Mein Weg mit den Hormonen: Pille und Mirena

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Morgaine
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Mein Weg mit den Hormonen: Pille und Mirena

Beitragvon Morgaine » 20.08.2008, 12:53

Hallo zusammen,

So, hier nun auch mein aktualisiserter Bericht zu Mirena, Pille und Hormonen allgemein.

Zu meiner Person: Bin 31 Jahre alt, keine Kinder, die Mirena habe ich im April 2007 eingesetzt bekommen und nun Mitte August 2008 wieder ziehen lassen.

Zuvor habe ich jahrelang die Pille genommen: Diane 35, der Bomber unter den Pillen. Ich erinnere mich nicht mehr ganz genau wann ich diese bekommen habe, aber da dürfte ich so 19, 20 gewesen sein.

Heute behaupte ich dass ich durch die Pille eine starke Tendenz zu Depressionen bekommen habe, sowie beständig, über Jahre hinweg, extrem zugenommen habe. Weder ich noch die Ärzte haben jemals eine Verbindung zu den Hormonen hergestellt.

Ende 2006 wurde wurde mich die ganze Pillen-Schluckerei zu umständlich und zu teuer und ich habe mir Gedanken über Alternativen gemacht. Da ich grade in keiner Beziehung war habe ich Pille abgesetzt. Und siehe da: Ich fühlte mich viel besser und die Pfunde purzelten. In meiner Blauäugigkeit habe ich das aber nicht auf die Abwesenheit der Hormone zurückgeführt sondern auf äussere Umstände.
Ich hatte als ich noch die Pille war ständig diätet und dies und das versucht und hab trotzdem nie richtig abnehmen können. Plötzlich hat das aber geklappt. Meine Lebensfreude kam zurück und meine Depressionen, Schwermütigkeit und Stimmungsschwankungen wurden immer weniger. Kurzum, die Lebensqualität ohne die Pille stieg extrem!

Nun gut, ich hab mich dann im Internet über Alternativen zur Pille informiert und fand Infos zur Gynefix. Fand ich ganz interessant und hab einen Termin mit meiner Frauenärztin ausgemacht um mich mit ihr zu besprechen. Ich sagte Ihr dass ich eine Alternative zur Pille suche und bei meinen Recherchen auf Gynefix gestossen sei. Sie verdrehte sofort die Augen und riet mir ganz stark davon ab und hat mir Horrorgeschichten erzählt von wegen den Kettengliedchen die sich gelöst haben und dann irgendwo in den Bauch wandern... Autsch! dachte ich, lieber nicht!

Sie hat mir dann sofort und allerwärmstens die Mirena empfohlen und ich dachte mir: Klingt doch ganz gut, die Hormone wirken nur lokal und nicht im ganzen Körper wie die Pille... Warum nicht? Versuchen wirs. Tja, und damit begann mein Weg mit Mirena....

Ich sage bewusst nicht "Leidensweg", denn ich habe früh genug die Notbremse gezogen und im Gegensatz zu anderen Frauen ging es mir noch echt gut!

Das Einsetzen der Mirena war nicht schön und ich bin in der Praxis erstmal aus den Latschen gekippt. Das Einsetzen der Mirena hat sich bei mir schwierig gestaltet da ich einerseits noch keine Kinder habe und andererseits eine leichte Krümmung in der Gebärmutter habe. Aber es hat schlussendlich geklappt und ich konnte zwar mit leichten Bauchschmerzen und leichten Blutungen nach Hause gehen. Den nächsten Tag hatte ich noch Schmerzen, aber das hat sich sehr schnell gelegt und ich war eigentlich sehr zufrieden. Nach ein paar Mal Schmierblutungen kam dann auch die Menstruation nicht mehr, worüber ich ganz glücklich war. Bei der Nachuntersuchung war alles ok - bis auf eine Zyste die sich da gebildet hatte. Meine FÄ beruhigte mich und meinte das sei nicht tragisch, das könne es schonmal geben und solange es nicht bösartig sei, ist das kein Grund zur Sorge. Na gut, dachte ich mir, sie muss es ja wissen.

Irgendwann hatte ich dann auch mal wieder Sex :wink: - und da ging es mit den Beschwerden los. Schmerzen beim Sex. Na toll. Auch mein damaliger Partner hat sich darüber beklagt dass es "piekst". Ich also wieder zur FÄ und habe Ihr das Problem geschildert. Ich war fest davon überzeugt, dass ich während dem Sex die Spirale spüre und ich daher die Schmerzen hatte. Sie hat nachgesehn und meinte, ne, ich spüre die Zyste. Die gehe dann aber irgendwann weg. Na gut.

Einige Monate ging soweit alles gut, resp. die Beschwerden schlichen sich ganz heimtückisch ein. Ich wurde immer weniger belastbar, war depressiv... Aber das war ja irgendwie nichts Neues, das hatte ich ja schon vorher mit der Pille (wie gesagt - ich habe nie die Verbindung Depressionen-Hormone gemacht....) Ich schob es auf die Arbeit, da dort sehr viel Stress herrschte.

