Dauerblutungen, Unterleibsschmerzen, Ängste, Übelkeit usw.

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Claudia1967
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Dauerblutungen, Unterleibsschmerzen, Ängste, Übelkeit usw.

Beitragvon Claudia1967 » 01.02.2004, 10:55

Hallo;-)

auch ich möchte hier meine Erfahrungen mit der Mirena mitteilen. Schön, dass dieses Forum eingerichtet wurde, denn komischerweise findet man auf dem Mirena-Forum von Schering nur positive Erfahrungen von Frauen, die allesamt super zufrieden sind mit der Spirale. Hier jedoch erst einmal meine Erfahrung:

Nach 3 Kindern war und ist für meinen Mann und mich die Familienplanung abgeschlossen. Eigentlich wollte ich mich damals (im Februar 2002) sterilisieren lassen, muß aber gestehen, dass ich diesbezüglich doch recht ängstlich war, immerhin ist es eine OP unter Vollnarkose und davor hatte ich schon immer großen Bammel;-). Nun denn mein FA riet mir auch sofort von der Sterilisation ab. Er schilderte die OP und Nebenwirkungen akribisch bis ins kleinste Detail und ließ im Grunde kein gutes Haar an der Sterilisation der Frau. Statt dessen begann er mir von der Mirena vorzuschwärmen und zwar in den allerhöchsten Tönen. Er meinte, die Mirena sei ja sooooo toll! Nie wieder Blutungen, nicht ständig daran denken müssen, die Verhütung nicht zu vergessen, so gut wie keine Nebenwirkungen, viel niedrigere Dosierung der Hormone und diese eben nur in dem Bereich, wo sie auch wirken sollen etc. pp. Das hörte sich ja alles super an und ich muß zugeben, ich war begeistert, auch der Preis von 300 Euro konnte mich nicht abschrecken, immerhin sollte ich ja 5 Jahre geschützt sein und laut Arzt würde ich so gut wie keine Hygieneprodukte mehr benötigen, was den Geldbeutel ja auch entlasten würde . Naja soweit die Theorie. Über Nebenwirkungen teilte er mir lediglich mit, dass ich in den ersten 6 Monaten evtl. Schmierblutungen haben würde, manchmal würden auch Rückenschmerzen und Kopfschmerzen auftreten. Aber dies würde sich nach 6 Monaten regulieren.

Nun zur Praxis: Ich ließ mir also die Mirena am 15. Februar 2002 einlegen und damit begann ein langer Leidensweg, bei dem ich manchmal dachte, ich sei auf dem besten Weg verrückt zu werden.

Das Einlegen selbst war bei mir kein Problem, vielleicht weil ich schon drei Entbindungen hinter mir hatte. Auf jeden Fall hab ich außer einem kurzen Ziepen nichts gespürt.

Wie der Arzt es mir zuvor schon gesagt hatte, bekam ich dann leichte Schmierblutungen. Diese verstärkten sich jedoch von Monat zu Monat. Nach 7 Monaten (eigentlich hätten die "leichten" Nebenwirkungen nun ja vorbei sein müssen), wurden die Blutungen immer stärker, vor allem dauerten sie sehr lang, so dass ich im Grunde pro Monat gerade mal 6-7 blutungsfreie Tage hatte, zudem hatte ich permanente Unterleibsschmerzen, so als würde man kurz vor der Periode stehen. Dann hatte ich plötzlich morgens unter wahnsinniger Übelkeit zu leiden, meine Brüste spannten und taten weh und mein Bauch war richtig aufgebläht. Da ich meinen Körper eigentlich sehr gut kenne bzw. ich muß wohl sagen kannte, schrillten bei mir sämtliche Alarmglocken. Ich dachte, "bingo, nu biste schwanger". Also rannte ich zum Arzt, zum Glück war ich nicht schwanger, er stellte jedoch Zysten am rechten Eierstock fest. Ich sagte ihm, dass ich zudem dauernd Unterleibsschmerzen hätte und mittlerweile auch schon einige Kilos zugenommen. Doch der Arzt tat dies ab und auf meine Frage, ob die Mirena mit der Zystenbildung etwas zu tun hätte, winkte er gleich ab. Komisch nur, dass ich zuvor noch nie Zysten hatte. Nun denn, er gab mir Prosiston und meinte, damit würde es mir besser gehen. Tat es auch, zumindest in den drei Wochen, wo ich diese Tabletten nehmen mußte. Danach begann das gleiche Spielchen wieder von vorn. Dauerblutungen, Unterleibsschmerzen, Gewichtszunahme, Übelkeit. Wieder ging ich zum Arzt und wieder tat er alles ab und meinte, mein Körper müßte sich ja auch erst an die Spirale gewöhnen und überhaupt hätten diese Nebenwirkungen nichts mit der Mirena zu tun (widerspricht sich ja eigentlich, oder?).

