Zurück im Leben nach 2,5 Jahren mit Mirena

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lalajg
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Zurück im Leben nach 2,5 Jahren mit Mirena

Beitragvon lalajg » 22.04.2010, 12:32

DAKE AN KATJA UND DANKE AN EUCH ALLE, DASS ES DIESES FORUM GIBT!
Hier nun mal meine Geschichte:
Drei Monate nach der Geburt meiner zweiten Tochter habe ich mir die HS einsetzen lassen. In der Infobroschüre habe ich von Nebenwirkungen wie Kopf- und Unterleibsschmerzen, Stimmungsschwankungen etc., die auftreten könnten, gelesen. Da ich aber in den ersten Monaten gar nichts spürte, habe ich mich schnell an meine neue „Freiheit“ ohne Tage und an Sex ohne Bedenken gewöhnt. Und schnell vergessen, dass ich einen kleinen Fremdkörper in mir trage.

Nach ca. 1,5 Jahren fing es aus heiterem Himmel an: Ich bekam die erste Migräne, dann die zweite. Nach der dritten konnte ich plötzlich nicht aus dem Bett aufstehen, da sich alles in meinem Kopf drehte als würde ich auf einem Karussell sitzen. Hinzu kam noch das Kribbeln in Händen und Füssen. In der Nacht davor bekam ich Schüttelfrost und mein Herz raste dermaßen, dass ich dachte, ich würde einen Herzinfarkt bekommen. Mein Mann rief den Notarzt, der aber nichts feststellen konnte und mir nur ein Beruhigungsmittel gegeben hat. Ich bin zum Hausarzt gegangen, der mich zum HNO-Arzt, zum Neurologen und zur Kopf-CT überwiesen hat. Der HNO-Arzt hat bei mir Herpesviren vermutet, die auf das Gleichgewichtorgan drücken und riet mir dazu, Gleichgewichtübungen zu machen. Er sagte auch, dies sei keine wissenschaftlich erforschte Krankheit, lediglich eine Vermutung, dass es so was gibt – na toll! Der Neurologe hat mich untersucht, einen „gutartigen Lagerungsschwindel“ diagnostisiert und mich außerdem für völlig gesund erklärt. Das nächtliche Zittern mit Herzflattern hat er als Panikattacke interpretiert. Er riet mir zum Ausdauersport, als bestes Heilmittel gegen Migräne und Schwindel. Und zur Entspannung. Sollten sich die Symptome nicht bessern, wäre ein Besuch beim Psychologen ratsam. Die Kopf-CT blieb ohne Befund. Die Blutwerte waren beinahe perfekt.

Der Schwindel wurde schwächer, aber er blieb. Auch Kopfschmerzen, ich lernte den Ausdruck "Spannungsschmerzen", hatte ich rund um die Uhr. In der Zeit bin ich 5 mal die Woche 1 Stunde joggen gegangen und habe mich zusätzlich für einen Yoga-Kurs 2X wöchentlich angemeldet. Ich habe zwei kleine Kinder, arbeite Vollzeit und habe jeden Tag Sport gemacht – ihr könnt euch vorstellen, wie viel Kraft so ein Programm kostet. Wenn ich aber einen Tag auf Sport verzichtet habe, wurden die Schmerzen viel intensiver. Ich denke, mit Joggen und Yoga habe ich die Beschwerden auf einem erträglichen Level halten können. Die Panikattacken konnte ich mittlerweile durch Atemübungen mildern, die Migräneanfälle kamen nur alle zwei Monate. Schlimm waren jedoch meine Stimmungsschwankungen, meine Kinder und meinen Mann habe ich nur noch angeschrien, ich kochte vor Wut, bei jeder Kleinigkeit rastete ich aus. In Situationen, wenn die Kinder mit meinem Mann sehr entspannt spielten und alles in Ordnung war, war ich gereizt ohne Ende und fragte mich selbst: warum um Gottes Willen?!?! Zudem kreisten meine Gedanken dauern um Krankheiten und Tod, ich wurde depressiv, hatte Angst vor der Angst... Ich konnte mich kaum auf etwas konzentrieren, fühlte mich krank, müde und antriebslos. Ich googelte meine Symptome und fand die schlimmsten Krankheiten, was mein Befinden noch mehr verschlechterte. Folgende Krankheiten hatte ich bei mir vermutet: Hirntumor, Brust-/Gebährmutterhalskrebs, Knochenkrebs, Rheuma, Fibromyalgie, MS, Psychose und schließlich auch Hypochondrie, weil mir diese Befürchtungen auch zu heikel waren. Die Reaktionen im Freundeskreis könnt ihr euch vorstellen….

