Vorsicht bei Angst-und Panikerkrankung!Update nach 2 Monaten

Schreibe uns hier Deine Erfahrungen mit der Hormonspirale.

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anerim
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Vorsicht bei Angst-und Panikerkrankung!Update nach 2 Monaten

Beitragvon anerim » 25.10.2012, 22:23

Update vom 05.12.2012
Hallo zusammen,

ich möchte gerne nach zwei Monaten „ohne“ über meine Erfahrungen bisher berichten:
Es geht mir deutlich besser und ich habe noch keine Sekunde meine Entscheidung die Mirena ziehen zu lassen bereut.
Ich habe das große Glück – wie viele hier nicht – sofort wieder einen normalen Zyklus zu haben. Gezogen wurde die Mirena unter einer leichten Blutung (Zwischenblutung? Periode?) und exakt vier Wochen später habe ich wieder meine Periode bekommen, genauso auch wieder im zweiten Zyklus nach dem Ziehen. Die Blutung war nicht so stark wir vor der Spirale immer, allerdings war das PMS in gleicher Ausprägung wie früher.
Verschwunden ist:
- Das Gefühl des „Fremdgesteuert seins“
- Das massive Herzrasen
- Das Gefühl gleich umzufallen, die Körper-Wahrnehmungsstörungen
- Die völlig überzogenen, irrealen und nicht mehr steuerbaren Ängste, die heftigen Panikattacken
- Das „mich dauerschlechtfühlen“
- Die Dauerschmerzen im Kreuzbeinbereich
Ängste habe ich noch ab und an und ich fühle mich auch nicht jeden Tag gut, aber es ist wieder besser steuerbar und ich spüre sehr gut wenn ich mir zu viel zugemutet habe und überreagiere. Panikattacken habe ich kaum noch und wenn greifen wieder meine Methoden die ich mir mühsam erarbeitet hatte. Damit kann ich sehr gut leben!
Das Kribbeln in den Füßen habe ich noch, allerdings wesentlich weniger als vorher. Ich nehme Magnesium was mir offensichtlich fehlt.
Insgesamt fühle ich mich wieder als „normale Frau“ und genieße jeden Tag ohne Symptome und die werden täglich mehr. Die Arbeit macht wieder Spaß, ich grübele nicht über alles und jedes, empfinde das Leben wieder als schön und nicht als daueranstrengend. Vor allem fühle ich mich nicht mehr krank! Natürlich gibt es auch noch „schlechte“ Tage, aber es ist kein Dauerzustand mehr.
Was ich ab und zu noch habe ist ein leichtes Herzstolpern, aber auch das ist deutlich weniger geworden.
Nachdem mein Zyklus so schnell wieder normal war habe ich wieder mit natürlichem Progesteron angefangen und bin aktuell noch in der Probierphase. Ich hatte das schon mal vor der Mirena versucht, allerdings nicht lange. Im Moment habe ich das Gefühl, dass es mir sehr gut tut und suche noch nach einem Arzt/Heilpraktiker der damit Erfahrung hat um entsprechend besser betreut zu werden (mein Gyn verschreibt zwar Utrogest hat aber keine Erfahrung mit der Creme).
Was ich noch mit Spannung erwarte ist der nächste Besuch beim Gyn um zu schauen wie sich die Zysten und der PAP Abstrich entwickelt haben (Januar ist es soweit). Ich werde dann nochmals updaten.
Ich wünsche allen – warum auch immer sie hier gelandet sind und lesen – alles alles Gute!

anerim

Mein Beitrag vom 25.10.2012
Hallo zusammen,
wie viele andere auch hier bin ich seit langem stille Mitleserin und möchte jetzt auch gerne meine Erfahrungen hier lassen.

Ich habe mir im Mai 2011 die Mirena setzen lassen- seit ca. drei Wochen ist sie raus, ca. 17 Monate hormonelle Verhütung, die für mich NIE MEHR in Frage kommt, aber dazu später.

