Mirena heute gezogen - nach einem halben Jahr Leiden

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Katzenauge
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Mirena heute gezogen - nach einem halben Jahr Leiden

Beitragvon Katzenauge » 07.01.2015, 21:17

Liebe Frauen

Zuerst einmal: ich atme auf! Heute habe ich mir die Mirena nach genau einem halben Jahr ziehen lassen. Und der Entscheid dazu (der gemäss meinem Bauchgefühl und meinem Intellekt richtig war) habe ich v.a. dank diesem Forum fällen können.

Am 03.04.14 habe ich mein zweites Kind, einen zweiten Sohn, geboren. Noch in den ersten 2 Monaten nach der Geburt ist meinem Mann und mir was ganz Dummes und Unverantwortliches passiert, und zwar hatten wir ungeschützten Sex, da ich (38 Jahre alt) in meiner Dummheit und Unwissenheit dachte, ich könne in den ersten paar Monaten nach der Geburt und während des Vollstillens nicht schwanger werden. Nun denn: bin noch innerhalb eines Tages schlauer geworden und musste die Pille danach schlucken. Nach dieser unnötigen und unschönen Erfahrung war mir klar: wir brauchen eine zuverlässige Verhütungsmethode! Etwas, was idiotensicher ist und wo man nichts falsch machen kann. Da mir mehrere Freundinnen schon die HS empfohlen hatten, sprach ich meine Frauenärztin am Nachkontrolltermin zur Geburt darauf an. Sie empfahl mir die Mirena wärmstens (viel mehr als die Kupferspirale übrigens), da sie so hochzuverlässig sei und die Hormonbelastung enorm gering sei. Sie sagte, sie hätte eigene Statistiken über die HS geführt und aus 1000 Patientinnen hätten nur so und so viel (sehr wenige) die Nebenwirkungen Akne und Gewichtszunahme gehabt. Bei der überwiegenden Mehrheit der betroffenen Patientinnen seien diese Nebenwirkungen aber nach ca. 1 Jahr verschwunden.

So entschied ich mich denn für die Mirena und liess sie mir Anfangs Juli 14 (ohne Anästesie) einsetzen. Das Einlegen empfand ich schon als etwas schmerzhaft, aber nicht so sehr, wohl da ich bereits zwei Kinder geboren hatte.
Nach dem Einsetzen hatte ich ein paar Wochen lang Schmierblutungen und leichte Schmerzen. Ein stetiges Ziehen im Unterleib war mein treuer Begleiter. Bei der Nachkontrolle ein Monat später stellte die Frauenärztin fest: sie sitzt gut und richtig. Sie versprach mir, das Ziehen werde vorbei gehen.

Die Schmierblutungen gingen nach ca. 2 Monaten vorbei und ich bekam eine kurze, leichte Menstruation ca. 1x/Mt. So weit, so gut. Das Fremdkörpergefühl ging jedoch nicht weg. Immer wieder mal, wenn ich innehielt, spürte ich da unten etwas. Haarausfall kriegte ich und zwar deftig. Gut, der hing v.a. auch mit der Hormonumstellung nach der Geburt zusammen. Er war aber massiv heftiger, als er im 2011 nach der Entbindung von meinem ersten Kind gewesen war. Die schlimmeren Nebenwirkungen kamen erst etwas später, schrittweise: zuerst Gewichtszunahme, sodann massive Stimmungsschwankungen, Aggressivität, Nervosität, depressive Verstimmungen, Verlust der Libido.

Ca. September 14 fing ich an, meinem älteren Sohn gegenüber immer häufiger die Nerven zu verlieren und ihn höchst aggressiv zu behandeln (anschreien, körperlich grob behandeln, wenn auch nicht schlagen). Auch dem Baby gegenüber wurde ich aggressiv, was ich aber alles auf das häufige Weinen wegen diversen Infekten (aus der Kita) schob. Meine Nervosität schob ich auf meinen Wiedereinstieg in den Job (bin aus der Schweiz, wo man keinen langen Mutterschaftsurlaub geniesst - bin nach nur 5 Monaten wieder eingestiegen). Überhaupt schob ich alles, mein ganzen schlimmes Verhalten und meine Fast-Nervenzusammenbrüche immer nur auf die schlaflosen Nächte und den Stress, den die 60%-Erwerbstätigkeit zusammen mit Mami-von-2-Sein so mit sich bringt...

