Meine Erfahrungen nach 13 Jahren Mirena / Nebenwirkungen

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HS13
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Meine Erfahrungen nach 13 Jahren Mirena / Nebenwirkungen

Beitragvon HS13 » 27.07.2014, 15:32

Startet wie bei allem mit der Anpreisung einer tollen Verhütungsmethode. Ich weiß nicht mehr was ich unterschrieben habe aber bei den ersten zwei habe ich etwas unterschrieben. Die dritte musste ich mir selber besorgen, da sie in der Arztpraxis nicht mehr verfügbar war. Dementsprechend sind natürlich weitere Informationen über die Risiken unterblieben mit der Bemerkung ich kenne sie ja schon.

Die erste habe ich gut vertragen und hätte sie auch weiterempfohlen. War ja super praktisch ohne Mens. Während der zweiten traten allerlei Nebenwirkungen auf, die ich aber persönlich auf eigene Krisen, Stress und familiäre Problem abgeschoben habe. Gewichtszunahme, Bluthockdruck, diverse Ängste, sozialer Rückzug, vermindertes Selbstwertgefühl … Objektiv eben einfach nur Probleme.

Trotz allem habe ich ein Lebensgefühl, Pläne und jede Menge Power gehabt und gegen Ängste und düstere Gedanken gearbeitet. Mit viel Sport, Disziplin und fast nichts essen 10 kg abgenommen. Eine Trennung gemeistert eine Therapie gegen Depressionen und einen erfolgreichen Neustart. Die zweite HS lag ca. 5 ½ Jahre und es ging mir gut. Also folgte die dritte und damit schlichen sich die Probleme ein. Begonnen haben sie so ca. 1 Jahr nach dem Einlegen.

Erneuter schrittweiser und irgendwie unbemerkter sozialer Rückzug. Depressionssymptome. Antriebslosigkeit, habe nicht mehr gekämpft, Probleme gehabt den Tagesablauf zu regeln, das Gefühl fremdgesteuert zu sein, im Job vieles vergessen, an Lebensfreude verloren, Empfindungen schliefen ein, Libido ging gen Null, Taubheitsgefühle in den Genitalien, Aufgepumpte Brüste, habe auf keine Reize mehr reagiert, war ständig müde und habe fast nur geschlafen. Ordentlich an Gewicht zugelegt innerhalb von kürzester Zeit und Verspannungen und Rückenprobleme gehabt. Vom Alter her habe ich mich wie 80 gefühlt und jede Nacht haben sich Muskeln und Sehnen so sehr zusammengezogen, dass ich morgens nur verkrümmt aus dem Bett kam. Habe mich oft nur von außen betrachtet, konnte kaum Gesprächen folgen oder etwas davon behalten, kein Zeitgefühl mehr, hab vieles nach kurzer Zeit einfach vergessen, es war nicht mehr in meinem Bewusstsein. Für mich selber hatte ich überhaupt keine Gefühle mehr. Habe irgendwie mechanisch den Tag erledigt. Kein Mitgefühl, keine Euphorie, kein Adrenalin, keine Ängste, keine Wut, Trauer oder irgendwie Liebe mehr gefühlt. Ich kann auch nicht weinen. Ein einheitlicher neutraler Level. Gefühlsdistanziert, emotionsunempfindlich. Habe nichts mehr unternommen und Hobbys und Interessen einfach aufgegeben. Nichts hat mich mehr interessiert. Soziale Kontakte kann ich mittlerweile ganz schlecht aufbauen und Kontakt halten fällt mir schwer.

Zum Glück habe ich gute Freunde und ca. 2 1/2 Jahre nach dem Einlegen der dritten HS kam das Bewusstsein für die Nebenwirkungen und ich habe im Forum gelesen. Es brauchte drei Anläufe beim FA bis er sie 2013 gezogen hat. Und seitdem habe ich viel ausprobiert, damit es mir wieder besser geht. Körperlich gingen viele Nebenwirkungen zurück, keine Verspannungen mehr, das Wattegefühl/der Grauschleier im Kopf, die aufgepumpten schmerzenden Brüste normalisierten sich, das Maskengefühl verschwand aus dem Gesicht, die tiefe Mündigkeit lies nach, vieles ging besser. Ich habe recherchiert und Tagebuch geführt. Tests machen lassen und Vitamine und Mineralien aufgefüllt. Verschiedene Ansätze probiert und verschiedene Heilpraktiker mit mehr oder weniger gutem Erfolg aufgesucht. Die ultimative Lösung war nicht dabei. Aber mir war klar, dass das nicht von heute auf morgen besser wird.