Ich hatte vor ca. 10 Jahren aufgrund einer länger dauernden massiv belastenden Lebenssituation eine Angststörung mit infolge Depressionen und Panikattacken entwickelt, hatte auch eine ganze Weile Antidepressiva genommen, die mir aber nicht wirklich geholfen haben. Was half war eine sehr gute Therapeutin, die mich durch viele Veränderungen in meinem Leben begleitet hat und mit mir verhaltenstherapeutisch gearbeitet hat. Nachdem ich mein Leben neu sortiert hatte und vor allem gelernt hatte wie ich mit Ängsten und Panikattacken umgehen kann ging es mir richtig gut.
Ich habe alles über Entspannungsmethoden, work-life-balance, psychischen Stress usw. gelernt was man nur lernen kann. Und mir für mich das Passende rausgesucht. Ich war wie neu geboren, hatte Spaß am Leben und war insgesamt ein fröhlicher, optimistischer und lebensbejahender Mensch – was ich im Übrigen auch schon vor meiner arg belasteten Zeit gewesen war. Sicher gab es auch immer wieder Tage oder Phasen in denen es mir nicht so gut ging und ich einen Anflug von Angst oder Panik empfunden habe: Aber mein Gelerntes griff immer sehr schnell und es war kein Vergleich mehr zu vorher. Es vergingen auch einige Jahre ohne jegliche Symptome. Was mich immer begleitet hat war ein starkes PMS, das waren auch die einzigen Tage an denen ich ab und an einen Anflug von Ängsten verspürte gepaart mit diesem seltsamen Zustand „alles ist gut, warum fühl ich mich bloß so schlecht?“, den sicher viele Frauen kennen. PMS eben.

Vor 4 Jahren ca. veränderte sich mein Zyklus, er wurde kürzer, das PMS stärker, die Periode sehr stark. Bis hin zu 8 Tage PMS, 9 Tage starke Blutung mit diversen körperlichen Beschwerden, 5 Tage Ruhe und dann ging das Ganze von vorne los. Eigentlich das was viele Frauen jenseits der 40 erleben, was mich aber zunehmend belastete (heute würde ich eher sagen es „nervte“, Belastung ist was anderes..). Eine Behandlung mit Mönchspfeffer hat nicht wirklich den durchschlagenden Erfolg gebracht, ehrlicherweise hatte ich aber auch nicht wirklich einen langen Atem.

Mein FA hat mir in dieser Zeit immer wieder die Mirena vorgeschlagen. Es klang ja auch so verheißungsvoll: Keine starken Blutungen mehr und gleichzeitig eine sichere Verhütung. Wobei ich ihm zugute halten muss dass er immer sagte auf das PMS hätte die Mirena keinen Einfluss, das würde höchstwahrscheinlich bleiben. Womit er recht hatte, allerdings in einer Form die ich meinem ärgsten Feind nicht wünsche…

Ich war skeptisch und googelte mich durchs Internet. Die Entscheidung Mirena ja oder nein habe ich mir nicht leicht gemacht und auch über 1-2 Jahre immer wieder rausgeschoben. Auch hier im Forum habe ich gelesen und natürlich hat mich das zusätzlich skeptisch gemacht. Andererseits habe ich eine Vielzahl von Frauen in meinem Umfeld die KEINERLEI Probleme haben (wirklich keinerlei, auch keine die sie vielleicht nicht auf die Mirena zurückführen und auch nach Liegezeiten der Mirena von 10 Jahren und mehr).

Irgendwann habe ich mich entschieden die Spirale auszuprobieren. Was hatte ich zu verlieren außer Geld? Wenn ich sie nicht vertrage kommt sie eben wieder raus. So einfach ist das. Dachte ich, aber ganz so einfach war es dann doch nicht.

Im Mai 2011 wurde die Mirena gesetzt. Die ersten Monate hatte ich relativ regelmäßig meine Periode, sehr kurz und schwach genau wie vom FA vorausgesagt. Zwischendurch immer wieder leichte Zwischenblutungen, völlig harmlos was mich nicht weiter gestört hat (Slipeinlage, mehr war nicht nötig). Nach ca. einem halben Jahr konnte ich keine Regelmäßigkeit mehr erkennen, die Zwischenblutungen wurden mehr, teilweise hatte ich mehrere Wochen lang immer wieder sehr schwache Blutungen, immer noch nicht störend, maximal ein bisschen lästig.
Das PMS war verschwunden. Keine Wassereinlagerungen mehr, kein plötzliches Abkrachen der Stimmung, die Brust tat nicht mehr weh, keine heftigen Kopfschmerzen, Stimmung normal. Ich war zufrieden und guter Dinge dass sich auch die leichten Zwischenblutungen noch einpendeln würden, soll ja angeblich bei einigen Frauen bis zu 2 Jahren dauern. Und ein sorgloses Verhütungsgefühl zu haben fand ich auch ausgesprochen angenehm.

