Mirena kann auch " verloren gehen " Stichwort: Lost IUD

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Frau Dekoversum
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Mirena kann auch " verloren gehen " Stichwort: Lost IUD

Beitragvon Frau Dekoversum » 03.11.2014, 22:16

Hallo an Euch alle,
Ich möchte Euch hier von meinen Erfahrung mit Mirena berichten. Ich habe mir die Mirena im Oktober 2009 legen lassen. Das war ein halbes Jahr nach der Geburt meines Sohnes, daher war der Muttermund noch geweitet. Das Legen war damals nur etwas unangenehm, aber nicht wirklich schmerzhaft. Danach hatte ich dann Bauchkrämpfe und hellrote Zwischenblutungen, aber meine Frauenärztin meinte, das wäre normal. Die Ultraschall Nachkontrolle ergab dann ebenfalls: Alles normal, alles OK, Spirale sitzt da wo sie sein soll, alles paletti.

Die Bauchkrämpfe ließen dann mit der Zeit nach, was blieb, waren die hellroten Zwischenblutungen. Meine Frauenärtin meinte zwar, das wäre ungewöhnlich typisch für die Mirena sind Schmierblutungen, die sind eher bräunlich, aber da ich keine Schmerzen hatte, meinte sie, das wäre in Ordnung. Ist halt bei mir so.
So verging die Zeit, ich war brav regelmäßig beim Ultraschall bei der Frauenärztin und ließ den Sitz kontrollieren: Immer alles paletti.

Dann nach etwa zwei Jahren hörten die hellroten Zwischenblutungen auf. Ich dachte mir nur: schön, jetzt hat sich mein Körper halt an die Spirale "gewöhnt".
Dann im April 2012 war meine Frauenärztin zum Spiralen-Ultraschall-Kontrolltermin im Urlaub. Die Vertretung führte den Ultraschall durch und meinte: Sie sieht die Spirale nicht mehr!

Ich wartete, bis meine eigentliche Frauenärztin aus dem Urlaub zurück kam und ließ von ihr noch einmal einen Ultraschall durchführen. Meine Frauenärtzin meinte dann: Alles Quatsch, da ist sie ja die Spirale, Ich soll mir keine Sorgen machen. Ich hatte auch keinerlei Schmerzen. Die Frauenärztin meinte, wenn die Spirale in den Bauchraum gewandert wäre, hätte ich mit Sicherheit Schmerzen. Also ließ ich mich beruhigen und dachte, es wäre alles in Ordnung.
Ich habe meiner Frauenärztin geglaubt, ein Fehler wie sich später herausstellte.

Ich hatte dann noch einen Kontrolltermin ein Jahr später: Wieder alles paletti...

Dann sind wir umgezogen. Es näherte sich der Oktober 2014. Zu dem Zeitpunkt war ja dann meine Mirena Spirale 5 Jahre drin, also musste sie gezogen werden. Ich machte dafür also bei einer neuen Frauenärztin (wegen dem Umzug) einen Termin. Sie sagte bei der Untersuchung, sie sieht den Rückhol-Faden nicht mehr, die Spirale wäre aber noch da. Ich erzählte ihr von der Geschichte mit der Urlaubsvertretung, die die Spirale einmal nicht gesehen hat und die Ärztin meinte, sie kann verstehen, was diese Kollegin gemeint hat, meine Spirale würde nicht so einen Schatten werfen, wie es eine Mirena Spirale normalerweise tut.

Nachdem der Faden aber unauffindbar war, riet mir die Ärztin, ich solle zum Ziehen der Spirale lieber ins Krankenhaus fahren und mir die Spirale unter Narkose ziehen lassen.
Das habe ich dann gemacht. Ich bin also ins Krankenhaus. Die Assistenzärztin dort machte einen Ultraschall und meinte ebenfalls: Spirale da, aber kein Faden zu sehen, außerdem meinte auch sie, die Spirale macht einen ungewöhlichen Schatten. Sie holte einen Arzt dazu:

Dieser Arzt machte einen Ultraschall und sagte: Da ist KEINE SPIRALE MEHR DRIN! :shock: Ich war absolut geplättet.
Ich hatte zwei brennende Fragen: 1. Wo ist sie denn bitte hin die Spirale und 2. Was bitte haben denn nun drei Ärtinnen unabhängig voneinander immer auf dem Ultraschall gesehen?
Die Antwort des des Arztes auf Frage 1: die Spirale ist höchst wahrscheinlich durch die Scheide abgegangen. Die Antwort auf Frage 2: meine Gebährmutterschleimhaut ist ungewöhlich gerade, sie sieht also im Ultraschall aus wie etwas Künstliches, daher wurde sie irrtümlicherweise für die Spirale gehalten.