Schleichend ging es mir immer schlechter. Denn zu den oben genannten Nebenwirkungen, die ich eh schon alles andere als toll fand - vor allem die Dauerblutungen fanden mein Mann und ich auch nicht so prickelnd -, gesellten sich dann noch einige mehr. Meine Laune sank zusehends zum Nullpunkt. Ich hatte starke Stimmungsschwankungen, mal war ich himmelhochjauchzend und im nächsten Moment hätte ich mich heulend in die Ecke schmeissen können. Meine Haut wurde immer schlechter, ich bekam Pickel (selbst in der Pubertät hatte ich darunter nie zu leiden) und mir fielen die Haare büschelweise aus. Hinzu kam dann immer noch die ständige Gewichtszunahme und das, obwohl ich meine Ess- und Lebensgewohnheiten ansonsten nicht verändert hatte.

Wieder rannte ich zum Arzt, um wieder die gleiche Litanei zu hören - nämlich, dass das alles überhaupt nichts mit der Mirena zu tun hat. Mittlerweile hatte ich schon das Gefühl, er hielt mich für eine hysterische Ziege oder für hypochondrisch veranlagt. Ich war total verunsichert, denn eigentlich kannte ich mich gar nicht so, ich war doch normalerweise immer ein recht optimistischer Mensch und Streß konnte mir so schnell nichts anhaben und nun war ich überhaupt nicht mehr belastbar.

Was mich jedoch am meisten nervte, waren diese permanenten Dauerblutungen. Zudem mußte ich an den wenigen blutungsfreien Tagen permanent Slipeinlagen tragen, weil ich dann immer einen sehr starken Ausfluß hatte (kannte ich vor der Mirena auch nicht). Meine Lust an Sex war mittlerweile eh schon auf dem Nullpunkt.

Ich muß ehrlich sagen, dass unser Familienleben ganz schön gelitten hat in der Zeit und ich bin froh, dass mein Mann das alles so mit mir durchgestanden hat, ich glaub manch anderer wär schon geflohen . Ich bekam immer mehr kleine Wehwehchen. Mal hatte ich starke Kopfschmerzen, mal hatte ich so starke Rückenschmerzen, dass ich nicht wußte, wie ich sitzen, liegen oder stehen sollte. Die Fliege an der Wand brachte mich schon zur Weißglut.

Nach knapp 1 1/2 Jahren ging ich erneut zum Arzt. Ich erzählte ihm wieder von meinen Beschwerden und meiner Vermutung, dass dies evtl. doch mit der Mirena zu tun hätte. Als Antwort bekam ich, ich solle mich mal nicht so anstellen und er hätte bislang noch nie gehört, dass eine Frau die Mirena nicht vertrüge. Ich kam mir vor wie ein kleines dummes Schulmädchen. Ich hatte mittlerweile schon selbst das Gefühl, nicht mehr richtig zu ticken und redete mir ein, dass die Mirena toll ist und meine Beschwerden andere Ursachen haben müssen. Nur leider fand ich diese nicht. Da ich ansonsten keinerlei Medikamente zu mir nahm und mein Leben sich auch sonst nicht verändert hatte, wußte ich nichts, auf was ich meine Beschwerden hätte zurückführen sollen.

