Die dritte war dann der GAU - kleines Update

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Mimi17
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Die dritte war dann der GAU - kleines Update

Beitragvon Mimi17 » 18.06.2010, 12:12

Hallo,
auch ich möchte mich für dieses Forum bedanken. Es hat mir sehr geholfen.

Hier mein Mirena-Bericht:

1999 – 2004: erste Mirena, während der Zeit Morbus Basedow bekommen und ein immer wieder kehrendes Ekzem an den Füßen (klingt ätzend, ist es auch)

2004 – 2009: zweite Mirena, ab und an Haarausfall, aber nicht dramatisch und ohne jegliche Ausdünnung des Kopfhaares, dunkle Haare auf den Schienbeinen und um die Brustwarzen (meine Körperbehaarung ist ansonsten sehr hell), Reizdarm, trockene Augen, häufige Infekte, immer häufiger Rückenschmerzen, PMS – aber nicht regelmäßig, Libidoverlust
Leider habe ich, wie wohl die meisten, bis dahin keinen Zusammenhang mit der Mirena hergestellt.
Im Mai 09 hat der Gyn auf meinen Wunsch einen Hormonstatus gemacht, um zu sehen, ob ich überhaupt noch verhüten muß. Sein Resultat war, ja, ich müßte noch verhüten, von Wechseljahren keine Spur (ich bin Mitte 40).
Mai 2009 – August 2009: dritte Mirena, höllische Bauchkrämpfe, Hitzewallungen, Verstopfung (war direkt nach Entfernung weg)
ab Juli 2009: zusätzlich zu den bereits bestehenden „Unpäßlichkeiten“ kamen Angst-, Panik- und Heulattacken, Schlaflosigkeit (ich hab fast 6 Monate nicht mehr richtig geschlafen), Herzrasen/-stolpern, Kribbeln in Schulter/Arm/Kopfhaut, Haarausfall (diffus, ca. 200 – 250 tägl.) mit Kopfjucken, Brennen/Schmerzen der Kopfhaut, Harndrang, vor allem im Liegen. Sobald ich ins Bett gegangen bin, hatte ich das Gefühl, ich muß auf die Toilette. Und das oft mehrmals hintereinander. Furchtbar.

Diagnose Gyn und Endo: Androgenetische Alopezie, das hat mich schon erschreckt und ich konnte es kaum glauben, da das niemand in meiner Familie hat. Empfehlung: Pille Diane 35 ZUSÄTZLICH zur Hormonspirale. und wenn es dann mit der Pille besser würde, dann die Mirena rausnehmen und bei der Pille bleiben. Ehrlich, ich hab gedacht, die wollen mich vera.... :evil: Zum Glück haben alle meine Freunde und Familie sofort gesagt: Mirena raus und mein Bauchgefühl hat sofort gesagt: keine Pille, niemals. Also blieb nur ein „bitte Mirena sofort entfernen, danke sehr“. Mein Gyn fand das ja mal völlig falsch und als ich erwähnte, dass ich zu einem Endokrinologen gehen würde, weil ich wissen will, was mit mir los ist, meinte er, dass das die reine Geldverschwendung sei und mit meinen Beschwerden sei das eben so in den Wechseljahren. (Äh, ja, 3 Monate vorher hat der gleiche Arzt behauptet, ich sei NICHT in den Wechseljahren :cry: ).

Die Endokrinologin meinte auch, dass das alles nicht mir der Mirena zusammenhängen könnte. Interessanterweise murmelte sie vor sich hin: „...obwohl das Levenorgestrel...“

Auffälligster Blutwert war bei mir der freie Androgenindex:
Mitte August 2009: 4,9 (Norm: <3,5)
Mitte September 2009: 4,5 (3 Wochen nach Entfernung)
Mitte Februar 2010: 1,8 :D

Zur Berechnung des freien Androgenindex werden Testosteron und SHBG herangezogen. Beide Werte waren durchaus „in der Norm“ (mein persönliches Unwort des Jahres), aber im Verhältnis zueinander eben sehr schlecht. Leider war jetzt der DHT-Wert zwar „in der Norm“ aber eher an der oberen Kante. Hm, nicht gut für den Haarausfall. Nächster Termin für Blutwerte, Anfang Juli.

Meine eigene Bewertung dazu: hübsche Doku für eine Androgenisierung durch die Mirena/Levenorgestrel. Meine Diagnose: pharmakologische Alopezie.

Ich habe dann recherchiert bis zum Umfallen (nächtelang, ich konnte ja eh nicht schlafen) z.B. welche Vitamine/Mineralstoffe und wieviel. Im ht-mb-forum (Hashimoto-Morbus Basedow) findet man eine Liste mit typischen Mängeln bei Schilddrüsenproblemen. Dazu gehören auch B-Vitamine, die ja bekanntlich auch für die Haare wichtig sind. Dann welche Pillen haben welche Wirkung, welche Inhaltstoffe, Erfahrungsberichte, Studien, Nebenwirkungen (erschreckend).

Und ich habe Entspannungsübungen gemacht. Ich hatte im 1 Halbjahr 2009 viel beruflichen und privaten Stress und dann ging es nahtlos mit der Spirale und den „Entzugserscheinungen“ weiter. Da wurde es mal Zeit für eine „alles-wird-gut-Entspannungs-CD“ und progressive Muskelentspannung. Ich denke auch, dass der Stress seinen Teil zum Hormon-Chaos beigetragen hat.

