Anti-Propaganda

Schreibe uns hier Deine Erfahrungen mit der Hormonspirale.

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Umba
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Re: respektlos

Beitragvon Umba » 19.02.2006, 11:04

...mhm...der psychologische faktor ist ein ganz großer denke ich!

ich bin dankbar euch hier gefunden zu haben. ihr könnt euch ja noch alle an meinen ersten thread erinnern. damals war ich so durch den wind. für mich war die situation "ich muss hormone nehmen, damit meine gebärmutterschleimhaut nicht mehr wächst" einfach zu viel dies guten, ich konnte mich damit nur schwer abfinden. mein mann ist sterilisiert und ich fühlte mich bis dato pudelwohl, bis auf die "kleinigkeit", dass ich jeden monat sehr stark blutete und ich wäre da noch längst nicht zum gyn gegangen, wäre nicht auch noch sekret aus der brust gekommen...so nahm alles seinen lauf...was folgte, war eine ausschabung und der satz: "sie brauchen hormone im langzeitzyklus" das löste in mir was aus...ein gemisch aus panik und purem entsetzen, weil ich hormone nehmen muss, obwohl mein man sterilisiert ist und ich mich eigentlich wohl fühlte. als ich die erste packung valette in den händen hielt war ich stinkig. innerlich wehrte sich alles. in meinem kopf ratterte es und schon bald entwickelte ich eine abneigung und brachte die valette nur mit widerwillen runter. dieser süßliche geschmack im hals rief in mir einen würgereiz hervor und das pille schlucken war ein täglicher kampf. der kampf wurde noch grausliger, als ich dann auch noch frustriert feststellen musste, dass ich ständig schmierblutungen hatte und die auch nach wochen nicht besser wurden. ich war wütend und angesäuert. und da kommt nun wohl das ins spiel, was man psyche nennt, denn ich entwickelte eine abneigung und mein körper setzte sich zur wehr und zeigte es mir anhand von reaktionen, die euch allen nicht fremd sind. das maß war voll, als ich hohen blutdruck bekam und in der hausarztpraxis hyperventilierte und in in einem elenden heulkrampf zusammenbrach, weil ich mich mit der situation "pille" nicht abfinden konnte. ein gespräch mit meinem gyn ergab aber unmissverständlich, dass mir anhand meiner diagnose nicht viel möglichkeiten bleiben würden...hormone oder gebärmutter raus, dass gab mir der gyn unmissverständlich zu verstehen. mit gebärmutter raus war der gyn und ich schon gar nicht einverstanden. er lehnte ab mit den worten" dafür sind sie viel zu jung". er empfahl mir die mirena. niedrigerdosiert, die tägliche einnahme fällt weg usw. usf. mir blieb keine andere wahl und ich ließ sie mir ende juni letzten jahres setzen. das setzen war schon harter tobak, ich hatte eine woche mit wehenartigen schmerzen zu tun und wünschte, ich würde lieber nochmal ein kind bekommen, dann wüsste ich, wofür ich die schmerzen aushalten muss...ich reagierte wieder sauer und vorallem auch ungeduldig. die schmerzen waren weg, aber die blutungen hielten an...10 tage, 20 tage, 30 tage und das in einem stück. in meinem kopf ratterte es wieder "oh mann, was hast du dir da angetan" usw. usf. ich verfluchte dieses "scheiss ding" :wink: in meinem körper und war nur am rummeckern und rumjammern. und mein körper wehrte sich erneut. über wochen und monate wiederum mit den beschwerden, mit denen ich euch hier immer wieder auf den wecker gegangen bin :wink: (*knuddel* alle, die mir immer mit rat zur seite standen/stehen und mich trösteten). ich war sogar schon säuerlich auf meinen gyn. alle 14 tage - 3 wochen stand ich bei ihm auf der matte und jedes mal hörte ich: "alles in ordnung. die spirale sitzt perfekt. die gebärmutterschleimhaut ist flach wie ´ne flunder und so soll´s bei ihnen auch sein" was will ich eigentlich mehr? es dauerte bis dezember bis ich meine situation akzeptiert hatte und siehe da: toi toi toi...es scheint, als hätte ich eine gewisse regelmäßigkeit in meinem zyklus. ich blute nur noch schwach, ausser diesen monat wo ich penicillin hochdosiert nehmen musste und seit ich eben meine situation akzeptiert habe, lassen bei mir auch sämtliche zipperlein nach.

ich will nicht sagen, dass ihr alle ein psychisches problem habt...keinesfalls! ich rede von mir...bei mir sind/waren die zipperlein (nebenwirkungen) ein rein psychisches problem! ich bin bei weitem noch nicht überm berg. ich höre zu oft zu tief in mich hinein und alles was mir ungewöhnlich an meinem körper bzw. an meinen körperreaktionen erscheint, löst in mir nach wie vor panik aus, dass kann und darf ich aber nicht auf die mirena schieben. das ist meine psyche! :?

grüssli
sabine

Liebe Sabine

Ich finde es super, wie klar du schreibst und wie gut du dich selber kennst!

