7 Jahre und noch 9 Tage mehr...

Schreibe uns hier Deine Erfahrungen mit der Hormonspirale.

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Eumel
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7 Jahre und noch 9 Tage mehr...

Beitragvon Eumel » 18.04.2011, 18:15

Hallo an alle,

vor einer Woche bin ich ca. auf dieses Forum hier gestoßen und bin immer noch fassungslos...

Meine Geschichte:
Bin (w) 36 Jahre alt, verheiratet seit 2002 – mit einem lieben, geduldigen Mann. Leider bekam ich im Jahr 2003 die Diagnose MS (Multiple Sklerose). Eine Erkrankung bei der viele Symptome unsichtbar sind und die 1000 Gesichter hat. Unberechenbar. Nach reiflichen Überlegungen kamen mein Mann und ich zu dem Ergebnis keine Kinder haben zu wollen.
Bis dahin haben wir mit Kondomen verhütet, bzw. ich habe einen Anlauf mit einer Mikropille gewagt, das aber nur für sehr kurze Zeit weil ich sie offenbar nicht vertrug.

Es war 2005 als ich zum FA ging und um ein Gespräch bat bzgl. Sterilisation (bei mir).
Ich sei so eine junge Frau, die Risiken seien gewaltig, meine Meinung könnte sich noch ändern, etc. pp, ich solle doch erst mal über eine Hormonspirale nachdenken. War mir bis dahin nicht so geläufig und klang als Alternative wirklich klasse!
Über die Nebenwirkungen wurde ich vom FA wie folgt aufgeklärt:

Die HS wirkt nur lokal, ändert somit nichts an meinem Hormonhaushalt, die Regel fällt bei vielen Frauen komplett weg oder wird zumindest schwächer. Am Anfang seien wehenartige Schmerzen möglich, die aber nach kurzer Zeit (wenige Tage) vorüberseien.
Nicht mehr wurde mir genannt!

Klang doch wirklich super! Im Internet habe ich mich (naiv wie ich war!) nur auf die Herstellerseite gestürzt. Darüber brauche ich euch ja nix erzählen – Friede, Freude, Eierkuchen.

Also habe ich 2005 400 Euro bezahlt und mir das Teil einsetzen lassen. „Geht ganz schmerzfrei“. Sagte der FA. Und die naive Patientin glaubte an den großen Mann im weißen Gewand. Bin direkt nach dem Einsetzen in Ohnmacht gefallen als ich vom Gyn-Stuhl hochwollte.
Das aber nur am Rande, bin halt eher empfindlich.

Bis vor einer Woche habe ich nichts mit Mirena in Zusammenhang gebracht, daher schilder ich nun einfach mal was in den letzten Jahren abging ohne weitere Wertungsversuche (auch die MS macht so ihre Spielchen und ich werde bei einigen Sachen vielleicht niemals sicher sagen können woher sie rühren) Vielleicht noch ein Satz zum Verständnis: 99% der Ärzte die ich konsultiere, die dann hören das ich an MS erkrankt bin, machen sich keine Mühe andere Ursachen zu suchen sondern ziehen einfach für jedes Symptom die „Schublade“ MS auf und schieben es dorthin.

Ich bekam 2006 einen Gallenstein rausoperiert.
Im gleichen Jahr bekam ich ständig heftige Bauchschmerzen, war häufig im Krankenhaus, oft in der Notaufnahme. Darmkoliken, chronische Verstopfung. Nach Darmspiegelung hieß es dann: das kommt durch MS. Logisch. Seither bin ich Abführmittelabhängig (ohne geht nix, ich kann kiloweise Trockenpflaumen essen, literweise Sauerkrautsaft trinken usw. und es rührt sich nicht ein Körnchen, hammerhart!)
Zu ungefähr der gleichen Zeit fing meine Haut an zu spinnen. Kleine Pickel und auch mal stärkere Pickel war ich gewöhnt, während meines Zyklus.
Nun aber bildeten sich richtige Ekzeme, vorwiegend im Gesicht, aber auch an unsichtbaren Stellen (unter der Brust, unter Achseln).
Seltsam, aber das schob man dann eben auf den Darm. Logo.
Also Antibiotikum – immer wieder, seit Jahren, oft 3 Monate am Stück. Bis letzte Woche.
Die Ekzeme sind mittlerweile so überheftig das ich mich kaum mehr unter Leute traue.
Eines hatte ich 2008 am linken Auge, es ging auch mit Antibiotika nach 10 Wochen nicht weg, musste in einer Hautklinik wegoperiert werden.
Auch 2008 bekam ich (vermutlich dies doch durch MS) eine Sehnerventzündung und bin auf dem rechten Auge fast erblindet. Auf dem linken sehe ich eher „schmierig“, was allgemein von meiner Tagesform abhängig ist. Wenn es mir insgesamt mieser geht sehe ich auch schlechter.
Ich glaube auch in diesem Jahr hat ungefähr mein „Bartwuchs“ angefangen. Eigentlich habe ich mittelblonde Haare, aber am Kinn und über der Lippe schießen rabenschwarze dicke Haare raus. Da ich das nicht richtig sehen kann im Spiegel zupft mein lieber Mann mir die immer wieder mit Pinzette raus. Wie peinlich!


