7 Jahre Mirena- 2,5 Jahre ohne langer Text!!

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MrsGolightly
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7 Jahre Mirena- 2,5 Jahre ohne langer Text!!

Beitragvon MrsGolightly » 06.11.2008, 11:55

Ich bin jetzt 36 Jahre alt, hatte 7 Jahre die Mirena und bin jetzt seit 22,5 Jahren ohne. Ich habe mir die Mirena mit 26 Jahren 1999 nach der Geburt meiner Tochter (10 J.) legen lassen. Ich war, wie die meisten begeistert und habe meinem Arzt vertraut, der mir die Mirena überschwänglich angepriesen hat. ...geringe und nur lokale Hormondosis, geringere Regelbeschwerden, jahrelanges Tragen möglich.......naja die meisten von Euch kennen das. Ich habe gern meinen Freundinnen davon berichtet und ihnen die Mirena sogar empfohlen. Ich habe die Mirena 7 viel zu lange Jahre getragen und in dieser Zeit viele Nebenwirkungen gehabt, die ich nicht mit der Mirena in Verbindung gebracht habe. Wie auch? Es war ein sehr schleichender Prozess und vieles ließ sich zunächst mit Stress, dem Job, der Geburt oder anderen Gründen erklären. Hier meine Liste der Nebenwirkungen, die sich im Laufe der Jahre verstärkt haben:

Libidoverlust, Gewichtszunahme (ca. 10 kg), Brustschmerzen, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Antriebslosigkeit, das Gefühl 100 Jahre alt zu sein, Stimmungsschwankungen, extremer Haarausfall am Kopf, starke männliche Behaarung an Beinen und Gesicht, Aggressivität, Scheidenentzündungen, Ausfluss, Wassereinlagerungen, Fressattacken, Schwitzen, Verdauungsstörungen, Heulattacken, Pilzinfektionen, Rückenschmerzen im hinteren Beckenbereich, Nebenhöhlenentzündungen, starke Akne, Angst- und Panikattacken, Zysten....:evil:

Resultat dieser Nebenwirkungen war, dass ich mich mehr und mehr zurückgezogen habe, mein Familienleben litt , ich war aufgrund des Gewichts und der Behaarung jahrelang nicht schwimmen oder in der Sauna, Freunde rieten mir weniger zu essen und mehr Sport zu treibe,n dann würde ich auch abnehmen....aber es funktionierte nicht, ich ernährte mich sehr bewusst, ging joggen...nichts, ich zweifelte an mir, mit der Folge immer mehr mein Gefühl für mich und meinen Körper zu verlieren. Ich fing an zu glauben, ich sei frigide. Wenn ich in den Spiegel schaute erkannte ich mich selbst nicht mehr. Ich war unglücklich und verzweifelt. :x

2006 musste ich mich dann wegen schwerster Depressionen in ärztliche Behandlung begeben. Ich bekam Antidepressiva und Beruhigungstabletten, gegen die Depressionen und die Angst. Ich wurde in einen gleichmütigen „funktionsmodus“ versetzt. Immerhin spürte ich kaum noch etwas. Aber das wollte ich nicht. Auf der Suche nach Ursachen stieß ich zufällig auf dieses Forum. Ich konnte es nicht fassen!!!! All die Berichte, das war ich hundertfach! Es war unglaublich. Aber es gab auch wieder Hoffnung. Ich war nicht verrückt, alles stimmte!! Ich erzählte meinen Ärzten, meiner Therapeutin und Freunden davon. Aber alle belächelten mich nur. Niemand glaubte mir.:cry:

Ich ließ mir im Mai 2006 die Mirena ziehen. Ich hatte mit der Mirena überhaupt keine Regel mehr gehabt. Ich glaubte alles würde sich nun wieder schnell normalisieren. Leider war das nicht so. Die ersten Tage fühlte ich mich unendlich befreit und hatte das Gefühl zu schweben. Dann kam die Ernüchterung. Keine meiner Symptome ging einfach weg. Im Gegenteil, ich zitterte, meine Hände und Arme kribbelten, ich konnte nicht schlafen. Aber ich hatte im Forum auch von anderen Frauen mit ähnlichen Problemen gelesen und wusste, ich musste durchhalten. Ich nahm Mönchspfeffer (Phytohormon) um das Einpegeln meiner Tage zu unterstützen. Nach einem Jahr hatte ich 4 mal meine Tage und habe die ADs abgesetzt. Ich wollte nichts mehr nehmen, das mich „fernsteuert“. Das hatte ich lange genug mit der Spirale. Der Mönchspfeffer schien nicht zu wirken. Ich fühlte mich immer noch schrecklich, obwohl immerhin die Angst besser wurde.

Ich ließ mir im April 2007 einen Termin beim Endokrinologen geben, um meine Hormonwerte zu prüfen. Ich erzählte von all meinen Symptomen und der Vermutung, dass das mit der Mirena zusammenhängt. Es wurde überhaupt nicht darauf eingegangen. Beim Endokrinologen wurde mir dann auch Mönchspfeffer empfohlen, aber den nahm ich ja bereits seit 1 Jahr. Bei der Ultraschalluntersuchung wurden Zysten festgestellt und mein Testosteron- und Zuckerspiegel kontrolliert. Allerdings musste ich mehrere Monate auf ein Ergebnis warten, da ja die Untersuchungen nur kurz nach der Regelblutung gemacht werden konnten...ich bekam meine Regel aber ja nur ca. alle 3-4 Monate. Ohne auffälliges Ergebnis. Damit war das Thema für die Ärzte abgeschlossen, ich bestand aber auf weitere Untersuchungen, da ja meine Regel eindeutig zu selten kam. Eine weitere Untersuchung(auch wieder nach Monaten) brachte dann im September 2007 das Ergebnis: Ich hatte fast kein Östrogen! Als Diagnose wurde dann PCO(Polyzystisches Ovarialsyndrom) gestellt.