Zufällig geriet ich dann Anfang diesen Jahres an ein Forum, in dem doch sehr viele Frauen über ihre Probleme mit der Mirena berichteten. Ich war erstaunt, da fand ich sie meine Leidensgenossinnen. Von wegen alles Einbildung, viele von ihnen hatten die gleichen Beschwerden wie ich und leider hatten die meisten auch die gleichen Erfahrungen mit ihren Ärzten machen müssen. Das beflügelte mich zum einen, endlich den Arzt zu wechseln und ich hatte mich auch schon entschlossen, egal was der nun sagen würde, mir die Mirena wieder ziehen zu lassen.

Und oh Wunder, ich hatte diesmal richtiges Glück mit dem neuen Arzt. Ich erzählte ihm zunächst von meinen ganzen Beschwerden und eh ich auch nur ein Wort zum Thema "ziehen" sagen konnte, kam dieser Vorschlag auch schon von ihm. Er sagte, dass es wohl eindeutig sei, dass ich leider zu den Frauen gehöre, die die Mirena nicht vertragen. Dies hätte jedoch eigentlich schon viel eher gesehen werden müssen (AHA!!!) Er erklärte mir, dass es sehr wohl Frauen gibt - und zwar wie er sagt, weitaus mehr als von Schering bekannt gegeben! -, die die Mirena absolut nicht vertragen und dann eben unter diesen - mir leider allzu bekannten - Nebenwirkungen litten. Da würde nichts anderes helfen, als die Mirena wieder zu ziehen. Er sagte mir auch, dass es ein wenig dauert, bis sich der Körper wieder "erholt" hat. Grundsätzlich stünde er der Mirena zwar auch positiv gegenüber, aber er hätte nunmal schon einige Fälle in seiner Praxis gehabt, wo sie eben nicht vertragen würde.

Nun denn, langer Rede kurzer Sinn. Ich hab sie mir dann sofort ziehen lassen, was übrigens überhaupt nicht weh tat. Und ob man es mir nun glaubt oder nicht, gleich am nächsten Tag fühlte ich mich, wie von einer Zentnerlast befreit. Ich hatte ja die ganze Zeit immer Unterleibsschmerzen, hatte aber nie das Gefühl, die Mirena an sich zu spüren, also das Gefühl zu haben, ich hätte einen Fremdkörper in mir drin. Komischerweise fühlte ich mich nach dem Ziehen aber total befreit, so als hätte man mir ein überaus störendes Teil aus dem Unterleib entfernt (was ja auch der Fall war ).

Mit jedem Tag nach dem Ziehen fühlte ich mich besser. Zwar hatte ich anfangs noch eine leichte Blutung, die mittlerweile aber schon wieder weg ist (hab die Mirena vor 10 Tagen gezogen bekommen), aber ich fühlte mich von Tag zu Tag wieder mehr als Frau. Auch meine Laune wurde zusehends besser. Das ist sogar meiner Familie aufgefallen, die mich schon lange nicht mehr so befreit und glücklich erlebt hat. Ich bin schon jetzt wieder belastbarer. Einzige Nebenwirkung nach dem Ziehen war bei mir, dass ich plötzlich Herz-Kreislauf-Beschwerden hatte. Ich bekam plötzlich Herzrasen und mein Puls raste im Ruhezustand wie verrückt, aber auch das hat sich mittlerweile schon wieder relativiert, war nur in den ersten 6 Tagen ziemlich heftig. Da ich sowas noch nie hatte, vermute ich hier einfach mal, dass es evtl. damit zu tun hat, dass meinem Körper so von jetzt auf gleich die tägliche Hormonration entzogen wurde.