2009 fand ich einen Knoten in der rechten Brust. Wochenlange Panik, aber es war glücklicherweise nichts außer einer vermutlich vergrößerten Talgdrüse.
Solche Knötchen fand ich fortan in meinem ganzen Körper. An Oberschenkeln, Armen, im Rücken, Gesicht eh. Meine Brüste taten seither ständig weh, sie fühlen sich schwer an und es drückt total, immer noch.
2009 auch ein doppelter Bandscheibenvorfall von dem ich mich ca. 6 Monate lang erholen musste mit Krankengymnastik und Schmerzmitteln. Dazwischen immer weiter Antibiotika.
Depressionen und Angstattacken ständige Begleiter. Dabei Schweißausbrüche, Herzrasen, Weinkrämpfe. Blasenschwäche war dann das nächste (passte prima zu den Bandscheibenproblemen).

Meine Schilddrüse wurde 1995 bereits zur Hälfte entfernt, seither war ich aber optimal auf Hormone eingestellt. Auch das lief nun aus dem Ruder, ständig lag ich in Unterfunktion.
Gewichtszunahme innerhalb der letzten Jahre ca. 15 kg. Abnehmen? Keine Chance, auch bei bester Disziplin nicht.

2010 bekam ich die HS gewechselt. Habe das in einer Frauenklinik unter Vollnarkose machen lassen weil ich Angst hatte durch den Ohnmachtsanfall beim ersten Mal.
Das lief an sich recht gut. Anfangs gab es einige Wochen Schmierblutungen, dann blieb die Regel wieder aus (was mir ja auch ganz recht war).
Meine „üblichen“ Sorgen liefen nahtlos weiter, kein Wunder. Es gab ja keine Pause in meiner Hormonversorgung.

Heute war ich bei meiner Frauenärztin, die mich nun seit einem Jahr betreut.
Ich erzählte ihr von meinen Problemen, von diesem Forum, von all den neuen Erkenntnissen und bat sie mir zu helfen.
Zunächst sagte sie natürlich das es eigentlich ja nur lokal wirken würde und ich daher sicher nicht alle Symptome darauf schieben kann. Aber das war mir ja vorher schon klar, bei mir mischen sich die Erkrankungen, und Frauenärzte scheinen ja gemeinhin eher Verfechter für die HS zu sein. Sie versuchte mich dann zu einer Pille zu überreden, es gäbe ganz tolle die meinem Hautbild prima helfen könnten.
Wie auch immer, ich bestand darauf meinem Mann zunächst mal die Verhütungsfrage zu überlassen und mich selbst nicht weiter vollzupumpen mit IRGENDWAS.
Sie hätte mir die Spirale gleich gezogen, da ich aber sehr schmerzempfindlich bin und Angst hatte bat ich sie um einen neuen Termin auf den ich mich mit Schmerzmitteln vorbereiten kann. Nächste Woche Mittwoch ist es dann auch bei mir soweit!
Nun, die Mirena liegt insgesamt seit knapp 7 Jahren – auf 9 Tage kommt es jetzt nicht mehr an. Solange der Schrecken nur, endlich absehbar, ein Ende hat.
Vielleicht habe ich dann auch endlich mal wieder Interesse an meinem Mann, das hatte ich noch vergessen zu erwähnen. Lust = Null.

Ich habe Angst vor dem was kommt. Große Angst.
Gleichzeitig die Hoffnung das mein Leben (wenn auch mit MS) wieder lebenswert wird!

Vielen Dank an alle die hier ihre Erfahrungen geschrieben haben, das macht mir Mut! Und weil ihr mir Mut gemacht habt wollte ich euch auch meine Erfahrungen schreiben, vielleicht macht es der Nächsten wiederum Mut.

Liebe Grüße,
Eumel

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