Stellungnahme zum Gutachten Mirena

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Cat32
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Stellungnahme zum Gutachten Mirena

Beitragvon Cat32 » 03.09.2008, 09:36

Liebe Leserinnen und Leser,
nach ca. 1 Jahr habe ich nun das Gutachten bekommen, ob mein Arzt einen Behandlungsfehler beging, als er mir die Mirena einsetzte oder nicht, und ob er mich hätte aufklären müssen über mögliche Nebenwirkungen.

Ich stelle das Gutachten - welches sich gerade digitalisiert auf dem Weg zur Moderatorin befindet - gerne ins Forum (Liebe Kirschblüte, bitte Namen schwärzen, Danke!).

Hier kommt - eigentlich falsche Reihenfolge, aber das kann ich schon einmal selbst reinsetzen - meine Stellungnahme zum Gutachten:

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Stellungnahme zum Gutachten Frau xxx./.Dr.med. xxx


Sehr geehrte Damen und Herren,

vielen Dank für die Erstellung und Übersendung des Gutachtens in oben genannter Sache.

Nach dem ich von dem Gutachten gründlich Kenntnis genommen habe, komme ich nicht umhin auch Stellung zu diesem zu nehmen.


Punkt 1.) – Seite 3 – Zeile 26ff.
Die von mir geschilderten Nebenwirkungen wurden von Herrn Dr. xxx offensichtlich nicht in die Patientenakte aufgenommen.
Hierzu ist zu erwähnen, dass ich im März/April 2002 bei ihm wegen einer starken Nesselsucht im Gesicht vorstellig wurde und auch ein Antiallergikum verschrieben bekam. Diese Verordnung müsste in den Krankenakten zu finden sein. Allerdings bekam ich – sofern ich mich richtig erinnere – kein Rezept von Herrn Dr. xxx, sondern eine Probepackung des Antiallergikums sofort mit nach Hause.
Diese offensichtliche Nesselsucht mit anschließender Verordnung eines entsprechenden Medikaments beweist deutlich, dass die Nebenwirkungen nicht nur mir, sondern auch meinem Arzt angezeigt und deutlich wurden.
Hier bitte ich Sie, die Patientenakte bezüglich der Nesselsucht und der daraufhin folgenden Verordnung des Antiallergikums nochmals zu überprüfen.

Auch alle anderen Beschwerden waren a) entweder offensichtlich (Chloasma im Gesicht), oder aber wurden b) von mir geäußert.
Hier kann es nicht sein, dass diese einfach „verschwinden“, weil ein Arzt seiner Pflicht, diese geäußerten Beschwerden nicht in die Patientenakte aufzunehmen, nicht nachkommt. Sollte dem so sein, bitte ich Sie, sämtlichen Patienten und Patientinnen den Rat mit an die Hand zu geben, ihrerseits von jedem Arztbesucht ein Protokoll anzufertigen, welches dann vom behandelnden Arzt zu unterschreiben ist.


Punkt 1.) – Seite 4 – Zeile 8ff.
Zum gescheiterten Mirenawechsel zu schreiben „Gebärmutterkanal sehr eng“ – entspricht ebenfalls nicht der Wahrheit.
Tatsache ist, dass sich die Mirena im Gebärmutterhalskanal geöffnet hatte, und hier mit Gewalt rausgezogen werden musste. Herr Dr. xxx sagte mir damals noch, dass er diese Spirale als schadhaft zurückschicken würde, um diese sich ersetzen zu lassen. Eine Entschädigung meinerseits für dieses „Schlächterverfahren“ wurde nicht erwähnt.


Zu den Gutachterfragen:

Punkt 1.) – Seite 5 – Uterus bicornis:
Der Unterus bicornis kann nicht nur angedeutet sein, sondern muss stark ausgeprägt sein – ich stelle mich gerne einer erneuten Untersuchung – da diese Ausprägung so stark ist, dass beide Kinder sich im letzten Drittel der Schwangerschaften im Uterus quer legten, was jeweils den Kaiserschnitt nach sich zog.


