7,5 Jahre Implanon und Mirena - langer Text

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Ella
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7,5 Jahre Implanon und Mirena - langer Text

Beitragvon Ella » 06.11.2008, 10:58

Auch ich habe auf der Suche nach einem Grund für einige Beschwerden im Internet gesurft und bin auf diese Seite gestoßen. Als ich mir den ersten Eintrag durchlas, war ich überrascht. Ich dachte nur "Mensch, das kennst du doch?" Einige Einträge später wich die Überraschung einer Mischung aus Ungläubigkeit, Aufregung und Unverständnis (gegenüber den Ärzten) und ich fing an zu rekapitulieren. Wann fing was an? Wie ging es mir? Was kam wann alles dazu?

Ich habe bereits mit 16 angefangen, die Pille zu nehmen und sie auch immer gut vertragen. Ich hatte keine großartigen Gewichtszunahmen, keine Hautprobleme und war auch ansonsten ein sehr lebensfroher junger Mensch. Da ich aber zu Schusseligkeit neige und ab und an mal eine Pille vergessen habe, wollte ich was dauerhafteres... Ich entschied mich 2001 mit 23 für das Hormonstäbchen Implanon, das ich auch bis 2004 getragen habe. Während dieser Zeit habe ich mich beruflich verändert und bin 150 km weit von meiner Familie weggezogen, in die erste eigene Wohnung. Nun kann es sein, daß viele meiner Probleme damit zusammenhingen, daß ich mit der Trennung nicht klar kam, denn in der neuen Stadt kannte ich keinen einzigen Menschen. Das mag ich nicht völlig bestreiten, ich dachte es ja anfangs auch, aber im nachhinein betrachtet, können da schon einige Faktoren zusammengewirkt haben, denn ich hatte irgendwie auch keine LUST, rauszugehen und Menschen kennenzulernen. Ich konnte mich schlecht aufraffen und war sehr - ja, fast schon weinerlich. Als ich vor Kurzem meine ältere Schwester danach fragte, meinte sie, daß es ihr zwar aufgefallen sei, wie schlecht drauf ich häufig war und daß ich mich so hängen lies, aber meine Familie schob es auf die räumliche Trennung. Waren es aber vielleicht doch mit die Hormone???

In dieser Zeit nahm ich das erste mal zu. Von knapp 70 Kilo auf rund 100 Kilo. Meine Laune sank und ich war ständig gereizt und leicht depressiv. Dazu kamen noch unkontrollierte Schwindelanfälle ohne jegliche Ursache. Aus heiterem Himmel drehte sich alles um mich und ich stand mehrmals kurz davor, einfach umzukippen. Mein Arzt hat mich gründlich durchgecheckt, konnte aber nichts feststellen. Im Frühjahr 2004 merkte ich, wie meine Stimmungsschwankungen schlimmer wurden und ich teilweise "mit der Kneifzange nicht anzupacken" war. Ich schob es auf das Implanon, was im Sommer fällig wurde und entsprechend weniger Hormone ausschütten konnte, und lies es entfernen. Es ging mir schlagartig besser! Ich war fröhlich und ausgeglichener, wenn auch ein wenig hibbeliger - was ich aber nach dieser teilweisen Lethargie nur begrüßte.

Auf Empfehlung einer guten Freundin lies ich mir dann im August 2004 die Mirena legen. Sie hatte die zu diesem Zeitpunkt schon etwa ein Jahr und war sehr zufrieden. Das Legen selber tat echt weh, zum Glück hatte ich eine sehr gute Ärztin, die mich bestmöglich vorbereitet hatte. Danach hörten - erwartungsgemäß - meine Regelblutungen auf. Ganz ehrlich, ich fand das toll! Schon während des Implanons brauchte ich mir keine Gedanken über meine Tage machen und während der Mirena erst Recht nicht. Ich spüre die Spirale nicht und habe keinerlei regelbedingte Ausfälle mehr, denn früher hatte ich unter starken Krämpfen zu leiden, die mich regelmäßig zwei Tage lang fast ausknockten. Ich war also begeistert, bequemer geht´s schon nicht mehr.