Danke für diesen Beitrag und alles Gute für die Zukunft!

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Kirschblüte
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Beitragvon Kirschblüte » 19.02.2006, 11:23

Liebe Umba

Du hast absolut Recht, es kann viele Ursachen geben für Beschwerden, und oftmals ist die Ursache ein Zusammenkommen mehrerer Faktoren. Der Mensch ist ja keine Maschine, er funktioniert (zum Glück) nicht nach der Formel "wenn A, dann B".

Was ich persönlich von Therapeutinnen erwarte ist, dass sie mich aufmerksam machen auf mögliche Ursachen, denn sie haben ja ein fundiertes Wissen und eine reichhaltige Erfahrung.

Wenn nun also eine Frau, die Mirena trägt, von Arzt zu Ärztin rennt und niemand ihr helfen kann, nein, ihr sogar gesagt wird, alles sei organisch in Ordnung, dann stimmt für mich etwas nicht.

Klar, auch Ärzte können nicht alles wissen, jedoch sollte jeder wissen, dass künstiliche Hormone nun mal Probleme verursachen KÖNNEN und dies der Patientin auch sagen. Leider heisst es oft, nein, nein, wo denken Sie hin, die Beschwerden können KEINESFALLS von Mirena kommen. Viele Frauen vertrauen der Ärztin voll und ganz, gehen nach Hause und leiden weiter. Das müsste nicht sein.

Abschliessend möchte ich nochmals betonen, dass ich deine Ansicht teile, dass nicht alles von Mirena kommen muss. Doch Mirena KANN eine Ursache sein, und die Ärzte sollten dies nicht abstreiten.

Liebe Grüsse,
Katrin.

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Beitragvon Umba » 19.02.2006, 11:58

Auch für Aerzte ist es eben sehr schwer, Ursachen und Gründe für bestimmte Beschwerden zu finden.

In meiner medizinischen Ausbildung hat ein Lehrer (Arzt) einmal gesagt, dass z.b die Symptome bei jeder Baucherkrankung gleich sind. Anhand der Symptome ist beispielsweise nicht klar feststellbar, ob der Patient, was schlechtes gegessen, Darmkrebs oder Blinddarm hat. Als Laie hat man oft das Gefühl, der Arzt hat für jede Krankheit eine Untersuchungsmethode oder ein Messgerät um diese festzustellen. Das ist aber nicht so. Die Diagnose wird anhand von Befragen und Wahrscheinlichkeit gemacht.

Wenn eine Frau zum Arzt kommt und beschreibt, dass sie Kopfschmerzen, Depressionen, Schlafstörungen etc hat, was soll der Arzt sagen? Ist man mit einer Antwort à la "es könnte an der Mirena liegen oder auch was ganz anderes sein" zufrieden? Vom Arzt erwartet man doch immer Sicherheit. Er soll ganz genau wissen, was der Patient hat. Was er mit Sicherheit weiss, ist ob und wie die organischen Funktionen in Ordnung sind und deshalb ist es auch das einzige was er sagt.

Das ist für den Patienten nicht sehr befriedigend, das weiss ich auch.

Ein Vorteil vieler "alternativen" Praxen ist, dass sich die TherapeutInnen mehr Zeit nehmen zuzuhören und versuchen die Selbstheilungskräfte der Patienten zu stärken. Oft ist dann eine genaue Diagnose nicht nötig.

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Beitragvon Kirschblüte » 19.02.2006, 12:06

Genau das habe ich eigentlich zu sagen versucht.

Das Einzige, was mich stört (und wozu du keine Stellung genommen hast) ist, dass Ärtzte ABSTREITEN, dass die Beschwerden von Mirena kommen können. Von mir aus gesehen darf das nicht sein.

Liebe Grüsse,
Katrin.

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Beitragvon Umba » 19.02.2006, 13:39

Das ist sicher nicht in Ordnung und kann ich auch nicht nachvollziehen, da die Nebenwirkungen ja auch auf der Packungsbeilage stehen.

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Beitragvon Umba » 19.02.2006, 13:46

Vielleicht nützt jemandem die Seite

www.kompendium.ch

hier kann man Fach- oder Patienteninformationen zu den erhältlichen Medikamenten nachlesen.

Leider kenne ich keine vergleichbare Seite in Deutschland.