Nach etwa 8 Monaten fing es dann an. Zunächst mit immer wiederkehrenden Unterleibsschmerzen, nicht wirklich schlimm aber unangenehm. Der untere Rückenbereich im Bereich Kreuzbein tat mir oft sehr weh, teilweise wusste ich nicht wie ich morgens aus dem Bett kommen sollte oder konnte kaum noch länger als 2-3 Minuten stehen. Ein Bezug zur MIrena kam mir nicht in den Sinn. Schleichend kamen dann psychische Probleme hinzu. Ich hatte wieder vermehrt Ängste und sogar wieder Panikattacken was ich über Jahre gar nicht mehr kannte. Therapieerfahren wie ich war fing ich erst mal an zu suchen: Was ist gerade belastend in deinem Leben? Worauf reagierst du jetzt? Was könnte in deinem Unterbewusstsein gerade los sein was dir noch gar nicht bewusst ist? Was empfindest du als stressig? Und so weiter. All das was mir schon mal so gut geholfen hat. Je mehr ich überlegte und suchte umso weniger fand ich. Ich habe ein schönes Leben. Alle äußeren Umstände stimmten: Beruf, Familie, Beziehung, Finanzen, Freunde, Freizeit.
Sicher, irgendwas findet man immer. Aber irgendwann merkte ich auch wie albern es war im Dunkeln zu stochern, alles und jedes zu hinterfragen obwohl es tatsächlich keinen Grund gab. Keine Katastrophen in meinem Leben, im Gegenteil, gerade war alles RICHTIG gut. Komisch.

Die nächsten Monate: Alles empfand ich als anstrengend, ich machte mir über alles einen Kopf, grübelte, empfand den Alltag als extrem stressig, bewertete alles über. Die einfachsten Dinge fielen mir schwer. Die Ängste wurden schleichend mehr. Angst vor Krankheiten, Angst vor dem Alltag, ständig ein diffuses Gefühl es könnte etwas Schlimmes passieren, ich sei sehr krank, gleichzeitig eine große Angst zum Arzt zu gehen (der könnte ja meine schlimmsten Befürchtungen bestätigen!). Angst den Tag nicht zu bewältigen, Angst Auto zu fahren, diffuse Ängste die ich nicht einordnen konnte. Gleichzeitig eine zunehmend gedrückte Grundstimmung (logisch wenn man sich so! fühlt), depressive weinerliche Phasen die ich mit aller Kraft versuchte zu unterdrücken. Außerdem eine massive innere Unruhe die schon morgens nach dem Aufstehen losging. Es gab Tage an denen ich nur noch fluchtartig nach Hause wollte, da ging es mir besser.

Ich fing wieder an wie schon mal vor Jahren: Ich habe vermehrt Entspannungstechniken angewandt (Atemübungen, Progressive Muskelentspannung, MBSR, Achtsamkeitsübungen, „mir was Gutes tun“ usw.), außerdem habe ich mein Sportprogramm intensiviert obwohl ich große Angst davor hatte (es könnte ja was passieren…). Ich habe nie vermieden sondern mich allen Situationen gestellt. Aber nichts half.

Gleichzeitig bekam ich plötzlich körperliche Beschwerden die meine Ängste noch verstärkten: Plötzliches Herzrasen, Herzstolpern, Kribbeln vor allem in den Beinen und Füßen, Krämpfe, Dauerschwindel, Zysten (hatte ich noch nie vorher), plötzlich dreimal hintereinander ein PAP IIId beim Abstrich, plötzliches Frieren oder Schwitzen ohne ersichtlichen Grund.

Mit das schlimmste Symptom war für mich eine „komische“ Körperwahrnehmung, das Gefühl meine rechte Körperhälfte wäre gelähmt bei gleichzeitigem Bewusstsein dass ich mich normal bewege, Bein und Arm von der Kraft her völlig normal sind! Trotzdem die Empfindung jeden Moment umzufallen.
Wie gesagt, die Symptome entwickelten sich schleichend. Es gab immer wieder gute Tage, allerdings nahmen die Schlechten von Monat zu Monat zu.

Ich kannte mich selbst nicht mehr wieder und fühlte mich wie fremdgesteuert. Das war nicht ich, das war auch nicht ich mit Angststörung. Ich weiß sehr wohl wie sich Angst und Panik anfühlen – aber von mir selbst „produziert“. Das hier war anders.

Die letzten drei Wochen vor Ziehen der Mirena waren die Schlimmsten, die Symptome hörten gar nicht mehr auf. Plötzlich wurde mir bewusst dass das „Ding“ SOFORT raus muss und ich wohl eine der Frauen bin, die nicht damit klar kommt. Nachdem ich vorher monatelang noch an einen akuten Schub meiner Angststörung geglaubt hatte war ich jetzt sicher dass meine Befindlichkeit was mit der Spirale zu tun hat. So sicher, dass ich sie mir sofort habe ziehen lassen.

