Meine Geschichte

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regiflo
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Meine Geschichte

Beitragvon regiflo » 19.09.2008, 09:15

Meine Geschichte fängt nach der Geburt meiner Zwillinge Ende 2000 an.
Die Frage nach einer einfachen und unkomplizierten und guten Empfängnisverhütung stellte sich.

Und im August 2001 entschied ich mich für die Hormonspirale. Eine Spirale wollte ich auf jeden Fall haben, denn das ständige Pillengeschlucke ging mir schon vorher immer mehr auf die Nerven. Und die Aussicht, mehrere Jahre sich um nichts kümmern zu müssen, war einfach verlockend.

Für die Hormonspirale sprach für mich, daß sie noch länger wirkte als eine Kupferspirale und außerdem die Menstruation vielleicht sogar ganz ausbleiben würde (während bei einer Kupferspirale sich diese meist verstärken sollte). Der Preis schreckte mich nur wenig. Wenn alles gut ging, würde sich die Investition schon allein durch die nicht mehr benötigten Binden bzw. Tampons amortisieren.
Dazu kam noch, daß die Frauen in meiner Bekanntschaft, die sich auch die HS hatten setzen lassen, alle damit total gut zurecht kamen und mir sie auch empfahlen.
Also war meine Entscheidung klar.

Das Einsetzen war bei mir total unproblematisch. Ich bekam vorher eine Beruhigungsspritze von meinem FA und ich hatte weder beim Einsetzen noch danach irgendwelche Schmerzen. Und sie lag von vornherein optimal in der Gebärmutter.
Meine Menstruation hörte sofort auf. Was mich zwar zuerst etwas irritierte (das erste Mal dachte ich schon, jetzt sei ich doch wieder schwanger, :lol: ), was ich aber dann sehr zu schätzen wußte.

Nunja...die Zeit verging. Zwillinge sind besonders anfangs sehr anstrengend, wir suchten und fanden und kauften uns ein Haus 2003, ich arbeitete in Home-Office weiter halbtags. Das Leben war also ziemlich stressig.

Was komisch war: Ich bekam immer öfter Magen-Darm-Infekte.
Jedenfalls dachte ich das damals. JETZT weiß ich, daß es leichte Panikattacken waren, die mir das Leben schwer machten. Doch da die Symptome komplett MDV entsprachen (ich hatte nur kein Fieber und mußte mich nicht übergeben), kam niemand darauf, daß es etwas anderes sein konnte.

Dazu kam, daß ich im Laufe der Jahre immer antriebsloser wurde. Alles wurde mir zuviel, ich nörgelte nur noch rum. Mit den Kindern spielen: Keine Lust. Mit meinem Mann schmusen: Keine Lust. Den Haushalt machen: Keine Lust.
Ich versank in Depression und kompletter Lustlosigkeit. Meine Energie war einfach weg. Komplett!
Dabei war ich immer ein anpackender Mensch ohne Ängste gewesen.

Aber plötzlich war immer ein Nebel um mich herum. So, als wäre ich unter einer Glasglocke. Dazu regte mich alles auf, jede Kleinigkeit. Ich wünschte mir nur noch Ruhe, Ruhe, Ruhe. Alle sollten mich in Ruhe lassen.

Eines Tages 2004 holte ich meine Kinder zu Fuß vom Kindergarten ab und dachte auf dem Rückweg, ich kippe gleich um. Zu Hause konnte ich mich gerade noch ins Bett schleppen und begann dann zu zittern wie Espenlaub, während mir immer wieder schwarz vor Augen wurde. Ich dachte, ich sterbe. Mir war übel, gleichzeitig bekam ich Durchfall und konnte aber nicht richtig auf Toilette gehen, weil ich dann dachte, ich werde ohnmächtig.
Meine Eltern, die ich gerade noch anrufen konnte, ließen einen Notarzt rufen. Der dachte natürlich, ich hätte einen Infekt.
Leider war es aber die erste richtig heftige Panikattacke, :( , die ich hatte.

Von da an ging es mit mir rapide bergab. Mein Bewegungsspielraum schränkte sich immer mehr ein: Zuerst konnte ich nicht mehr Zug fahren, ohne daß mir schwindelig und zittrig wurde. Dann nicht mehr Bus.
Ich wurde immer empfindlicher gegen Licht und Hitze. Hatte das Gefühl, nicht mehr schwitzen zu können, sondern innerlich, wenn ich in der Sonne war, zu explodieren, einen Hitzestau zu haben.
Wir wohnen am Strand, aber im Sommer an den Strand mit den Kindern zu gehen, war mir nicht mehr möglich.