Seit 2005 bin ich mit meinem jetzigen Lebensgefährten zusammen und wir sind uns beide auch sehr sicher, daß wir in den nächsten Jahren heiraten werden und eine Familie gründen wollen. Aber um das zu erreichen, muss zumindest eine Bedingung gegeben sein: Die Lust, überhaupt miteinander zu schlafen. Denn die fehlt. Nachdem die erste Verliebtheitsphase abgeklungen war, ging es los: Ich hatte keine Lust mehr. Nicht, daß es nicht schön war, wenn, aber mich erstmal dahin zu bekommen.... nääääh, kein Bock. Das macht mir sehr zu schaffen, denn auch wenn mein Freund mir immer wieder versichert, daß ihm das nie so wichtig sein würde, als das er mich verlassen würde oder aber fremdgehen könnte, habe ich schon Angst. Also machte ich mich im Netz auf die Suche - fand diese Seite und fand mich wieder: Zigfach! Also bat ich auch meinen Freund hier zu lesen, denn ich wollte noch eine andere Meinung (vielleicht war das nur mein subjektives Denken, das Klammern an den Strohhalm?) und er tat es. Aber auch für ihn war alles so deutlich, er fand mich so häufig wieder. Nicht immer mit den selben Beschwerden, aber mit vielen....

- Ich leide unter einem absoluten Libidoverlust ... Es funktioniert einfach nix, ich fühl mich wie ausgeschaltet, als hätte jemand den Stecker gezogen....

- Ich habe während des Implanons rund 30 Kilo zugenommen und mit der Mirena nochmal knapp 20 Kilo, so daß ich innerhalb der Langzeithormone fast 50 KILO zugenommen habe... Sicher spielt hier das eigene Verhalten eine ganz große Rolle, aber bei mir setzt z.B. kein Sättigungsgefühl ein.... Selbst bei diversen eigentlich erfolgreichen Diäten oder Ernährungsumstellungen (Trennkost, Heilfasten, Reduktionsdiäten...) zeigen sich bei mir nur sehr geringe Abnahmen... Aber nach jeder Abnahme kam das Doppelte wieder drauf.... Je mehr ich versuchte abzunehmen, desto mehr nahm ich auch wieder zu... Ein Teufelskreis. Meine Schwester berichtete mir vor kurzem, daß sie vor ein paar Jahren ihren Frauenarzt nach nicht hormonellen Verhütungsmöglichkeiten gefragt hatte, weil sie das Gefühl hatte, von der Pille zuzunehmen... Und der Arzt bestätigte ihr, daß es Frauen gibt, die - solange sie die Pille nehmen bzw. hormonell verhüten - DIÄT halten müssen, ALLEIN UM IHR GEWICHT ZU HALTEN!!!! Mittlerweile ist sie bei ihrem Idealgewicht.... (und nein, das konnte sie mir natürlich nicht früher sagen ;-) )

- Ich habe absolut unnatürlichen Schwitzattacken, vorrangig am Kopf. Komme ich in eine Situation, die auch nur im geringsten von der Normalität abweicht (und das kann schon der Versuch sein, sich besonders hübsch zu stylen oder zu schminken), fange ich so stark an zu schwitzen, daß ich innerhalb kürzester Zeit aussehe wie geduscht.

- Ich habe nach wie vor die beschriebenen Schwindelattacken. Nicht mehr so stark wie mit dem Implanon, aber nach wie vor vorhanden.