Irgendwann hatte ich Angst zur Arbeit oder allgemein aus dem Haus zu gehen, hatte regelrechte Panikattacken. Ich schaffte es doch zu meinem Hausarzt und der diagnostizierte ein Burn-Out. Ich bekam Antidepressiva, ging in Therapie... Trotzdem hatte ich immer wieder mit Angstzuständen und allgemeiner Traurigkeit, Schwermut und Schlappheit zu kämpfen. Ich war auch ne Weile krank geschrieben und hab dann wieder mit arbeiten angefangen... Dann wurde mir mitgeteilt dass die Firma Stellen abbaut und ich auch gefeuert wurde. Dadurch fiel ich natürlich sofort wieder in ein tiefes Loch und alles hatte gar keinen Sinn mehr. Aber mit Antidepressiva kann man ja sehr gut "überleben".... :roll:

Ich habe dann beschlossen zu meinem Freund nach Deutschland zu ziehen und dort ein neues Leben anzufangen. (ich bin Schweizerin). Also hab ich meine Siebensachen gepackt und wohne nun seit Mai 08 in NRW. Soweit war alles wunderbar, trotzdem hatte ich teilweise immer noch Anfälle von Depressionen, Heulkrämpfe... alles grundlos. Mein Freund ist ein Riesengrosser Schatz und tut alles für mich, wir haben ein schönes Zuhause, ich habe sehr schnell einen neuen Job gefunden...
Ich schob meinen seelischen Zustand auf die Umstellung: neues Land, neues Leben, neuer Job....
Aber dann kamen die Bauchkrämpfe dazu. Immer öfter hatte ich üble Unterleibsschmerzen so dass ich mir hier einen FA gesucht habe und dort auch einen Notfalltermin bekommen habe. Ich habe ihm gesagt dass ich Unterleibsschmerzen hätte und vermute dass es von der Spirale kommt. Bei der Untersuchung hat er - mal wieder - eine Zyste gefunden. Er war ziemlich im Stress und hat sich auch nicht so viel Zeit für mich genommen... Abwarten, meinte er.

Im August hatte ich dann einen Termin für eine Vorsorgeuntersuchung. Ich hatte beschlossen mir die Mirena ziehen zu lassen. Keine Hormone mehr, ich wollte wissen wie es mir ohne die geht. Der FA hat auch keine Anstalten gemacht wie ich ihm mitgeteilt habe dass ich die Mirena raushaben will. Er fragte nur: Jetzt gleich oder später? :D

Bei der Untersuchung stellte sich heraus dass die Zyste gewachsen war. Der FA meinte, wenn die nicht weggeht müsse die operativ entfernt werden. Nun da die Mirena draussen ist bin ich allerdings ganz zuversichtlich dass die Zyste von alleine verschwindet.

Was aber der absolute Lacher war: O-Ton Frauenarzt: Die Zyste steht aber ganz klar NICHT in Zusammenhang mit der Mirena. :roll: Ich hab mir das Lachen verkneifen müssen... Och nöööööö... ist ja nur eine bekannte Nebenwirkung der Mirena...

Eine weitere Nebenwirkung war die extrem unreine Haut die ich plötzlich bekommen habe.

Ich will nicht alle meine Probleme auf die Mirena und die Hormone schieben. Aber ich behaupte, dass die Hormone allgemein vieles verstärkt haben. So wurde aus einer normalen Traurigkeit (die jeder Mensch ab und an hat) eine handfeste Depression. Stress den man normalerweise wegsteckt und damit umgeht wurde zu einem Burn-Out.

Irgendjemand hier im Forum hat mal erwähnt, dass Frauen ja allgemein Zyklen-bedingten Stimmungsschwankungen ausgesetzt sind. Das ist wohl wahr, und ich weiss selber dass ich z.Bsp. sehr Mondfühlig bin. :D Aber alle diese psychischen Beschwerden als auch die Unterleibsschmerzen die ich hatte liessen sich nicht auf einen Zyklus festlegen.

Ich war früher ein sehr aktiver, fröhlicher Mensch. Diese Person habe ich irgendwo verloren, aber bin auf dem Weg sie wiederzufinden.

Die Mirena ist nun ziemlich genau eine Woche draussen. Das Ziehen hat übrigens nicht weh getan, nur ein kleines bisschen geziept, kein Vergleich zu den Höllenschmerzen beim Einsetzen.

Eine Blutung hatte ich bisher noch nicht, aber ich gebe meinem Körper nun alle Zeit der Welt sich von den Hormonen zu erholen. Ich hatte am vierten Tag nach dem Ziehen einen kleinen Einbruch - sprich ich hab an jenem Samstag praktisch den ganzen Nachmittag und Abend verschlafen weil ich wie erschlagen war.

Klar, nach einer Woche kann man noch nicht viel sagen, aber ein paar Beobachtungen konnte ich schon machen.
- meine Haut klärt sich
- ich lache und kichere viel öfters und bin furchtbar albern :D
- Sex ist schmerzfrei
- keine Unterleibsschmerzen mehr

Die grosse Frage für mich und meinen Freund war natürlich wie wir jetzt verhüten. Vorläufig mit Kondomen (ihr glaubt ja gar nicht wie lustig das sein kann... wir lagen letztens kichernd und prustend nebeneinander im Bett...), aber ich habe mir von meinem FA die Goldlily verschreiben lassen. Da er noch wenig Erfahrung damit hat, hat er sie nicht an Lager, aber ich konnte sie in der Apotheke bestellen. Das dauert zwar eine Weile da direkt beim Hersteller bestellt werden muss, aber das ist ok. Sobald ich die Goldlily hab und dann hoffentlich auch meine Tage wieder bekomme, kann ich bei meinem FA zum Einsetzen antanzen.

Es bleibt weiter zu beobachten wie sich mein Befinden verändert, aber ich bin sehr zuversichtlich dass ich wieder zu der fröhlichen, lustigen Person werde die ich nun schon so lange vermisse.

Alles Gute Euch allen
Morgaine

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