Libidoverlust, Depression, Blasenprobleme (5,5 Jahre Mirena)

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derkaeptnblaubaer
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Libidoverlust, Depression, Blasenprobleme (5,5 Jahre Mirena)

Beitragvon derkaeptnblaubaer » 21.12.2014, 08:56

Als ich durch Zufall auf dieses Forum gestoßen bin, musste ich erst einmal weinen. Ich habe es nicht für möglich gehalten, dass so viele andere Frauen auch unter den Nebenwirkungen der Mirena leiden. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich mich mit meinen Problem ziemlich alleine gelassen gefühlt. :( Aufgrund der Beiträge hier habe ich mich entschlossen, meine Mirena nach 5,5 Jahren (die erste Mirena 5 Jahre Tragzeit, die zweite Mirena nur ein halbes Jahr) ziehen zu lassen. Hier ist nun mein Erfahrungsbericht:

Die Zeit mit der Mirena
Ich bin mittlerweile 26 Jahre alt und hatte mir die Mirena aufgrund zyklusbedingter Migräneanfälle legen lassen. Die erste Mirena habe ich gut vertragen: Hautverbesserung, keine Menstruation oder sonstige Schmierblutungen sowie fortan keine Migräne mehr. Da ich 5 Jahre später immer noch keinen Kinderwunsch hatte, verstand es sich von alleine, dass ich mir erneut eine Mirena legen lasse. Trotzdem ich keinerlei hormonelle Unterbrechung hatte, das heißt, die alte Mirena kam raus und die neue rein, vertrug ich die neue Mirena von Anfang an nicht gut:

Seit der Einlage im Januar 2014 hatte ich mit starken Stimmungsschwankungen bis hin zu Depressionen zu kämpfen. Ich bin normalerweise ein fröhlicher Mensch, doch seit der neuen Mirena lachte ich kaum noch. Ich war häufig weinerlich und ging bei Kleinigkeiten, die mich störten, sofort an die Decke. Im Nachhinein sehe ich erst, wie oft ich eigentlich bei Unwichtigkeiten komplett ausgerastet bin. Mir war klar, dass kein Grund zum Unglücklichsein bestand, doch so oft ich dies auch vor mich hinsagte, es änderte nichts an meiner Stimmung. Wenn ich mich mit Leuten traf, musste ich mich zwingen fröhlich und heiter zu wirken und quälte mich so von Tag zu Tag. Am liebsten wäre ich an manchen Tagen alleine zu Hause gewesen und hätte jeden Kontakt vermieden.

Neben der depressiven Stimmung stellte der Libidoverlust das wohl größte Problem dar. Lust verspürte ich seit Januar praktisch gar nicht mehr. Gleich Null. Keinerlei Interesse an Männern, keinerlei Interesse an Sex. Mein Freund, der mich mit „alter“ und „neuer“ Mirena kannte, wies mich des Häufigeren darauf hin, dass ich mich seit der neuen Mirena charakterlich verändert habe und keinerlei Interesse mehr an ihm zeige. Er war sehr verständnisvoll und geduldig und wir hofften, dass sich mein Körper an die neuen Hormone nach einiger Zeit gewöhnen und alles wieder normal werden würde. Leider änderte sich auch nach sechs Monaten Tragezeit nichts.

Wegen den beiden Probleme war ich im Frühjahr in Hamburg bei verschiedenen Frauenärzten vorstellig geworden, aber alle haben es auf den „neuen Hormonschub, an den sich der Körper gewöhnen muss“ geschoben oder gesagt, „dass das bei Frauen mit der Lustlosigkeit schon einmal vorkommen kann“. Eine Frauenärztin ging sogar so weit und empfahl mir, zum Neurologen zu gehen und Antidepressiva auszuprobieren. Sie „könne da nichts machen“. Mein Freund und ich waren zunehmend verzweifelt.

