Seit 10 Jahren mit Mirena...

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Springerle
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Seit 10 Jahren mit Mirena...

Beitragvon Springerle » 26.12.2010, 15:31

Hier mal meine Geschichte - Antriebsstark wie ich momentan bin, hab ich über vier Wochen gebraucht, bis ich das zusammengschrieben hatte. :roll:
Achtung, sehr lang, umfasst aber auch über 10 Jahre:

Bis vor knapp 3 Monaten war ich restlos begeistert von der Mirena und hab sie bedenkenlos weiterempfohlen.
Nebenwirkungen hatte ich bis dahin „keine“, was aber daran liegt, dass ich nie von der Existenz eines Beipackzettels wusste und somit auch keins meiner Probleme mit der Spirale in Verbindung gebracht hab. Laut meinem Frauenarzt wirkt sie ja nur lokal und hat dadurch keine Nebenwirkungen. Dank dieses Forums weiß ichs inzwischen besser.

Die erste Mirena bekam ich Mitte 2000 eingesetzt, mit Startgewicht 55 kg, BH-Größe 75 B und dem Motto „Was ich will bekomm ich – je schwieriger, desto erstrechter“. Ich war damals Alleinerziehend, mit ner 5-Jährigen und nem 3-Jährigen und hab ein Jahr davor angefangen zu studieren, war alles kein Problem.
Mein Arzt hatte mich vorgewarnt, dass man in den ersten Wochen leichte Blutungen haben kann, weil sich der Körper erst an die Spirale gewöhnen muss, und dass man anfangs auch Probleme mit der Haut bekommen kann, weil die Pille vorher quasi als Anti-Pickel-Medikament gewirkt hat.
Ich hatte nach dem Einsetzten tatsächlich einige Wochen leichte Schmierblutungen, dann gar keine mehr. Als einzige Nebenwirkung bekam ich jede Menge Pickel (ich hatte nicht mal in der Pubertät Probleme mit Pickeln). Hat mich zwar genervt, aber blöde Pickel bekommen und dafür ne zuverlässige und stressfreie Verhütung, keine üblen Bauchkrämpfe während der Regel, keine Eierstockzysten und keine Knoten in den Brüsten mehr, das fand ich dann doch sehr akzeptabel.
Ich weiß nicht mehr, wann genau das angefangen hat, aber ich bekam immer öfter Probleme mit meinem Rücken, verschobene Wirbel, nen steifen Hals und ISG-Blockaden. Wurde auf alles auf meinen Fahrradunfall geschoben, den ich Anfang 2000 hatte, was mir logisch erschien (ich hab diese Probleme bis heute).
Anfang 2002 bekam ich an einem Sonntag dann plötzlich Sprachschwierigkeiten und einen tauben rechten Arm. Ich habe einige Stunden abgewartet, und als es nicht besser wurde bin damit in die nächste Klinik gefahren, weil ich dachte, ich hätte wohl mal wieder nen eingeklemmten Nerv. Nach langer Wartezeit und kurzer Untersuchung wurde ich wieder heimgeschickt, ich solle erst mal ausnüchtern, und wenns bis am nächsten Tag nicht in Ordnung ist, zum Hausarzt gehen. Protest war schwierig und zwecklos, ich konnte mich ja nicht vernünftig verständigen. Am nächsten Tag bin ich dann zum Hausarzt, weil ich zwar wieder sprechen konnte, mein Arm aber immernoch schlapp und taub war. Ich wurde dann auf Ärztetour geschickt - Verdacht auf Schlaganfall. Rausgefunden hat nie jemand, was es wirklich war, nur dass ich kerngesund bin. Einige Wochen später war dann auch mein Arm wieder der Alte.
Bis Mitte 2003 war dann auch wieder alles soweit ok, dann bekam ich erste Ich-schaff-das-alles-nicht-mehr-Anflüge und unerklärbare Aggressionen ohne ernsthafte Anlässe, war dauernd müde, konnte aber nachts nicht schlafen, und meine Konzentration ging auch gegen Null. Kleine Helferlein wie Baldrian konnten nichts ausrichten, ich lag nachts wach im Bett und kam morgens nicht raus. In der Zeit ging auch mein Knie kaputt (hier mal Absolution für die Mirena, war wirklich eigene Blödheit), dafür fing mein Gewicht an, rasant in die Höhe zu klettern. Ich war dann auch immer öfter erkältet, hatte vereiterte Nebenhöhlen, erste Migräneanfälle, bekam ein Druckgefühl im Hals, hab immer gefroren (auch im Sommer), meine Haare sind ausgefallen, die Haut wurde immer schlimmer... Diagnose: Schilddrüsenwerte an der unteren Grenze der Norm, nicht behandlungsbedüftig, und laut Ultraschall keine Knoten oder Vergrößerungen.
