel Geld gekostet hat. Es war ja nicht nachzuweisen, dass es von ihr kommt.
Mein Partner hat daraufhin an diesem "wunderschön verheulten" Geburtstag gesagt, wer schaut mal, ob er was dazu im Internet findet. Ich blieb allein auf dem Balkon und schwelgte in Traurigkeit, als er mich rief, da er dieses Forum entdeckt hatte.
Ich kann gar nicht sagen, wie froh und dankbar ich dafür war. Ich habe bestimmt zwei Stunden lang Beiträge gelesen und dabei nur geweint, aber diesmal aufgrund meiner Erleichterung, dass ich doch kein Hypochonder war. Direkt am darauf folgendem Tag war ich bei meinem damaligen Frauenarzt und habe mir, nach dem ich in der Praxis ein Ströfchen geheult hatte, mir dieses Ding entfernen lassen.
Meine Rückenschmerzen sind sofort weg gewesen und auch die Wassereinlagerungen.
Die Depris waren erst noch da, aber nicht mehr so schlimm, wie vorher. Vor allen Dingen bekam ich sie nicht mehr jeden Tag. Inzwischen bekomme ich sie nur noch ab und zu, wenn ich meine Periode bekomme. Ist aber durchaus auszuhalten, zumal ich weiß, weshalb ich so schlecht drauf bin.
Das mit dem Gewicht ist so eine Sache. Inzwischen sind ja 1 Jahr und 2 Monate vergangen, seit ich die Mirena entfernen lies. Mein altes Gewicht habe ich noch nicht zurück. Nachdem sich vier Monate lang überhaupt nichts getan hatte, im Gegenteil, ich habe sogar erst mal zwei Kilo zugenommen, habe ich mich entschlossen, zu den Weight Watchers zu gehen. Da habe ich festgestellt, dass ich viel zu wenig esse. Ich hatte anfangs echt Schwierigkeiten, auf meine Points (Tagesration) zu kommen. Ich bin mit dem Programm im Dezember 2004 angefangen und habe seit dem 8 Kilo wieder abgenommen. Wiege jetzt also 61 kg. Ist immer noch nicht mein Wunschgewicht, aber ich bin sicher, es kommt wieder...
Normalerweise nimmt man ja am Anfang eher viel ab und hinterher muss man für jedes Gramm kämpfen. Bei mir war das nicht so. Anfangs ging gar nichts. Erst seit einigen Wochen nehme ich richtig gut ab und das, obwohl ich nicht immer so richtig im Programm bin. Gut ist schon mal, dass ich nicht mehr zunehme und wenn ich etwas darauf achte, auch wirklich endlich wieder abnehme. Ich muss wohl noch etwas Geduld haben, bis alles wieder wie früher ist, aber nach Mirena werde ich das doch eher mit links schaffen.
Nach Mirena habe ich wieder mit der Kupferspirale verhütet und natürlich auch meinen Frauenarzt gewechselt. Komischerweise habe ich jetzt überhaupt nicht mehr so starke Schmerzen, wenn ich meine Periode bekomme oder habe. Zwar habe ich immer noch einen ziemlich langen, blutigen Zyklus, aber das ist ja halb so schlimm.
Als Unterstützung, die Hormone abzubauen und als Ergänzung zu den Weight Watchern besuche ich regelmäßig eine Heilpraktikerin. Sie verschreibt Tropfen oder Tees, die geeignet sind, die Hormone schneller aus dem Körper zu transportieren und meine Stimmung positiv beeinflussen. Auch die Libido ist wieder da.(Mein Partner wollte meine Tropfen schon verstecken, da ihm meine häufige Lust richig erschreckt hat.)
Alle, die lange Zeit nach Entfernung der Spirale immer noch mit dem Gewicht kämpfen, kann ich nur raten: haltet durch!!! Es dauert seine Zeit.

Erst seit kurzer Zeit habe ich (manchmal) das Gefühl, wieder ich selbst zu sein. Ich bin mir sicher, dass ich irgendwann ständig dieses Gefühl haben werde.

Haltet durch

:arrow:


Liebe Grüße Daniela
Wenn Dir das Leben eine Zitrone schenkt, mach' Limonade daraus

Benutzeravatar
Katja
Team
Beiträge: 111
Registriert: 29.01.2004, 12:46

Beitragvon Katja » 11.10.2005, 21:35

Liebe Daniela,

hab vielen vielen Dank für diesen ausführlichen, toll geschriebenen und mutmachenden Bericht !!!

Ganz ganz liebe Grüsse und weiterhin alles erdenklich Gute und vorallem GESUNDHEIT !!!!
Katja
Forumsgründerin, Jahrgang 1976, 2 Kinder, Mirena von 05.2001-11.2003

Wer die Wahrheit nicht weiß, der ist bloß ein Dummkopf. Aber wer sie weiß und sie eine Lüge nennt, der ist ein Verbrecher. *Bertolt Brecht*

Benutzeravatar
Michaele
Aktives Mitglied
Beiträge: 95
Registriert: 06.02.2005, 20:52

Beitragvon Michaele » 12.12.2005, 09:11

Liebe Daniela,

ich freu mich für dich, dass es dir besser geht!

Ich habe eine Frage an dich und zwar, was nimmst du für Tropfen ein, sind das Bachblüten?

Mir hat die Akupunktur sehr geholfen, jedoch meine Libido ist nach wie vor noch nicht zurückgekehrt!!!!

Alles Liebe :arrow:

Michaele
Michaele/38Jahre/2 Kinder/10 Wochen Mirena, seit 07.02.2005 OHNE!

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 12 Gäste