Punkt 2.) – Seite 6 – 21ff.
Es geht bei diesem Punkt nicht darum, dass das Rauchen negative Wechselwirkungen mit dem von IUP freigesetzten Hormon nach sich ziehen könnte, sondern darum, dass auch diese mögliche Nebenwirkung mit keinem Wort erwähnt worden ist.


Punkt 3.) – Seite 7 – Zeile 20ff.
Tatsächlich erfolgte der Mirenawechsel im Jahre 2006 –nicht, wie von mir als Tippfehler geschehen, im Jahre 2007.
Tatsache ist weiterhin aber auch, dass Herr Dr. xxx mir damals einen Brief für meinen Hausarzt Dr. xxx, Augsburg mitgab, in welchem dieser darauf hingewiesen wurde, dass ich Mirenaträgerin sei. Auf meine Frage, warum mein Hausarzt dies wissen müsste, bekam ich nur die Auskunft „Vorschrift“ – hätte sonst aber nichts zu bedeuten. Heute ärgere ich mich maßlos, dass ich dieses Schreiben meinem Hausarzt nicht ausgehändigt habe. Hätte ich dies getan, würde sich mittlerweile anhängige Beweispflicht zu meinen Gunsten verbessern.
Weiterhin kann ich nur nochmals deutlich betonen, dass ich n i e einen Prospekt ausgehändigt bekommen habe.


Punkt 4.) – Seite 8 – Zeile 3ff.
Ich gebe Ihnen insofern Recht, dass alle von mir erlittenen Nebenwirkungen auch andere Ursachen als die Mirena haben können.
Insofern ist Ihre eigene Aussage – die später erfolgt und auf die ich mich dann noch einmal beziehen werde, dass die Beeinträchtigung meiner Lebensqualität zu vernachlässigen sei, weil die Nebenwirkungen des IUP nach Entfernen dieses reversibel seien und verschwinden würden – widersprüchlich zu der in diesem Punkt von Ihnen gemachten Aussage, dass die Nebenwirkungen auch andere Ursachen haben könnten.

Entweder die Nebenwirkungen sind auf die Mirena zurückzuführen – was mit hoher Wahrscheinlichkeit so ist, da ich die von mir geschilderten Beschwerden vor Einsatz des IUP ja nie hatte, oder aber die Beschwerden stehen in klarem Zusammenhang mit der Mirena, was dann zu Ihrer Aussage passen würde, dass diese nach Entfernen des IUP reversibel seien, nicht aber gleichbedeutend ist mit der Tatsache, dass diese Beschwerden keine Beeinträchtigung der Gesundheit darstellen. Hier bitte ich um eine klare Stellungnahme.


Punkt 5.) – Seite 8 – Zeile 20ff. – bis Seite 9.
Ich zitiere: „Von einem Gesundheitsschaden ist in diesem Fall nicht zu sprechen, da die Beschwerden reversibel sind und nach Entfernen der Mirena abklingen.“ Zitat Ende.

Das stimmt so nicht, da meine Gesichtshaut einen nicht reversiblen Schaden davongetragen hat (Narben, Pigmentflecken).

Ich denke aber auch, Sie stimmen mir soweit zu, dass zur Gesundheit auch ein gesundes Lebensgefühl gehört. Ich denke auch, dass Sie mir zustimmen werden, wenn ich sage, dass über 6 Jahre eines Lebens als Zeitspanne nicht zu vernachlässigen sind.
Weiterhin wurde deutlich, dass – hätte man mich im Vorfeld über mögliche Nebenwirkungen aufgeklärt – ich die Entscheidung in meinem Leben früher treffen können, mir das IUP entfernen zu lassen, um die Reversibilität der Nebenwirkungen zur Erhöhung meiner Lebensqualität bewusst herbeizuführen.
Dies ist nicht geschehen. Insofern wurde meine Lebensqualität über 6 Jahre wissentlich negativ beeinflusst.