Da ich zu der Zeit gerade mit meiner Diplomarbeit angefangen hatte, wurde das auf den damit verbundenen Stress geschoben.
Ein halbes Jahr später, also Anfang 2004, hatte ich dann schon 20 Kilo mehr (und die waren diät- und sportresistent) und Körbchengröße D. Meine Begeisterung hielt sich stark in Grenzen.
Und dann kamen die Bauchschmerzen. Ich bin über 4 Wochen von Hausarzt zu Frauenarzt und wieder zurück geschickt worden, keiner konnte sich erklären, was ich hab. Ich konnte nur noch mit Wärmflasche und Schmerzmitteln im Bett liegen, hab an manchen Tagen fast 20 Stunden geschlafen, konnte weder Haushalt noch Kinder versorgen, die Diplomarbeit lag auf Eis, es ging nichts mehr. Mein Hausarzt war sicher, es wär ein gynäkologisches Problem, mein Frauenarzt stellte fest, dass alles in Ordnung sei und es wohl vom Darm käme, aber die Mirena kam trotzdem raus. Gleichzeitig wollte mein Hausarzt nichtmehr ausschließen, dass es vielleicht doch der Blinddarm wäre, der folgte dann der Spirale (war aber nicht akut entzündet).
In der Zeit danach war ich zwar immernoch schlapp, aber hab trotzdem einige Kilo abgenommen, ohne was dafür zu tun, und passte wieder in meine C-BHs. Aber nach ner Blinddarm-OP kann man ja auch nicht vernünftig essen. Hab dann auch wieder die Pille verschrieben bekommen und genommen (hatte aber auch in der Zeit keine Blutung, aber „das kann nach der Mirena ja n einige Monate dauern, bis sich wieder genug Schleimhaut aufbaut“).
Knappe 4 Wochen nach der OP wurde dann mein Rücken so schlimm, dass ich wegen Verdacht auf Bandscheibenvorfall untersucht wurde (am Morgen der müdlichen Abschlussprüfung – Prüfung musste verschoben werden), Ergebnis: alles in Ordnung, keine Ahnung, was und warum da was dermaßen weh tut, aber ich muss mehr Sport machen und dringend abnehmen (scheint ja die Allzweckwaffe gegen alles zu sein).
Weitere 6 Wochen später hab ich schlecht Luft bekommen und abends dermaßen Rückenschmerzen, dass ich (diesmal per Krankenwagen) in die nächste Klinik kam, dort wurden mir einige Wirbel eingerenkt, und da das keine Besserung brachte, kam ich auf eigenen Wunsch in die Innere, wo man ne heftige Rippenfell-Entzündung mit reichlich Wasser zwischen Lunge und Rippen festgestellt (und behandelt) hat. Woher das kam, hat wie immer keiner erklären können, aber es war immerhin behandelbar.
Danach gings langsam wieder aufwärts und ich bekam wieder n bissl mehr Energie, und meine Haut war mit der Pille auch wieder besser geworden.
Ende 2004 bekam dich dann die 2. Mirena, weil ich keine Lust mehr auf die Pille hatte und die Mirena ja auch so gut vertragen hab.
Die ersten zwei Jahre mit der 2. Mirena blieb alles auf dem Niveau, dann kam wieder der Druck im Hals, mein Gewicht stieg weiter, meine Brüste sind immer mehr gewuchert, wieder Haarausfall, extrem trotckene Haut, trotzdem Pickel, Dauerkopfschmerzen, nur noch müde und antriebslos, und Alkohol hab ich auf einmal auch fast keinen mehr vertragen (hab nie viel getruken, aber ein kleines Glas Wein war vorher nie ein Problem – jetzt war das aber schon zu viel). Meine Schilddrüsenwerte waren inzwischen weiter gefallen und somit behandlungsbedürftig. Ich bekam Thyroxin (75 m)und es wurde n bisschen besser.
Was sich nicht gebessert hat, waren meine dauernden Erkältungen, Kopf-und Rückenschmerzen (teilweise mit tauben Fingern) und meine Antriebs- und Hoffnungslosigkeit, ich dachte bei allem, ich schaff das nicht oder es hat eh keinen Sinn. Eine Gesprächstherapie bei ner Psychologin war auch ergebnislos, hat Zeit gekostet und nichts geholfen.