Im Dezember war ich 3 Wochen im Urlaub in der Sonne, im Januar und Februar war mein HA locker unter 100. Im März ging es leider wieder los. Das spricht ja auch für die hier schon mehrfach erwähnte „3-Monats-Regel“

Ich habe dann alles mögliche über Phytohormone und das Buch von Dr. Platt und die Bücher von Dr. Lee gelesen, der den Begriff der Östrogen-Dominanz geprägt hat, wenn ich das richtig verstanden habe. Mir ist es an einigen Stellen wie Schuppen von den Augen gefallen. Plötzlich machte alles Sinn. Und man lernt auch, wie unglaublich potent schon kleinste Mengen Hormone sind und wo sie überall beteiligt sind. Das sie uns "steuern" weiß wohl jeder, aber in welchem Maße, wußte ich zumindest nicht.

Beim Februar-Termin habe ich die Endokrinologin gefragt, wie denn meine SD-Werte seien: „alles in der Norm“. Werte mitgenommen, im Forum recherchiert: FT3 im Verhältnis zu FT4 zu niedrig, TSH normal, aber nicht im Wohlfühlbereich eines Basedow-Patienten. SD-Hemmer (eh nur noch 2,5 mg Thiamazol) in Absprache mit der Endo abgesetzt. Sie wollte mir dann wieder die Pille andrehen und meinte, dass sei das einzige, was mir helfen könne. Ich hab ihr dann eine Studie aus ihrem Haus vorgelegt, die ich aus dem Internet hatte, darin wurde erwähnt, dass man auch mit geringer dosierten Östrogenkapseln aus ihrem Hause und einem separaten Gestagen arbeiten könnte. Ich hab sie gefragt, ob sie mir nicht anstelle der Pille zwei Mono-Präparate geben kann, also ein niedriger dosiertes Östrogen in Kombi mit einer Progesteron-Creme. Aus der Reihe, wenn schon Hormone, dann doch bitte die richtigen, bioidentischen. Ihre Antwort war: „sie haben genug Östrogen“ und ein Rezept für Utrogest mit dem Kommentar, „das wird ihren Haaren aber nicht helfen, nur den PMS Symptomen.“ *seufz* Ich hoffe, sie irrt sich.

Schon vor der Anwendung des Progesterons waren einige Nebenwirkungen weniger geworden: normale Darmtätigkeit, weniger Infekte, weniger depressive Verstimmungen und Ängste,

Da mir ihre Dosierungsempfehlung von 2 x 100 mg vaginal (von denen ca. 60 – 70% vom Körper aufgenommen werden) zu hoch war, habe ich mir meine eigene Mischung angelegt. Ich habe den Inhalt von 5 Kapseln in 10 ml Hautöl getan. Das setzt sich zwar ab, aber man kann es gut schütteln. Also vor Gebrauch geschüttelt und die 10 ml in 14 Tagen aufgebraucht. Da ich mittlerweile auch wieder einen recht regelmäßigen Zyklus habe, mit allerdings schwachen Blutungen, habe ich das Progesteron vom 12 – 26 Zyklustag genommen. Wenn mir keiner helfen will, mach ich das eben selbst.

Schon nach wenigen Anwendungstagen ging es mir psychisch viel besser. Ich kann wieder ruhig schlafen!!! Es gibt noch 1 – 2 Nächte im Monat, die nicht so toll sind, aber das ist nichts im Vergleich zu vorher. Ich muß nicht mehr 3 x aufstehen und aufs Klo. Das ist einfach weg (Gott sei Dank). Libido ist aufgewacht. Überhaupt keine Angst- /Panik-Attacken mehr, manchmal ein bißchen Verunsicherung und klitzekleine Zweifel, ob das alles so richtig ist, was ich tue, aber ehrlich gesagt, glaube ich, dass es nicht schlimmer sein kann, als alles, was mir die Ärzte zu bieten hatten. Ich lache wieder viel mehr und bin entspannter und auch nicht mehr aggressiv.

Ich weiß nicht, ob das so bleibt oder der Haarausfall sich vielleicht noch dauerhaft normalisiert oder ob das jetzt immer rauf und runter geht. Hier im Forum habe ich auch einen Bericht gefunden: bei der Leidensgenossin dauerte es 15 Monate. Da muß ich noch durchhalten. Habe aber immer noch Hoffnung.

Das einzige, was bei der ganzen Sache vollkommen drauf gegangen ist, ist jegliches Vertrauen in Ärzte. Ich werde wohl nie wieder irgendein Medikament nehmen oder eine Behandlung machen ohne nicht vorher grundlegend zu recherchieren. Das mag anmaßend sein, aber ich kann nun nicht mehr anders.

Liebe Grüße
Mimi

02.07.10 kleines Update

War gestern bei der Endokrinologin. Hab ihr gesagt, dass ich schon denke, dass der Haarausfall von der Mirena kommt und sie meinte diesmal, dass das möglich wäre. Wollte sich natürlich nicht festlegen, aber immerhin hat sie es eingeräumt. Außerdem erzählte sie, dass sie nun eine weitere Patientin hat, die nach 9 Jahren Mirena die gleichen Symptome hat. Aha... Dann hat sie noch einen Ultraschall der Gebärmutter gemacht und da war alles hübsch in Ordnung, Schleimhaut normal und man hat im Eierstock ein heranreifendes Follikel gesehen. Von wegen Wechseljahre, am liebsten würde ich das dem Gyn unter die Nase reiben, aber der sieht mich ja nicht wieder.
Sie hat außerdem erzählt, dass das Levenorgestrel gerade eine Renaissance erlebe, weil so viele Gestagene der 3ten Generation immer mehr in Verdacht stünden, Thrombosen, Herzinfarkt, Schlaganfälle auszulösen und nun greife man wieder auf diese älteren Gestagene zurück. Sie fand es bedenklich, da Levenorgestrel doch relativ starke Auswirkungen auf Pschye habe.

... to be continued...

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