Dieses Wissen um die Tatsache, dass es einer Patientin, die in diesem Falle ja auch eine Art „Schutzbefohlene“ ist, unter Einwirkung des vom Arzt verschriebenen „Medikaments“ schlecht geht, entspricht nicht der Verantwortung gegenüber Patienten, die Herr Dr. xxx dann erwähnte, als ich mir das IUP entfernen lies (Zitat Herr Dr. xxx: „Ich trage doch die Verantwortung dafür, dass sie nicht schwanger werden.“).
Weiterhin entspricht dieses Verhalten nicht dem hippokratischen Eid. Insofern ist das Verhalten nicht nur als fahrlässig, sondern als vorsätzlich zu bewerten.

Hier kann ich mich absolut nicht mit Ihrem Gutachten vereinbaren, welches sinngemäß behauptet, dass das ganze Procedere und die Leiden von 6 Jahren nicht schlimm seien, da diese ja wieder verschwinden würden.
Nimmt man diese, Ihre Argumentationslinie und führt diese an einem anderen Beispiel weiter, so würde das bedeuten, dass die Beeinträchtigung der Lebensqualität einer Natascha Kampusch oder auch der Tochter des Fritzls aus Österreich zu vernachlässigen seien, da die Opfer der beiden Täter ja jetzt wieder auf freiem Fuß seien und somit die Beeinträchtigung der Gesundheit bzw. Lebensqualität zu vernachlässigen wären, weil reversibel seien.


Punkt 6.) – Seite 9 – Zeile 6ff.
Herr Dr. xxx war, wie bereits weiter oben erwähnt, über die Nebenwirkungen informiert. Ja er hat, wie ebenfalls weiter oben erwähnt, mir selbst ein Antiallergikum mit dem Wirkstoff Loratadin gegeben. In diesem Falle kann es nicht ausreichen, diese Dinge einfach nicht zu dokumentieren, um sich und Kollegen und Gutachtern den Anschein zu geben, die Patientin, die dann zur Gegnerin wird – was wiederum eine traurige Sachlage darstellt, hätte die Nebenwirkungen nie erwähnt. Zumal die Nebenwirkungen a) teilweise ja doch dokumentiert sind und b) offensichtlich waren und leider auch immer noch sind (Chloasma im Gesicht, Narben im Gesicht).
Insofern stellt das Verhalten von Herrn Dr. xxx ganz klar einen deutlichen Behandlungsfehler dar.
Über einen möglichen Zusammenhang mit der Mirena bin ich nie informiert worden.
Viel schlimmer ist allerdings – und was mich persönlich sehr aufwühlt – hier steht wohl Aussage gegen Aussage, wobei ich die Person bin, die die Leiden davontrug – dass ich im Verlauf von 6 Jahren immer mal wieder nachgefragt habe, ob diese Beschwerden irgendwie mit der Mirena zusammenhängen könnten. Immer war die Antwort ein klares und kurzes Nein.
Im Vertrauen auf meinen Arzt – welches ich im Zuge dieses Verhaltens ebenfalls verloren habe, welches ich aber auch nicht mehr zu anderen Ärzten aufbauen kann, was wiederum eine Beeinträchtigung meiner Gesundheit darstellt, habe ich diesen Aussagen geglaubt.


Punkt 7.) – Seite 10 – Zeile 1ff.:
Sie verneinen die Frage, ob der Behandlungsfehler ursächlich für den eingetretenen Schaden ist.
Hier frage ich Sie in aller Offenheit, ob dies Ihr voller Ernst ist?

Ich fasse zusammen:
• Das IUP hätte nicht eingesetzt werden dürfen
• Das Risiko einer Perforation (Lebensgefahr für die Trägerin) ist unter diesen Umständen zu hoch.
• Die Nebenwirkungen wurden nicht erwähnt.
• Die Nebenwirkungen waren bekannt.
Soweit werden Sie mir bestimmt zustimmen.

