Meine Geschichte

Schreibe uns hier Deine Erfahrungen mit der Hormonspirale.

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Tanni77
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Meine Geschichte

Beitragvon Tanni77 » 07.09.2008, 11:00

Hallo,
erst einmal vielen Dank für dieses Forum - ich kann nicht in Worte fassen wie schockiert und traurig ich über diese Leidensgeschichten bin.

Ich wollte Euch hier auch einmal meinen langen Weg erzählen...ich bin 31 Jahre alt, bin sportlich und habe keine Kinder. Gesundheitlich ging es mir auch immer bestens....das sollte sich bald ändern:

Es begann im Jahr 2004 als ich von meinem Frauenarzt auch die Euch bekannten Worte hörte "Die Mirena ist ein super einfacher Weg um zu verhüten, es werden ganz geringe Mengen Hormone frei gesetzt - und das ja auch schließlich direkt da wo sie hinsollen (haha)". Nun gut, man vertraut ja (auf jeden Fall bis vor kurzem) seinem Arzt und somit ließ ich mir im April 2004 diese Wundererfindung einsetzen. Ich kann mich daran erinnern das es höllische Schmerzen beim Einsetzen waren, ich hatte einige Tage starke Blutungen und auch einen reichlich geschwollenen Bauch. Als diese Schmerzen dann aber alle vorbei waren war ich lange Zeit super zufrieden mit der Mirena. Ich habe sie sogar einigen Freundinnen empfohlen, da es ja eine kostengünstigere und auch angenehmere Variante als das tägliche Pille-Nehmen ist. Zum Glück sind diese Freundinnen aber bei der Pille geblieben.
Meine Menstruation blieb von diesem Zeitpunkt an komplett aus, was ich allerdings auch als positiven Nebeneffekt verzeichnet hatte. Mein Frauenarzt sagte mir ja, das es ganz normal wäre und auch nicht weiter dramatisch.

Ich kann euch gar nicht genau sagen ab wann es bergab ging - irgendwann im Jahr 2006.
Ich bin von Natur aus ein sehr aufgedrehter, lebensfroher und aktiver Mensch der einen gewissen Pegel an Stress auch benötigt um glücklich zu sein. Ich habe in Vollzeit gearbeitet und nebenher an den Wochenenden noch meine diversen Ausbildungen als Fitness und Personal Trainerin gemacht...also abends in der Woche auch immer noch gearbeitet. Full Time Job. Ich war aber immer gut organisiert, so dass ich alles unter einen Hut bekam.

Mir ging es dann allerdings immer schlechter...ich war ständig kaputt, total erschlagen, morgens war mir bei der Arbeit immer erst eine halbe Stunde schwindelig und ich hatte mich damals schon gefragt was auf einmal los ist. Bei genauerem Nachdenken habe ich es dann auf den Stress geschoben: Zu viel Arbeit vielleicht, die blöde Beziehung vielleicht, die Krankheit meiner Mutter vielleicht, vielleicht auch der Ärger mit dem Finanzamt oder es liegt daran das ich mich in meinem Vollzeitjob absolut nicht mehr wohl gefühlt habe.... ich hatte es auf diese Dinge geschoben, da mir meine Ärztin sagte das ich ansonsten topfit und gesund sei.
Es kamen dann immer mehr "Kleinigkeiten" dazu...ich hatte schon seit 2 Jahren Schlafstörungen (was ich auf die Arbeit bezog) und wenn ich mal Kopfschmerzen oder Rückenschmerzen oder dann am nächsten Tag Zahnschmerzen hatte habe ich mir immer nur gedacht: Du brauchst einfach mal ein wenig Ruhe.
Ich habe mich dann mehr aus meinen Jobs herausgezogen, wurde öfter krank...aber das hat alles nichts genützt. Anfang 2007 bin ich dann komplett zusammengebrochen. Ich habe nur noch gezittert, konnte nicht mehr geradeaus laufen, bin blau angelaufen....so schlimm das der Notarzt kommen musste. Die konnten dann aber auch nichts weiter feststellen und nach einer halben Stunde ging es mir ein wenig besser.

Von diesem Zeitpunkt an konnte ich ca. 3 Monate nicht mehr alleine aus dem Haus gehen, geschweige denn Auto fahren. Nicht mal im Wartezimmer meiner Hausärztin konnte ich im Sitzen warten - ich musste mich hinlegen und warten bis ich dran bin. Kein Arzt konnte mir sagen was mit mir los ist.....ich bin dann auch alle Stationen durchlaufen:
-HNO
-Internist
-Augenarzt wegen dem Schwindel
-Frauenarzt - der sagte es wäre auch alles in Ordnung
-Neurologe
-einige weitere Aufenthalte in der Notaufnahme des Krankenhauses
....alles super - ich war kerngesund !!!

Das waren die schlimmsten Monate in meinem ganzen Leben. Ich konnte kaum aufstehen, das tägliche Duschen hat ca. 2 Stunden in Anspruch genommen da ich immer wieder Pausen machen musste, wenn ich einen guten Tag hatte und eine halbe Stunde spazieren gehen konnte musste ich danach auch gleich wieder zwei Stunden schlafen da ich so erschöpft davon war. Ich sah aus wie eine Leiche und hatte abends Angst einzuschlafen da ich immer nur dachte: "Was ist wenn du morgen früh nicht mehr aufwachst?" Es war furchtbar....