Ich bekam auch immer mehr knallrote Blutschwämmchen verschiedener Größe, hauptsächlich an den Brüsten, am Bauch und der Innenseite der Oberschenkel. Laut Hautarzt harmlos und nach den Wechseljahren völlig normal. Bei mir n bissl früh, aber man kann die problemlos weglasern, kostet halt. Meine Haare wurden immer grauer (egal, ich färb ja eh), und meine Haut immer trockener und schrumpeliger.
Ende 2008 hab ich in einer Mutter-Kind-Kur immerhin mit Hilfe von täglich mindestens 2 Stunden Sport, täglicher Sauna und ansonsten gaaanz viel Ruhe immerhin 5 Kilo runterbekommen, und konnte mich langsam mit 78 Kilo und Größe 75 E halbwegs arrangieren, meine Bitte um Gutachten für ne Brustverkleinerung wurden von allen Ärzten nur mit Zahlt-generell-keine-Kasse-mehr, Ist-bei-Ihnen-nicht-notwendig und Sport-machen-und-abnehmen-dann-wirds-von-allein-weniger abgeschmettert.
Bis September diesen Jahres blieb dann alles auf dem Stand. Keine Verbesserung, aber immerhin auch keine Verschlechterung bis auf Tage, an denen mir ständig schwindelig ist, aber das muss ja vom niedrigen Blutdruck kommen, weil ich ja gesund bin und keiner was anderes findet.
Und dann kam Mirena Nr. 3, weil die alte ja jetzt schon 6 Jahre lag und auswechselfällig war. Ich wollte immer noch kein drittes Kind, und ich hab sie ja so gut vertragen.
Ich musste nur kurz unterschreiben, dass ich sie haben will und dafür 350 € bezahle, weil es ja keine Kassenleistung ist, wurde gefragt, ob ich mit der letzten Probleme gehabt hätte (nein, mir waren keine bekannt), und los gings.
Ziehen der 2. war völlig problemlos, das setzen der 3. extrem schmerzhaft (kannte ich von den ersten beiden nicht), und ich bekam für knapp 2 Tage ne leichte schmerzhafte Blutung (die erste seit 10 Jahren).
Soweit war danach alles ok, ABER:
Seither hab ich trotz optimal eingestellter Schilddrüse schon 8 weitere Kilo zugenommen (bin jetzt bei 32 mehr als vor 7 Jahren), BH-Größe weiter gewuchert auf 80F (von 75B), ich hab den Eindruck, meine Haut wächst noch mehr als mein Gewicht (vor allem Bauch, Brüste und Innenseite der Oberschenkel hängen extrem wabbelig runter) hab täglich Kopf- und Kreuzweh (kann mich nachts oft vor Schmerzen nicht rumdrehen), frier fast pausenlos, mir ist morgens immer schlecht, kann nicht einschlafen obwohl ich immer müde bin, wach nachts schwitzend auf, verlier immer mehr Haare, die aber anscheinend an Wangen, Kinn, Brust, Armen, Bauch und Beinen nachwachsen, bekomm Herzrasen und extreme Blutdruckschwankungen (sonst zuverlässig zu nieder, jetzt teilweise zu hoch), seit 3 Monaten ne entzüdete Nebenhöhle, wo nix hilft, rote trockene Augen und Wassereinlagerungen in Gesicht, Armen und Beinen. Und jetzt über ne Woche immer stärker werdende Bauchkrämpfe. Kurz gesagt: ich bin völlig im Eimer.
Vor zwei Wochen bei der Kontrolluntersuchung meinte mein Frauenarzt, es wäre alles perfekt und meine Probleme könnten nix mit der Mirena zu tun haben, hat nen Hormontest gemacht, der laut ihm auch optimal ausgefallen ist.

Hätte ne Freundin mir vor nem Monat nicht geraten, mich mal über das Ding, das ich seit Jahren rumschlepp, im Internet zu informieren, würd ich immer noch glauben, dass alle meine Probleme psychisch sind und sie mit Antidepressiva, noch weniger essen und mehr Sport zu beheben wären, so ich denn die Energie dazu aufbringen könnte.

Ich hab ja trotz Euerer Berichte hier lange gezweifelt, ob meine Schwierigkeiten mit ner popligen Spirale zusammenhängen können, obwohl ich ja fast die ganze Nebenwirkungspalette bei mir gefunden hab, aber inzwischen bin ich so weit, dass ich das Ding einfach nur noch raushaben will und hoffe, dass sich die Entzugserscheinungen in Grenzen halten und ich die Nebenwirkungen wieder los werd!

Liebe Grüße und vielen Dank fürs lesen
Springerle

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