Mein FA ist (wie man ja hier immer wieder liest) überzeugt, dass die Mirena damit nichts zu tun hat da sie ja „nur lokal wirke“. Trotzdem hat er mich ernst genommen und ist auch liebevoll mit mir umgegangen. Die Erfahrung vom FA einfach abgespeist zu werden habe ich glücklicherweise nicht machen müssen. Er ist auch bereit mit mir nach Alternativen ohne Hormone zu suchen, hat mir auch empfohlen mich an jemanden zu wenden der sich naturheilkundlich auskennt. Er ist Schulmediziner und das lebt er auch. Trotzdem zeigte er die Bereitschaft sich mit anderen Wegen auseinanderzusetzen, auch wenn seine Überzeugung eine andere ist. Das rechne ich ihm auch hoch an. Wir sind so verblieben dass er – wenn ich in einem Jahr immer noch mit den gleichen Symptomen rumlaboriere – er mir ins Gesicht sagen darf, dass es nichts mit der MIrena zu tun hatte :P

Mein Hausarzt war der Meinung dass Mirena das beste Verhütungsmittel überhaupt ist und ich dringend Antidepressiva benötigen würde (die mir schon damals keinen Deut geholfen haben….). Da gehe ich im Übrigen nicht mehr hin.

So, nun ist sie seit drei Wochen draußen.
Die ersten fünf Tage hatte ich höllische Kopfschmerzen (nicht beeinflussbar durch Schmerzmittel). Das Gefühl des „Fremdgesteuertsein“ war nach einer Woche gänzlich verschwunden. Herzrasen und Herzstolpern ebenso.

Ich fühle mich schon jetzt wieder wie die Frau die ich mal war, ja, immer noch mit Ängsten und Unruhe aber in einem ganz anderen Maß und es wird täglich besser. Ich kann meine „Zustände“ wieder beeinflussen und aufkommende Angst wieder annehmen und vorbeiziehen lassen. Diese völlige Hilflosigkeit ist verschwunden.

Ich nehme jetzt Magnesium, außerdem werde ich einen Versuch mit bioidentischem Progesteron unternehmen. Aber alles zu seiner Zeit. Mein Körper soll sich erst mal von dem Stress erholen.

Mein „Leidensweg“ war nicht so lang wie bei vielen anderen hier (ich bin sehr zuversichtlich dass die kommenden Monate mir zeigen werden dass er bald zu Ende ist). Ich glaube ich war in der glücklichen Lage zu wissen was Ängste und Paniken sind und wie sie sich bei mir anfühlen. Unter Mirena definitiv anders! Da hätte keine Verhaltenstherapie der Welt etwas ausrichten können!!

Mein Fazit:
Ich verteufele die Hormonspirale nicht. Jede Frau sollte selbst entscheiden was sie ihrem Körper zuführt und viele scheinen sie ja tatsächlich sehr gut zu vertragen. Wichtig finde ich, dass über ALLE möglichen Nebenwirkungen umfangreich aufgeklärt wird, insbesondere bei Frauen mit psychiatrischer Vorgeschichte. Wer sensibel auf Hormone oder Medikamente reagiert sollte einmal mehr drüber nachdenken. Wer Brustkrebs in der Familie hat schon dreimal. Risiken und Nutzen vernünftig abwägen!

Und noch wichtiger finde ich es, die gravierenden Nebenwirkungen die auftreten KÖNNEN (nicht müssen) publik zu machen um die Ärzte dafür zu sensibilisieren. Es kann nicht sein, dass Frauen bei Gynäkologen in die psychosomatische Ecke geschoben werden wenn sie massiv auf eine hormonelle Zufuhr reagieren. Was ich hier teilweise in Beiträgen gelesen habe hat mich echt schockiert!

Ich konnte recht früh den Zusammenhang zwischen der Hormonspirale und meinen Beschwerden herstellen. Die meisten hier konnten das nicht und diese Odyssee von Arzt zu Arzt ist einfach nur traurig.

Ich bin sehr gespannt wie sich die nächsten Monate gestalten, auch das scheint ja sehr unterschiedlich zu sein. Sicher bin ich mir, die für mich richtige Entscheidung getroffen zu haben. Und mein Fazit: Nie mehr synthetische Hormone!

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