- Ich habe Herzrythmusstörungen und war deswegen schon mehrmals beim Arzt. Die EKGs (auch Langzeit EKG) sind allerdings immer ok, ich habe zwar ein paar Mal Stolperer dazwischen, aber alles harmlos laut der Kardiologen. Ich bin einfach nicht stressresistent, das ganze sei psychosomatisch. Nehme ich allerdings extra Magnesium dazu ein, wird es seltsamerweise besser, aber meine Blutbilder waren immer ok, ein Magnesiummangel lag nie vor. Man empfahl mir wegen der Psychosomatik einen Psychologen.... (wobei mir der Post mit der Erklärung zum gestörten Kalium-/Magnesiumhaushalt fast die Tränen in die Augen getrieben hat)

- 2007 hätte ich dann plötzlich tagelang aus den geringsten Anlässen heulen können, fühlte mich kraftlos und leer, ich hatte noch nicht mal die Energie, ein wenig Ordnung in meiner Wohnung zu halten. Zum Glück haben mich mein Partner und gute Freunde in dieser Zeit aufgefangen und unterstützt. Zu dieser Zeit suchte ich mir den empfohlenen Psychotherapeuten. Seine Diagnose: diffuse Angststörung, depressive Phase, psychosomatischer Zusammenhang nicht auszuschließen. Wirklich weg gingen die Beschwerden allerdings auch nach "erfolgreich beendeter" Therapie nie.

- Ich bin teilweise fürchterlich antriebslos. Wie einige auch schon beschrieben, fühle ich mich, als wäre ich nicht 30, sondern 80. Mit fehlt häufig die Motivation, irgendwas zu tun und ich habe irgendwie ein generelles Desinteresse entwickelt. Am liebsten hätte ich mich zwischendurch eingeigelt und wäre nicht mehr rausgekommen. Diese schlimme Phase ist zum Glück vorbei, aber nach wie vor fühle ich mich schlapp, ständig müde und erschöpft. Mein Kopf ist wie in Watte gepackt, manchmal habe ich das Gefühl, daß ich keinen scharfen Gedanken zustande bringen kann, weil ich einfach so....eingelullt bin von irgendwas.... Ich muss mich stärker konzentrieren um überhaupt was mitzubekommen, meine Gedanken driften einfach ins nichts und brauche auch länger um Entscheidungen zu treffen. Eigentlich sehr ungewöhnlich für mich.

- Seitdem ich die Mirena habe, habe ich 5 Körbchengrößen (nein, das ist kein Witz!) zu meinem eh schon zu großen Busen zugelegt... Manche Frauen mögen sich das vielleicht wünschen, für mich ist es die Hölle... Eine ReduktionsOP ist geplant und wird von meinen Ärzten dringend empfohlen. Die damit verbundenen orthopädischen Probleme erspar ich mir an der Stelle mal....

- die häufiger vorkommenden Eierstockzysten und eine HPV-Infektion (zum Glück mittlerweile abgeklungen) erwähne ich nur mal am Rande, das scheint ja echt schon "normal" mit der Mirena zu sein....



Ich möchte nun nicht behaupten, daß all meine Beschwerden nur an der Mirena liegen, aber ich kann mir gut vorstellen, daß die Mirena da einige Weichen gestellt hat. Und solange auch nur die geringste Chance besteht, daß die Mirena da mit Schuld dran trägt, möchte ich dieses Risiko doch lieber ausschalten.

Auch finde ich es erschreckend, wie viele Beschwerden ich eigentlich immer als Einzelbeschwerde betrachtet habe, aber nie auf den Gedanken gekommen bin, es könnte INSGESAMT an EINEM EINZIGEN KLEINEN DING liegen. Nach alledem, was ich hier gelesen habe, was ich selber an mir beobachtet habe, habe ich mich letztendlich dazu entschlossen, die Mirena zu entfernen (Bequemlichkeit hin oder her), auch wenn sie noch bis nächsten August liegen bleiben könnte. Auch mein Freund unterstützt diese Entscheidung! Am Montag, den 10. habe ich einen Termin bei meinem Frauenarzt, parallel dazu gehe ich zu einer Homöopathin, die mir bei der Entgiftung helfen soll. Ich weiß nicht, ob sich dann was ändern wird, aber ich hoffe inständig, daß es so ist.

Liebe Grüße

Ella
30 Jahre alt
Mirenaträgerin seit 2004
in fester Partnerschaft aber noch keine Kinder

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