Anders formuliert: Ein Arzt bringt eine Patientin wissentlich in Lebensgefahr und dokumentiert nicht das Leiden der Patientin. Stirbt die Patientin nicht – ist der Arzt nicht zu belangen.
Anderes Beispiel: Ein Mensch nimmt eine geladene Waffe und zielt und schießt damit auf eine andere Person. Passiert der Person dabei nichts, ist der Angreifer nicht zu belangen, da ja niemand zu Schaden gekommen ist.

Weiterhin schreiben Sie in diesem Punkt. „Der eingetretene Schaden ist bei der Klägerin eine unerwünschte Arzneimittelwirkung, die bei jeder Patientin auftreten kann, welche mit der Mirena behandelt wird, unabhängig von einem vorliegenden Uterus bicornis.“

Also räumen Sie hier abschließend ja ganz deutlich ein, dass die Beschwerden ursächlich von der Mirena herrühren, was Sie im vorherigen Verlauf Ihres Gutachterschreibens ja zunächst verneinten.
Das bedeutet auch, dass sämtliche Beschwerden nicht hätten sein müssen, wenn ich aufgeklärt gewesen wäre. Diese Aufklärung ist allerdings nicht erfolgt, was zur beschriebenen Beeinträchtigung meiner Gesundheit und Lebensqualität führte.

Weiterhin möchte ich wissen, woher Sie wissen können, ob alle „Schäden“ der Mirena vollkommen reversibel sind? Bitte nennen Sie hier Ihre Quellen über Langzeitstudien. Wenn alle Schäden reversibel sind und Sie dies belegen können, so doch nur, weil Sie wissen, dass die Schäden auch von dem Tragen der Mirena herrühren.
Laut Hersteller führt das Tragen der Mirena zu einem erhöhten Brustkrebsrisiko. Woher wissen Sie, dass dieses erhöhte Risiko reversibel ist? Wenn all die Beschwerden reversibel sind, dann möchte ich von Ihnen genau wissen, wann meine Haut ohne Pigmentflecken sein wird und wann die Narben, die ich von der entzündeten Haut davontrug, vollkommen verschwunden sein werden. Nennen Sie hier bitte einen genauen Zeitpunkt.

Ehrlicher wäre es in diesem Falle doch ganz klar zu erklären, dass
• Herr Dr. xxx einen Behandlungsfehler begangen hat, weil er mir das IUP eingesetzt hat, obwohl er wusste, dass ein Uterus Bicornis eine Kontraindikation darstellt. Dass dabei nichts passiert ist, ist ein Glück für alle Beteiligten, vermindert aber in keinster Weise die vorliegende Schuld des behandelnden Arztes.
• Dass die Nebenwirkungen klar auf die Mirena zurückzuführen sind, da diese Beschwerden vor Einlage des IUP nicht vorhanden waren und – Ihr Zitat – nach Entfernen dieses ja angeblich vollkommen verschwinden würden.
• Dass die Beschwerden zu einer Beeinträchtigung meiner Gesundheit und Lebensqualität führten und dies klar auf das Verhalten und die Behandlung meines Arztes zurückzuführen ist.

Zusammenfassend kann man nach gesundem Menschenverstand klar sagen, dass ein Behandlungsfehler vorliegt und ein Arzt, der für die Gesunderhaltung und Behandlung zum Wohle des Patienten da ist, vorsätzlich handelte.

Ich erwarte Ihre erneute, überdachte Stellungnahme binnen eines Monats.
Parallel dazu sende ich dieses erste Gutachten an die Frauengesundheitszentrale Graz, an das Frauengesundheitszentrum Berlin (beide kümmern sich sehr um die durch Mirena geschädigten Frauen und stehen auch in Verbindung zu Journalisten).

Mit freundlichen Grüßen

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