Der Arzt erzählte noch etwas Interessantes: Da man wohl die Mirena an sich auf dem Ultraschall nicht besonders gut sieht, hat der Hersteller etwas eingebaut, um die Sichtbarkeit der Spirale im Ultraschall zu verbessern. Dies ist aber schon vor 2009 passiert. Meine Spirale wäre daher wohl schon eine, die man besser sieht und diesen speziellen Schatten wirft. Das meinten also die Ärztinnen mit "meine Spirale wirft einen komischen Schatten".
Allerdings konnte ich mich nicht damit abfinden, dass ich die Spirale einfach so "verloren" haben könnte, ich meine, sie ist doch ziemlich groß und hat diese Flügel, das merkt man doch wenn man die verliert...

Also wurde erst einmal ein Schwangerschaftstest gemacht (denn ich habe ja keine Spirale mehr in der Gebärmutter und somit seit wer-weiss-wie-lang keine Verhütung mehr), dieser war glücklicherweise negativ. Und dann wurde ein Röntgentermin vereinbart. Zitat des Arztes: "Wir haben eine Lost IUD". Das hat mich unweigerlich an den Film Broken Arrow mit Ben Affleck erinnert (Zitat aus dem Film: Ich weiß nicht, was schlimmer ist: Dass wir eine Atombombe verloren haben oder dass es so oft passiert, dass es einen Begriff dafür gibt.) Auf meine Situation bezogen: Ich weiß nicht was schlimmer ist, dass ich meine Mirena Spirale verloren habe oder dass es so oft passiert, dass es einen Begriff dafür gibt...

Das Röntgen ergab dann endlich Klarheit: Da war sehr wohl noch eine Spirale da, nur leider war sie nicht da, wo sie hingehört, sondern in meinem Bauch, genauer gesagt links unten ganz tief im unteren Becken. Die Spirale hat sich also irgendwie durch meine Gebährmutter gebohrt, ist dann durch meinen Bauchraum "gewandert" und hat es sich schließlich links unten in meinem Becken "gemütlich" gemacht.

Jetzt sehe ich diese hellroten Blutungen natürlich in einem anderen Licht...wahrscheinlich war das die Spirale, die sich durch meine Gebährmutter gebohrt hat. Und die Urlaubsvertretung meiner Frauenärztin lag damals 2012 vermutlich genau richtig. Wahrscheinlich war schon damals die Spirale nicht mehr da wo sie sein sollte...

Unverständlich ist mir allerdings, warum das Ganze völlig schmerzfrei ablief. Als Erklärung sagte man mir, das alles wäre sehr langsam passiert, daher hätte ich nichts gespürt. Nichtsdestotrotz hatte ich sehr großes Glück, dass die Spirale auf Wanderschaft durch meinen Bauchraum keine Entzündungen oder Verletzungen an anderen Organen verursacht hat.

Auf alle Fälle war aber klar: Die Spirale kann da nicht bleiben! Also hatte ich am 10.10.2014 eine Bauch-OP, genauer gesagt eine Bauchspiegelung, bei der mir die Spirale operativ unter Vollnarkose entfernt wurde. Dabei stellte man fest, dass sich die Mirena definitiv schon länger in meinem Bauchraum befand, da sie bereits leicht im unteren Becken ANGEWACHSEN war!

Nun ist die Mirena-Spirale glücklicherweise draußen und ich habe die OP gut überstanden.
Glück war auch, dass ich die ganze Zeit nicht schwanger geworden bin, obwohl ich - ohne es zu wissen - schon längere Zeit keine Verhütung mehr hatte.

Ich weiß, meine Geschichte ist ungewöhnlich und selten. Der Arzt, der mich operiert hat, meinte, ich wäre in seiner bisherigen Laufbahn erst die zweite Patientin mit einer derartig verlorengegangenen Spirale. Und er arbeitet immerhin nicht erst seit gestern in einer der größten Frauenkliniken Deutschlands.

Dennoch wollte ich Euch meine Geschichte erzählen, denn sie zeigt zum einen: Frauenärztinnen und Frauenärtzte können bei Kontrollen sehr wohl irren, in meinem Fall haben immerhin drei Ärztinnen beim Ultraschall eine Spirale gesehen, die gar nicht mehr da war. Und zum anderen: eine in den Bauchraum gewanderte Mirena Spirale muss nicht immer schmerzhaft sein.

Ich kann also allen Spiralen-Trägerinnen nur raten: wenn bei Euch auch nur die leisesten Zweifel bestehen, dass die Mirena Spirale nicht mehr da sein könnte, wo sie hingehört, lasst Euch lieber zur Sicherheit Röntgen. Vertraut da nicht vorschnell Euren Ärzten, wie ich es gemacht habe...

P.S.: Eine Spirale kommt mir nicht mehr in die Tüte (bzw. Gebärmutter)...

Liebe Grüße

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