2,5 Jahre Mirena und das Gefühl sich mit 30 wie 80 zu fühlen

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Waldelfe
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2,5 Jahre Mirena und das Gefühl sich mit 30 wie 80 zu fühlen

Beitragvon Waldelfe » 13.09.2008, 08:52

Hallo an Alle,

nachdem ich schon im Erfahrungsaustausch den ein oder anderen Bericht geschrieben habe, möchte ich nun auch hier meinen Erfahrungsbericht mit Mirena hinterlegen.

Zu meiner Person: ich bin 30 Jahe alt, verheiratet und habe 2 wundervolle Kinder im Alter von 6 und 4 Jahren. Vor den Kindern fürhütete ich mit der Pille Triette und Valette. Die Mirena bekam ich 9 Monate nach der Geburt meines 2. Kindes im November 2005 gelegt. Meine FÄ riet mir schon nach der Geburt meines ersten Kindes im Jahr 2002 zur Mirena, ich lehnte aber ab, weil wir mit dem 2. Kind nicht so lange warten wollten.

Auch mir wurde die Mirena "verkauft" als Wundermittel, gänzlich ohne Nebenwirkungen, lediglich die eine. Und die sei ja positiv: das Ausbleiben der Mens. Ich habe keine Packungsbeilage gesehen, ich habe keine Rechnung bekommen und ich habe auch nichts unterschreiben müssen.
Das Einsetzen war grausam und ich fühlte mich wie ein geprügelter Hund.

Die erste zeit ging es mir erstaunlich gut, bereits der 2. Zyklus war blutungsfrei. Ich dachte: super! Im März 2006 gings los, schleichend ging es mir schlechter, ich bekam Magenprobleme, schwere Koliken und wurde stationär behandelt. Danach ging es mir immer schlechter, ich nahm stetig zu, am Ende meiner Mirenazeit wren es stolze 18 kg! Ich wurde launisch, gereizt, aggressiv und schnipte von Null auf Hundert wegen gar nichts. Meine Ehe war in der Zeit eine Katastrophe und meine Kinder haben mich bestimmt das ein oder andere Mal verflucht. Ich hatte einfach keine Nerven mehr für nichts. Ich war antriebslos und dauerhaft müde. Ich litt unter Ein- und Durschschlafschwierigkeiten bis hin zur Schlaflosigkeit. Der Tinnitus gesellte sich hinzu, ich wurde halb wahnsinnig. Meine Beine schwollen an, kein Schuh paßte mehr. Ich bekam Akne und Furunkel. Mir wuchsen Haare an Stellen wo Frauen keine haben sollten. Mein Bauch glich nun einer Schwangeren, schön rund und fest. Meine Brust schwoll an von Körbchengröße 80B auf 85 D. Ich war nur noch frustriert. Zum Schluß kamen noch Herzrasen und Panik dazu. Ein viel zu hoher Blutdruck und ein Ruhepuls von 115!!!!!!!

Klar, auch ich wurde durchgecheckt: Hausarzt -> Labor o.B., Endokrinologe --> Hormonstatus o.B., Kardiologe --> Herzkontrolle o.B., unzählige Frauenarztbesuche alle mit dem Fazit: ich bin kerngesund, ich bilde es mir ein, ich habe nichts Hypochonder --> Überweisung zum Psyschater --> Rezept Antidepressiva. Und das Gewicht??? --> ich solle weniger essen und sport machen. HA HA HA. Ich kann mit meinen Gechmacksnerven, was die Erkennung der erschiedenen grünen Salate betrifft garantiert bei "Wetten das?" auftreten, diese waren nämlich meine Hauptnahrugsmittel während der Mirenazeit. Am Ende glaubte ich selbst daran durchgedreht zz sein, auch Todesgedanken waren mir nun nicht mehr neu.

Unser Leben ist stressig, ja. Wir arbeiten beide voll. Mein Mann ist selbständig, da bleibt nicht viel Zeit. Die 2 Kinder kosten auch Zeit und Kraft und Nerven, aber das haben sie vorher auch getan als sie noch kleiner waren. Es konnte also wirklich nicht nur an meinem häuslichen Streß liegen, denn die Umstände hatten sich nicht wirklich verändert. Die Diagnose, "ich sei eben älter geworden´ließ ich damals nicht zu! Als ich Mirena bekam war ich gerade 27 Jahre alt.

Meine Mutter schleppte mich zum Heilpraktiker, welch ein Glück, endlich jemand der mir zuhören wollte und helfen wollte!!! Sie beide und mein Mann rieten mir die HS entfernen zu lassen, da sie die Ursache meiner Beschwerden sei. Ich glaubte nicht so recht daran. Das Wort meiner FÄ: "Die Mirena ist nicht die Ursache!" wog immer noch mehr als das Wort meiner nächste Angehörigen und meiner HP-in zu der ich inzwischen ein tiefes Vertrauen habe. Eine Kollegin war es am Ende, die mir den Tipp gab hier mal zu lesen, da sie selbst vor Jahren die Mirena ziehen ließ, wegen diverser NW.

Als ich hier die ersten Nächte gelesen habe, habe ich nur geweint, ich war also doch nicht verrückt und durchgedreht. Und ein Hypochonder bin ich auch nicht. Fast jeder der Berichte hätte von mir sein können. So viele Frauen können sich das nicht einbilden. Kurzum. Ich habe sofort einen Termin gemacht und die Mirena ziehen lassen. Es tat nicht weh, aber die Reaktion meiner FÄ tat weh, die mich eigentlich am liebsten gleich in die Geschlossene gesteckt hätte, und mir sagte ich eie eine Zumutung für mich und meine Familie, ich solle ruhig mal die bunten Pillen nehmen.

Das tat mir weh! Sie kennt mich seit 18 Jahren!

Die HS ist nun seit fast 15 Wochen raus und viele NW haben sich in Luft aufgelöst. Einige sind geblieben, aber deutlich schwächer geworden. Alles braucht seine Zeit. Ganze 6 Kilo habe ich schon verloren und ich fange langsam an mich wieder zu mögen. Meine Laune ist wesentlich besser und ich kann wieder schlafen und habe seit langen ds Gefühl wieder, nach dem Schlaf erholt zu sein. Mein Blutdruck ist wieder normal, mein Ruhepuls liegt bei 70 und ich fühle mich seit langem mal weder leitungsfähig. Der Streß zu Hause und auf Arbet ist nachwievor der gleiche.

Ich bin dankbar für dieses Forum und den vielen Frauen, die den Mut hatten, ihre Geschichte zu veröffentlichen umso anderen die Augen zu öffnen. Ich hoffe, dass diese Informationsquelle nie versiegt und noch vielen Frauen die Augen öffnet, besser noch vor dem Einsetzen.
Jeder ist individuell, die eine verträgt die Mirena eine andere nicht. So ist es eben, und man sollte den Aspekt in der Beratung und Behandlung berücksichtigen. Es läßt sich doch auch niemand freiwillig von einer Biene stechen, wenn er weiß das er dagegen allergisch ist, oder????

Nochmals vielen Dank an dieses Forum. Danke das ich mein Leben fast wieder zurück habe und wieder ich selbst bin, ich wieder lachen kann und meinen Kindern und meinem Mann die Mutter und Frau sein kann, die ich immer sein wollte und war.

Ich wünsche allen hier alles Gute, Kraft und eine Menge Geduld.

Waldelfe
31 Jahre, 2 Kinder (6 und 5) Mirena seit 11/05 - 06/08.
Man sollte eben doch öfter auf sein Bauchgefühl hören!

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