Eine PCO wird diagnostiziert wenn zwei der drei folgenden Symptome zuttreffen: Zysten in den Eierstöcken, chronische Zyklusstörungen, Hyperandrogenismus(Kopfhaarausfall, männliche Körperbehaarung, Übergewicht, Akne). Ursächlich bei der PCO eine hohe Differenz zwischen Testosteron- und Östrogenwerten, aufgrund erhöhter Testosteronwerte. PCO würde u.a. bedeuten, dass sich die Werte nicht von allein einpegeln und eine hohe Wahrscheinlichkeit von Unfruchtbarkeit. Bei mir war außerdem die Differenz der beiden Hormonwerte nicht auf das Testosteron(Normalwerte) zurückzuführen, sondern auf das viel zu geringe Östrogen! Östrogenmangel ist auch typisch für die Wechseljahre. Das erklärte viele meiner Symptome. Ich befand mich also seit Jahren künstlich in den Wechseljahren. Mir wurde zum Ausgleich des Östrogenmangels eine ausschließlich Östrogen- und Progestagenhaltige Pille verschrieben, die Petibelle. Jetzt mußte ich also wieder Hormone nehmen. Die Ironie dabei ist, dass die Petibelle trotz medizinischer Indikation nicht von der Krankenkasse bezahlt wird, da sie ja eigentlich ein Verhütungsmittel ist und dass die Petibelle auch von Schering hergestellt wird. Jetzt verdiente also Schering schonwieder an mir. :evil:

Immerhin ging es mir mit der Einnahme der Pille innerhalb von 2-3 Tagen viel besser! Es war unglaublich, wie sich meine Stimmung schlagartig verbesserte. Durch diesen gravierenden Unterschied wurde mir erst richtig bewusst, wie schlimm mein Zustand vorher eigentlich war. Ich war froh endlich etwas gefunden zu haben, das mir half. Trotzdem blieb die Diagnose PCO und schlimmste Rückfälle an den Pillen-freien Tagen. Es war der Horror. Zur Dämpfung der Symptome zwischen den Tagen bekam ich ein Hormongel für diese Zeit und den Hinweis die Pille ruhig bis zu 6 Monate ohne Pause zu nehmen. So ging das dann bis zum Sommer diesen Jahres. Die Pillenpause war wieder dran und ich hatte vorher schon Angst vor dem schlagartigen Rückfall. Aber es passierte GAR NICHTS! Ich bekam meine Tage und hatte KEINE Beschwerden, bis auf leichte Bauchschmerzen und Müdigkeit. Aber das ist ja normal. Es fühlte sich großartig an, ich fühlte mich wieder wie eine "normale" Frau. Jetzt wollte ich es wissen und pausierte mit der Pille regulär nach 21 Tagen. Diesmal hatte ich für ca. 3-4 Tage mit Beginn der Pillenpause wieder Depressionen. Allerdings kaum körperliche Beschwerden. Aber mit dem Einsetzen meiner Regel hatte ich wieder gute Laune ;-) Das bedeutete also, dass mein Körper selbst wieder mit der Östrogen/Progestagen-Produktion begonnen hatte! :D

Ich schaute nach längerer Zeit mal wieder hier ins Forum und fand die im Sommer 2007 (10 Jahre nach dem "Start" der Mirena!!!!!!!!) :evil: von Schering erweiterten Infos zu den Nebenwirkungen der Mirena. Da standen jetzt fast alle meiner Nebenwirkungen, inklusive aller Symptome einer PCO! (Zysten, Haarausfall, Akne, männliche Körperbehaarung, Zyklusstörung). Es ist überhaupt keine PCO, ich bin nicht unfruchtbar! Ich werde nun mit diesen Schering-Infos zu all den Ärzten gehen, die mich nicht ernst genommen haben und ihnen die Liste zeigen. Ganz besonders meinen Frauenarzt und den Endokrinologen. Ich werde darauf bestehen, dass alle meine Nebenwirkungen von den Ärzten weitergegeben werden.

Heute nach über 2,5 Jahren ohne Mirena sind fast alle Nebenwirkungen verschwunden (10 kg weniger ohne Diät, die männliche Behaarung rückläufig, mein Kopfhaar allerdings noch etwas dünn, die Brustschmerzen sind weg, meine Stimmung wesentlich besser, allerdings habe ich noch ab und zu Rückfälle, die Angst ist besser, aber nicht ganz weg, keine Pickel, ich bin weniger müde, nicht aggressiv oder gereizt, meine Libido ist wieder da!! ;-) ;-) ;-), die Fressattacken sind weg, Spontan-heulen passiert nur noch sehr selten, keinerlei Infektionen, keine Zysten). Jetzt bleibt mir noch der Schritt, die Pille abzusetzen. Ich hoffe, dass auch das irgendwann beschwerdefrei geht. Ich weiß, dass ich Geduld und vertrauen in meinen Körper haben muss. Aber ich bin auch sicher, dass ich das schaffe!

Ich bin so froh und dankbar für dieses Forum, das mir sehr geholfen hat!!! Danke Kirschblüte! Ich möchte allen Betroffenen Mut machen durchzuhalten und auf sich zu vertrauen. Ihr schafft das! Ich wünsche Euch allen viel Kraft, Vertrauen und Liebe! :arrow:

Franziska
36, 1 Tochter 10 J., 7 Jahre Mirena, seit Mai 2006 ohne

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