Immer wieder hatte ich diverse Ärzte aufgesucht, von denen ich mir Hilfe erhoffte – der Augenarzt hat mir eine Brille verschrieben, der Orthopäde hat die Verspannungen an der HWS-Muskulatur festgestellt und Massagen verordnet, der Chiropraktor hat einen Wirbel entblockt und natürlich gar nichts davon hat wirklich geholfen. Ich habe mich mit meinem miserablen Zustand fast abgefunden. Ich habe mir vorgenommen, psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen, da ich mittlerweile vor Angst und Sorge kaum noch schlafen konnte. Ich hätte nie gedacht, dass ich so weit komme. Ich war früher optimistisch, hatte richtig Spaß am Leben, eine glückliche Familie, einen tollen Job. Die äußeren Umstände hatten sich nicht geändert, nur ich tickte plötzlich ganz anders. Ich fühlte mich, als hätte mir jemand die Seele ausgetauscht.

Eine Bekannte von mir erkrankte an Brustkrebs und sagte mir, dass dies an der Hormonbehandlung, die sie in den Wechseljahren bekommen hat, liegt. Sie meinte auch, wenn sie nochmals die Wahl hätte, würde sie niemals irgendwelche Hormone – auch durch Pille oder Spirale - einnehmen. Ich googelte es und die Vermutung bestätigte sich. Die Mirena steht im Verdacht, Brustkrebs zu begünstigen. Da ich in der Zeit schon eine enorme Panik wegen aller möglichen Krankheiten entwickelte, eine regelrechte Hypochondrie, habe ich mir gedacht, ich muss die Mirena entfernen lassen. Dies war völlig unproblematisch. Die Frauenärztin hat meine Befürchtungen verstanden, oder zumindest hat sie nicht versucht, mir diese auszureden. Nach dem Besuch bei der FA war ich im Büro, hatte einen längeren Arbeitstag vor mir und da fiel mir ein, dass ich nicht gefragt habe, ob ich vielleicht mit stärkeren Blutungen zu rechnen habe. Ich habe schnell „mirena ziehen lassen“ gegoogelt und bin auf Euer Forum gekommen. Ich war fassungslos, mir liefen die Tränen. Ich hatte endlich den Grund meiner Leiden gefunden, auch wenn ich während des Lesens bereits seit 2 Stunden keine HS mehr hatte. Die Anzahl der Berichte belegt es, dass es keine Einbildung ist, dass die Symptome einen konkreten Grund haben und dass wir psychisch gesund sind! Das ist auch der Grund, warum ich meine Geschichte aufschreibe.

Und jetzt, drei Monate danach:
Mir geht’s von Tag zu Tag, von Monat zu Monat immer besser...
Ich war überglücklich, als ich meine erste Periode bekommen habe! Die Kopfschmerzen haben am nächsten Tag aufgehört!!! Die Müdigkeit ebenso! Ich verspürte plötzlich eine unglaubliche Energie - ein Gefühl, dass ich seit langer, langer Zeit nicht mehr hatte...
Der Schwindel dauerte noch eine Woche, danach wurde er schwächer und seltener und hörte nach ca. 2 Monaten endgültig auf. Das Kribbeln in Händen und Füßen war nach ca. 1 Monat verschwunden. Panikattacken, nächtliches Schwitzen hatte ich seit dem Ziehen der Mirena auch nicht mehr:-)
Einige Beschwerden wie Migräne, Muskelverspannungen und Stimmungsschwankungen kamen wieder um den ES, hörten dann aber danach auf. Meine Physiotherapeutin war erstaunt, wie schnell sich meine Muskulatur entspannt hat. Die dicken Verhärtungen, die sie monatelang massiert hat, gingen innerhalb von drei Wochen von alleine weg!
Und was am wichtigsten ist: Jetzt, nach dem dritten Monat, denke ich wieder normal, kann mich stundenlang auf meine Arbeit konzentrieren, schreie meine Kinder nicht dauernd an und genieße es, die Zeit mit ihnen zu verbringen. ICH HABE KEINE SCHMERZEN MEHR! :D :D :D Ich bin nicht mehr mit meinem Leben überfordert! Ich bin wieder die Alte! Willkommen zurück im Leben!

Die Zeit mit Mirena kann ich nicht vergessen. Ich habe aber für mein Leben gelernt: Ich werde meinem Körper keine Medikamente, Eingriffe etc., antun, die nicht nötig sind! Ich gehe viel behutsamer mit mir und meinen Kindern um. Ich werde auch nicht die Mutter sein, die mit ihrer 16-jährigen Tochter zum Gynäkologen geht, um die Pille verschrieben zu bekommen.

PS. Angeregt durch die Berichte im Forum habe ich 3 Monate lang Magnesium, Kalium und Biotin genommen.

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