Als sich nach einen Jahr noch immer keine Besserung der neutralen Gefühlslage gezeigt hat habe ich in Absprache mit meiner Therapeutin (die Therapie hat diesmal keine großen Erkenntnisse gebracht, war nett aber irgendwie sinnlos) angefangen Antidepressiva zu nehmen (im vollen Bewusstsein der ganzen möglichen Nebenwirkungen in Abwägung aller anderen möglichen Vorteile). Dadurch ist bei mir zumindest die innere Unruhe weg und ich habe das Gefühl im Kopf klarer und strukturierter zu sein. Ich betrachte mich nicht mehr von außen, sondern bin viel mehr bei mir. Antriebsfördernd oder stimmungsaufhellend sind sie im Moment noch wenig. Irgendwas bremst mich noch immer aus.

Als Nebenwirkungen habe ich wieder ein enormes Schlafbedürfnis und noch weniger Libido als überhaupt schon da war. Manchmal fühle ich sogar gar nichts mehr, kein Berührungsreiz. Ich möchte die Dosierung nicht steigern und sie so bald wie möglich wieder absetzen. Das aber nur in Absprache mit meiner derzeitigen Heilpraktikerin die mir Kapseln nach Dr. Rimkus verschrieben hat. Ich vertrage sie gut, bin aber noch ganz am Anfang der Einnahme und kann frühestens nach ca. 3 Monaten mehr darüber berichten.

Vorausgegangen ist ein Test der Hormonwerte. Östrogen war am untersten Level aber deutlich mehr vorhanden (Östrogendominaz) als das Progesteron mit 1,3 ng/ml. Alle anderen Werte sind o.k. Ich habe bis dahin ein Jahr tapfer Progesteron (1 – 2%ig nicht vom Arzt verschrieben) gecremt und bei den kurzen Zyklen kann man davon ausgehen, dass es keinen Eisprung gibt. Gelbkörperschwäche nannte das der FA.

Ich spüre vermehrt Wechseljahrsbeschwerden, vor allem das Schwitzen macht mir sehr zu schaffen. Körperlich fühle ich mich (wie vorher auch) völlig ausgelaugt, erschöpft und bin nach kleinsten Anstrengungen schon k.o. und brauche eine Pause. Das Gewicht geht eher rauf als runter :(, der Stoffwechsel hinkt irgendwie. Magnesium, B – Vitamine und D3 nehme ich nach wie vor regelmäßig. Durch B12 sind die Nerven stabiler geworden.

Mittlerweile rate ich jedem der eine HS hat genau auf seinen Körper zu hören und sich über die Nebenwirkungen zu informieren. Ich werde nicht müde meine Geschichte zu erzählen und hoffe, dass sich viele dazu Gedanken machen und sie gar nicht erst nehmen. Ich vertraue keinen Ärzten mehr und höre mehr auf meinen Körper. Er antwortet mir so langsam wieder. Und in winzigen Schritten komme ich mir wieder näher, nachdem sie 13 Jahre Zeit hatte mein Leben zu beeinflussen.

Ich danke euch für dieses Forum und euren offenen Austausch hier. Schön dass es euch gibt und ich wünsche euch allen, dass es euch bald wieder so gut geht wie vor der HS und die Mirena nur eine mehr oder weniger kurze leidvolle Geschichte war.

An alle die überlegen, sich die HS legen zu lassen oder zu ziehen: Hört auf euren Körper, lasst euch nichts von euren Ärzten ein- oder schön reden und zieht bei jedem kleinen gesundheitlichen Problem in Erwägung dass das ein Grund dafür sein könnte Lest weiter in diesem Forum. Ihr seid nicht allein mit euren Problemen.

Wie alle hier hoffe ich, dass ich auf dem richtigen Weg bin wieder ich selbst zu werden.
43 Jahre, Mirena 13 Jahre, 2 Kinder

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