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Beitragvon Kirschblüte » 19.02.2006, 13:59

Danke, Umba :D

Leider erhalten viele Mirenaträgerinnen nicht mal eine Packungsbeilage (klar, die Patientinnen sind auch aufgerufen, diese zu verlangen). Und leider, leider, waren meine NW nicht aufgeführt, was mir schleierhaft ist, denn bei der Pille z.B. ist die Packungsbeilage ellenlang.

Meine NW kamen eindeutig von Mirena, was meine Fä auch nicht bestritt - ich hatte also Glück, zudem merkte ich instinktiv, dass es wohl an der Zeit war, die Mirena rauszunehmen, nachdem ich Verschiedenes probiert hatte gegen meine Schlafstörungen (u.a. wurde auch eine Wasserader entdeckt - das Wechseln des Schlafzimmers brachte aber auch nach 5 Monaten keinen Erfolg; mein Umfeld gab mir auch keinen Grund zur Schlaflosigkeit).

Beste Grüsse,
Katrin.

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Beitragvon Umba » 19.02.2006, 14:20

Ich finde es wichtig, dass jeder selbst so viel Verantwortung wie möglich übernimmt und diese nicht einem Arzt oder sonst jemandem überträgt.

Dass viele keine Packungsbeilage erhalten, wundert mich nicht. In der Regel weisen Aerzte auch nicht von sich aus auf Nebenwirkungen der abgegebenen Medikamente hin. Zumindest habe ich dies noch nie erlebt. Man muss schon erst genau nachfragen, um diese Informationen zu erhalten.

Was ich nicht so ganz verstehen kann ist, dass dies offensichtlich sonst niemand stört, es aber im Nachhinein (und auch nur, wenn Nebenwirkungen eingetreten sind) den Aerzten angekreidet wird.

Generell würde ich jedem raten, vor Einnahme eines Medikamentes die Packungsbeilage zu lesen, das Risiko abzuwägen und dann selbst zu entscheiden.

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Beitragvon Umba » 19.02.2006, 14:26

Nachtrag:

mein Beitrag sollte nicht belehrend wirken. Bitte entschuldigt, wenn er so rüberkommt.

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Beitragvon janis » 19.02.2006, 14:53

Hallo ihr,

ich verfolge diesen thread schon seit einigen Tagen.
Jetzt muss ich auch kurz meinen Senf dazugeben :D

Weißt du, Umbra, ich denke, das genau ist das Schwierige an der Sache... als medizinischer Laie suchst man sich einen Arzt. Ist er/sie einem sympathisch, baut sich mit der Zeit so eine Art Vertrauen auf... das muss man auch haben, denn ich kann ja nicht Medizin studieren, nur weil ich jetzt mal Bauchschmerzen oder Kopfschmerzen hab... ich muss mich also auf die Aussage eines Arztes verlassen... So, als nächsten Schritt lese ich natürlich immer Packungsbeilagen... da wirds mir ganz schlecht, und manchmal entscheid ich dann - als Laie - das Zeugs nicht zu nehmen...
Dann wechselt man auch manchmal den Arzt, weil man nicht mehr so konform geht, man das Gefühl hat, er/sie kümmert sich nicht richtig.. usw... dann kriegt man ne neue- zweite- vielleicht ganz andere Aussage... usw. usf... dann liest man/frau noch Zeitung, Bücher, vielleicht ein bissel im Internet rum... und kennt sich gar nimmer aus... oder bildet sich eine - natürlich auch nicht vollkommen fachmännische - Meinung..
Und am Schluss bildet man sich- so gehts mir jedenfalls oft - eine eigene Meinung, die einem am schlüssigsten erscheint.
Ich will dir hier nicht widersprechen... ich will damit in Dilemma aufzeigen, in dem viele Menschen bezüglich medizinischer Aussagen stecken.

Ich glaube auch nicht, dass alle Probleme auf die Mirena geschoben werden können. Aber einige sehr wohl.. und darüber wird zu wenig aufgeklärt. Meine damalige FÄ verneinte sogar NW die in der Packungsbeilage aufgezeigt sind.
In dem Schweizer Kompendium ist die Liste übrigens auch ganz schon lang...
Ach ja... außerdem sollte man nicht übersehen, dass die Reaktion auf künstliche Hormone und HOrmonumstellungen äußerst individuell sind und manche Frauen darauf sehr sensibel reagieren. Da braucht man nur an Menstruation, Geburt, postnatale Depression usw. denken...

Hab ich nicht geschrieben "kurz" :P
also Schluss jetzt
in diesem Sinne euch noch einen schönen Sonntag

Grüßle Janis
44 Jahre, 2 Kinder, gut 2 Jahre Mirena, seit 6/04 ohne

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