Inzwischen wurden mit mir alle möglichen Tests gemacht, da mein Hausarzt langsam den Verdacht Panikattacken bekam. Und natürlich war ich organisch völlig ok.
Also bekam ich Antidepressive und Psychotherapie verschrieben. Beides half insoweit, als die wirklich schlimmen Panikattacken nicht mehr vorkamen.

Aber dieses diffuse Gefühl, immer im Nebel oder in einer Wattekugel zu sein, dieses zittrige Unruhegefühl und gelegentliche Schwindelattacken und Herzstolpern traten dennoch immer wieder auf.
Und eine Libido hatte ich schon lange nicht mehr.

Dann wurde ich auch noch gekündigt (nicht wegen meiner Krankheit, sondern weil meine Firma mich nicht mehr in Home-Office beschäftigen wollte und sie zu weit von mir lag, als daß ich dort arbeiten konnte).

2006 dann ließ ich mir meine zweite Mirena legen. Unter Vollnarkose, weil die Fäden meiner ersten weg waren. Das war die Hölle! Denn ich ging schon zittrig und schwindlig hin und wieder weg. Aber wenigstens über meine Empfängnisverhütung wollte ich mir keine Sorgen machen müssen. Und daß die HS irgendwie Ursache meiner Probleme sein könnte, darauf wäre ich damals NIE gekommen.

Anfang dieses Jahres bekam ich plötzlich eine ganz fiese Akne im Gesicht. Schmerzende, dicke Pickel, die aber nicht eiterten und irgendwie ganz tief lagen und hart waren.
Mein Hautarzt meinte, die Haut sei überpflegt. Ich solle alle Cremes weglassen. Das funktionierte aber nur sehr begrenzt.

Ende Juni dieses Jahres dann ging es mir plötzlich wieder so schlecht, daß ich mich eine Woche krank schreiben ließ, da ich nicht ins Büro fahren konnte (Ich hatte zwischenzeitlich eine neue Arbeit angefangen).

Und da habe ich endlich die Zeit genutzt, um im Netz nach NW zur Mirena zu recherchieren. Eigentlich nur wegen der Akne. Denn ich wußte, daß eine Bekannte von mir, die sich nach mir die HS legen ließ, wegen solcher Akne sie sich wieder nach 2 Monaten ziehen ließ.

Und dann traf ich auf dieses Forum.
Und war wie vor den Kopf geschlagen, als ich die ganzen Erfahrungsberichte las. Fast alles exakt meine Geschichte!!! Ich hätte heulen können.
Während meiner Mirenazeit von über 7 Jahren war ich mehrfach kurz vorm Selbstmord (nur meine Kinder hatten mich abgehalten) und vor der Trennung von meinem Mann (da hielt mich nur ein diffuses Gefühl, daß ich dies eigentlich garnicht will) gewesen.

Seit dem 22. Juli ist sie jetzt raus und ich kann bis jetzt nur sagen: Es geht mir besser.
Dieses wattige Gefühl, verbunden mit ständiger Unruhe und Grübelei ist weg.
Und ich habe wieder mehr Energie und Antrieb.

Aber der Libidoverlust ist immer noch fast komplett da. Allerdings kann ich wieder (per Hand) einen Orgasmus bekommen. Auch das ging nämlich während der Mirenazeit nicht mehr, :( .
Und was bis jetzt auch geblieben ist: Ich vertraue meinem Körper nicht mehr und traue mir nichts mehr zu. Wie auch? Nach 7 Jahren Hölle! Das muß ich natürlich erst einmal verarbeiten.

Ansonsten kann ich noch berichten, daß meine Menstruation schon nach 4 Wochen nach dem Ziehen wieder einsetzte und ich sie scheinbar jetzt regelmäßig nach 27 Tagen habe. Mit normaler Stärke.
Verhütungsmittel ist bei uns nun das gute alte Kondom. Funktioniert prächtig.

Mein Fazit bis jetzt: Ob meine Probleme komplett mit der Mirena zusammenhingen und -hängen, weiß ich nicht. Ich habe eine komplizierte Mutter und Schwiegermutter und mein Leben ist auch nicht so einfach mit Zwillingen und Arbeit und Haus und Garten. Aber ohne geht es mir auf jeden Fall besser.

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