Meine Hausärztin diagnostizierte mir dann einen Burn out und ich kam in eine psychosomatische Tagesklinik für 6 Wochen. Es ging mir danach besser....noch nicht gut - aber besser und ich blieb noch bis im März 2008 zu Hause. Ich habe gewartet bis meine alte Firma mich gekündigt hat. Das war eine riesige Erleichterung für mich, da ich ja dachte das mich diese Arbeit dort krank gemacht hat.
Ich habe mir dann einen neuen Job gesucht, in dem ich tatsächlich ganze 3 Wochen gearbeitet habe. Und dann ging alles wieder von vorne los....
Rückfall hieß es.....also bin ich jetzt wieder seit ca. 3 Monaten in einer psychosomatischen Tagesklinik Patientin. Inzwischen hatte ich auch noch zusätzlich regelmäßig Panikattacken, Schmerzen in den Gelenken, Angstanfälle ... ich konnte kaum noch etwas machen.
Mein dortiger Therapeut konnte nach einigen Gesprächen nicht recht verstehen wie ich zu dieser Krankheit mit Depressionen usw. kommen konnte, da er meint das ich eine ziemlich taffe Person bin und die damaligen Ereignisse eigentlich locker hätte wegstecken müssen.
Ich muss dazu sagen das ich seit 3 Monaten in der Tagesklinik bin und es mir immer noch genauso schlecht wie am ersten Tag ging.

Dann kam die Erkenntnis eigentlich durch Zufall:
Ich hatte mich mit einer Mitpatientin über Verhütung unterhalten und ihr nebenher erzählt, dass ich eine Hormonspirale hätte und seitdem auch keine Tage mehr hätte. Sie sagte mir dann das sie auch mal eine gehabt hätte - sie die allerdings nicht vertragen hätte - bei ihr hätte es sich auf die Psyche ausgewirkt und Depressionen davon bekommen.
Ich kam nachmittags aus der Klinik und war wieder völlig erschlagen, wollte mich allerdings wach halten damit ich Nachts schlafen kann. Ich habe mich dann an das Internet gesetzt weil ich einfach die Vor- und Nachteile von der Mirena nachsehen wollte und bin auf dieses Forum gestossen:

:shock: MIR IST DIE KINNLADE AUF DEN TISCH GEFALLEN!!! :shock:

Ich habe hier einige Berichte durchgelesen und habe wirklich nur total entsetzt gedacht: "Das ist genau meine Symptomatik - die Frauen erzählen meine Geschichte - das kann doch nicht sein!!!"

Ich habe dann sofort bei meinem Frauenarzt angerufen und am nächsten Tag einen Termin verlangt damit mir sofort die Mirena gezogen wird.

Am nächsten Tag bin ich dann auf zittrigen Beinen und mit Schwindelgefühl zum Frauenarzt gefahren damit er mir die Mirena zieht. Die Schwester wollte mich ins Wartezimmer schicken woraufhin ich ihr gleich sagen musste: "Geht nicht - dann bekomme ich gleich wieder Panikattaken und Schwindelanfälle - ich warte hier im Flur." Darauf bekam ich natürlich gleich einen schiefen Blick....
Ich sagte dann meinem Arzt das die Mirena raus soll und er fragte mich gleich warum. Habe ihm alle Symptome die ich habe aufgezählt und er hat NICHTS ABGESTRITTEN!!! Er hatte nur den Blick auf seine Unterlagen gesenkt und murmelte: Naja - Stimmungsschwankungen kann man ja schon von der Mirena bekommen....
Ich habe nichts mehr darauf gesagt und er hat sie mir mit den Worten gezogen: "Ach, Schade um das gute Stück....."
Am liebsten hätte ich zu ihm gesagt das er sich die Mirena ja mal in den Hintern stecken kann, vier Jahre warten soll und dann mal sehen wie er die letzte Zeit so fand... :evil:

Einen Tag nach dem Ziehen war ich dann total erschlagen - ich war so müde das ich es nicht in die Tagesklinik geschafft habe und im Bett geblieben bin. Am nächsten Tag habe ich dann aber schon die ersten Veränderungen gespürt....
keine Kopfschmerzen mehr...ich habe mich einfach "frei" gefühlt.
Die nächsten Tage nach dem Ziehen hatte ich einen totalen Höhenflug - ich war tatsächlich das erste mal seit 2 Jahren Symptomfrei!!! Es war ein herrliches Gefühl - selbst meine Augen waren wieder strahlender und einfach nur mal wach. Das war meine Bestätigung das es wirklich an der Mirena lag.

Leider habe ich seit Montag ziemliche "Entzugserscheinungen" wenn man das so nennen kann. Ich bin wieder extrem müde geworden und seit Donnerstag habe ich mit Übelkeit zu kämpfen und Trägheit. Aber ich sage mir das ich das jetzt auch noch durchhalte und erwarte Sehnsüchtig meine erste Menstruation. Ich denke das nach der ersten Menstruation alles wieder richtig bergauf geht....

Ich kann euch gar nicht genug für dieses Forum und eure Erfahrungsberichte danken!!!

Es ist absolut schockierend was die Ärzte heute ohne schlechtes Gewissen einigen Frauen "einpflanzen" ohne sie über die Risiken aufzuklären....

Danke an die Firma Schering für 2 Jahre Höllenqualen in meinem Leben!!!

Ich wünsche uns allen das wir ganz schnell wieder gesund werden und dann auch gesund bleiben und rate allen die sich noch unschlüssig über das Ziehen der Mirena sind:

MACHT ES !!!

:arrow: Tanni :arrow:
Befreites Mirena-Opfer seit 26.08.2008

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