Hihi selbst mein Verlangen auf Sex hat sich in dieser doch sehr kurzen Zeit drastisch verbessert, mein Mann hat mich schon gefragt, ob ich irgendwas "genommen" hätte .

Nun bin ich einfach mal gespannt, ob sich auch alle anderen Wehwehchen so nach und nach bessern. Denn was mir aufgefallen ist, ich jedoch anfangs gar nicht mit der Mirena in Verbindung gebracht hatte, war z.B. dass ich plötzlich unter Dauerschnupfen litt, d.h. ich hatte ständig das Gefühl keine Luft durch die Nase zu bekommen - ohne Nasentropfen konnte ich nirgends hingehen. Auch mein Sehvermögen hatte sich in den letzten 1 1/2 Jahren sehr verschlechtert. Klar wenn man ein wenig kurzsichtig ist, dann ist es schon normal, dass sich mit zunehmenden Alter dies noch verschlechtert, aber bei mir hat sich in dieser Zeit das Sehvermögen um ein Dioptryn verschlechtert, was ich persönlich dann doch als merkwürdig empfand, weil ich sonst wirklich nur alle 3-4 Jahre eine neue Brille brauchte und sich die Augen sonst nur um 0,25 Dioptryn verschlechtert hatten. Dass dies evtl. auch mit der Mirena zu tun haben könnte, hab ich erst durch Lesen einiger anderer Erfahrungsberichte auf anderen Foren erfahren.

Alles in allem will ich hier die Mirena nicht von Grund auf schlecht machen. Denn es gibt ja nun wirklich Frauen, die sie sehr gut vertragen und keine oder nur sehr geringe Nebenwirkungen haben. Aber ich denke trotzdem, dass auch die angeblich nur sehr wenigen Frauen bekannt gegeben werden sollten, die eben die Mirena nicht vertragen. Schade, dass Schering mehr auf den finanziellen Gewinn aus ist, denn negative Berichte findet man auf ihrer Homepage überhaupt nicht. Ich hatte selbst schon an Schering geschrieben und über meine Nebenwirkungen berichtet. Als Antwort bekam ich lediglich zu hören, dass es wohl ein paar wirklich sehr sehr wenige Frauen gibt, die über einige wenige kleine Nebenwirkungen berichten, sie dies jedoch überhaupt nicht mit der Mirena in Verbindung bringen könnten.

Also vom Prinzip her ist die Mirena nicht schlecht - vorausgesetzt, man verträgt sie. Allerdings denke ich mittlerweile, dass Vorsicht geboten ist. Es sind Hormone, die wir zu uns nehmen, wenn auch bei der Mirena vielleicht in geringerer Menge. Und Hormone können unseren Körper nunmal verändern. Wer also vor der Frage steht, ob er sich die Mirena einsetzen lassen soll, sollte sich zuvor ausgiebig informieren, am besten bei verschiedenen Ärzten, denn auch Ärzte sind nur Menschen und einige von ihnen denken auch mal gern an ihren finanziellen Vorteil;-). Und wenn man sich für die Mirena entschieden hat, dann sollte man sich und seinen Körper beobachten - ohne dabei natürlich von vornherein in Hysterie auszubrechen . Stellt man Nebenwirkungen fest, die man zuvor eben nicht hatte und die man selbst dann doch als störend empfindet, sollte man sich da nicht vom Arzt mit lapidaren Worten wie "stellen sie sich nicht so an" oder " na das wird schon wieder" abtun, sondern eher darüber nachdenken, ob der Körper einem dadurch nicht ein paar Warnsignale senden will!!!

Das war also meine Geschichte mit und über die Mirena. Ich hoffe, dass sich auch die Verantwortlichen der Pharmaindustrie die doch sich mehrenden negativen Berichte mal durchlesen und handeln. Zumindest insofern, dass sie die doch recht zahlreichen Nebenwirkungen öffentlich bekannt geben.

Liebe Grüße
Claudia

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