Zu den beiden Hauptproblemen kommen noch folgende weitere Nebenwirkungen, die ich auf die neue Mirena zurückführen kann:
• Auch wenn es peinlich ist, aber ich litt zunehmend unter Vergesslichkeit und fühlte mich benebelt. Es geht so weit, dass ich mich mein Konversationen nicht konzentrieren oder ich mich nicht mehr erinnern konnte, was ich vorgestern gemacht habe. Ich stand praktisch neben mir.
• Ich bin ängstlich geworden (vor Schnelligkeit, aber auch Verlustängste/Angst zu Sterben).
Kopfschmerzen und manchmal Migräneanfälle, die bei der ersten Mirena weggefallen waren, kamen nun wieder.
• Ich leide häufig unter Infekten „unten herum“. Besonders Juckreize und Blasenentzündungen plagen mich. Die Blasenprobleme, die zeitweise auch schon unter der alten Mirena da waren und sich auch nach mehreren Arztbesuchen („Sie sind soweit gesund.“) nicht erklären lassen, wurden so schlimm, dass ich keinen Tag mehr ohne die Einnahme von Blasentees und Cystinol Akut verbringen konnte. Ich würde mich mittlerweile als Expertin in Sachen Blase beschreiben, denn ich habe alle Tipps und Tricks ausprobiert.

Nach einem halben Jahr, im August 2014, haben mein Freund und ich es nicht mehr ausgehalten. Unsere Beziehung litt zunehmend unter meinen Beschwerden und er gab ehrlich zu, dass er meine Laune und das Libidoproblem nicht mehr ertrug. Ich hatte ihn das halbe Jahr mehr oder weniger mit Ausreden hingehalten, denn ich wollte es insgeheim nicht wahrhaben, dass die Mirena, die sonst so eine „bequeme“ Verhütungsmethode ist, die Ursache für all die Probleme war.

Rückblickend muss ich sagen, dass ich mir lange Zeit etwas vorgemacht habe. :? Ich kann nur jede Frau ermuntern, die Symptome aufmerksam zu beobachten und rechtzeitig den Entschluss zum Ziehen der Mirena zu fassen.

Die Zeit nach der Mirena
Es sind mittlerweile 5 Monate seit der Entnahme der Spirale vergangen und ich konnte folgende Veränderungen feststellen:
• Meine Stimmung wurde innerhalb eines Tages bereits besser, was aber nur vorübergehend anhielt. In den nächsten Wochen und Monaten hatte ich immer wieder mit Depressionen zu tun. Besonders schlimm waren die 2-3 Tage vor der Periode. Die PMS-Symptome sind so stark, dass ich für die Zeit meistens nicht unter Leute gehe. Ich habe bislang keine Lösung dafür gefunden. :(
• Zwei Tage nach dem Ziehen der Mirena hatte ich für zwei Tage leichte Abbruchblutungen. Die erste richtige Periode setzte nach 6 Wochen ein und war sehr stark. Seitdem ist der Zyklus regelmäßig und eher schwach, wie es auch früher bei mir der Fall war. Leider leide ich seitdem unter starken Wassereinlagerungen in den Brüsten, die 7-10 Tage vor der Periode anfangen und erst am 2. Tag der Periode abklingen.
Kopfschmerzen kommen nun ungefähr 1x im Monat vor. Sie sind aber nicht mehr migräneartiger Natur und gehen innerhalb von 1-2 Tagen von alleine weg.
• Die Anzahl der Blasenentzündungen ist DEUTLICH zurückgegangen. Innerhalb der letzten 5 Monate nur 1x und das aufgrund von häufigem Sex (:D). Ich kann definitiv sagen, dass die Infekte durch die sich mit der Mirena ändernde Scheidenflora zustande kamen.
• Zum Schluss noch zum Thema Libidoverlust: Ich habe lange seit der Entnahme warten müssen, aber nach 4-5 Monaten kam sie wieder. Erst langsam, später wollte ich auf einmal jeden Tag Sex haben. Nun würde ich meinen Sexdrive als „gesund“ bezeichnen. Ich habe mich seit der Entnahme sehr unter Druck gesetzt, dass es wieder normal wird, aber letztlich kann man nichts anderes machen, als abwarten. Es kommt wieder – versprochen! :)

Ich hoffe, ich konnte euch mit meiner Geschichte helfen. Falls ihr Fragen oder Anmerkungen habt, schreibt mir gerne. Bitte nehmt die Symptome der Mirena sehr ernst, bei mir hat es zu 6 Monaten verschwendeter Lebenszeit und beinahe zum Ruin meiner Beziehung geführt!

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