Im November 14 diagnostizierte mir eine Psychologin eine postnatale Depression. Weil ich nur noch weinte, alles als völlig hoffnungslos sah und eine tiefdepressive Phase hatte. Im Dezember bestand sie darauf, dass ich mit der Einnahme von Anti-Depressiva beginnen solle, was mir aber zutiefst widerstrebte. Ich wiederum blieb dabei, dass ich es zunächst mit Johanniskraut-Tabletten versuchen wolle, und fing auch damit an. Ab 20.12.14 hatte ich sodann 2 Wochen Ferien zuhause, mitsamt Mann und Kindern. Und siehe da: plötzlich hatte ich Zeit, auch einmal nur rumzusitzen bzw. viel zu schlafen, und v.a. auch: mich zu spüren! Da bemerkte ich, dass ich eigentlich ein stetiges Ziehen und ständige Schmerzen in der Gebärmutter hatte. Stets tat es weh. Ich fing an zu googeln, ob das tatsächlich von der HS kommen könne und ob das eine verbreitete Nebenwirkung sei. Und stiess - wie ihr alle auch - auf dieses Forum und auch noch ein paar andere kritische Seiten.

Depression, Stimmungsschwankungen, Nervosität, Aggressivität, Verlust der Libido - hallo?! Genau DAS wars, was bei mir auch abging!! Und die ständigen Schmerzen.... Ich erkannte, dass ich eine andere geworden war, und dass dieser Wandel nicht nur vom Stress und den schlaflosen Nächten mit krankem Baby gekommen war, sondern mit Garantie durch die Mirena ausgelöst worden war. Klar, ich meine schon, dass meine schwierige Situation (mein Mann pendelt jeden Tag 3 Stunden und unternimmt fast jeden Monat eine geschäftliche Auslandsreise; unser Baby war jeden Monat eine Woche krank seit meinem Wiedereinstieg) die Depression und die nervösen und aggressiven Zustände begünstigt hat. Aber erst zusammen mit der Mirena konnte es mir so lausig gehen. Ohne Mirena wäre ich NIE in dieses Loch gefallen! Und die Libido: die hatte ich schon einmal vor ca. 15 Jahren wegen der Pille verloren, weshalb meine damalige Beziehung in die Brüche ging. Die Pille hätte ich danach nie mehr genommen, aber der HS wollte ich wegen ihrer geringen Dosierung eine Chance geben. Aber eben: diesen lustlosen Zustand, in dem ich mich nach ein paar Monaten Mirena befand, erkannte ich wieder. Hormone machen genau das mit sehr vielen Frauen!!!

Heute habe ich die Mirena also bei einer anderen Ärztin ziehen lassen. Die war etwas neutral und zurückhaltend und meinte, sie hätte erst einmal eine HS frühzeitig entfernen müssen. Sie sagte aber auch, dass man wohl dann an bestimmten Nebenwirkungen zu leiden beginnt, wenn man eben genau zu diesen Nebenwirkungen neigt. Gewichtszunahmen, depressive Verstimmungen, Aggressionen? Nichts, was mir völlig fremd ist, aber nicht in diesem Ausmass. Ich kann diese Aussage der Ärztin daher nur bestätigen.

Das Beste jetzt aber noch zum Schluss: Beim Kontrolltermin ein Monat nach Einsetzen der HS machte meine Frauenärztin komische Bemerkungen. Sie sagte, es würden sie sehr viele Berichte über die Mirena im Internet finden, die aber allesamt erstunken und erlogen wären. Es gebe Leute, die "den Frauen dieses tolle und zuverlässige Verhütungsmittel nicht gönnen" würden und die aus diesem Grund gegen die Mirena agitieren würden. In den USA sei es diese Erin Brockovich, die wohl nur wieder Geld machen wolle. Man dürfe den Berichten im Internet nichts glauben. Das alles hatte sie mir gesagt, ohne dass ich gross kritische Äusserungen gemacht hatte! Gaaaaanz komisch, das! Dabei findet man solch kritischen Erfahrungsberichte auf Internetforen verschiedenster Herkunft: Deutschland, Österreich, Schweiz, USA, Grossbritannien, Spanien.... Und die schiere Anzahl der Berichte ist enorm gross und sie wirken allesamt sehr authentisch. Ich habe daher recht schnell verstanden: die Nebenwirkungen werden von ärztlicher Seite und von Herstellerseite verharmlost bzw. schöngeredet. Dabei können sie sehr drastisch sein und kommen sicherlich häufiger vor, als es zugegeben wird. Und klar: die Frauenärzte verdienen schön daran, wenn ich auch meiner Ärztin, so wie ich sie kenne, gerade diesen Grund nicht ankreiden würde. Sie ist von der Sicherheit dieser Verhütungsmethode überzeugt und so viel ich weiss, hat sie hier ja auch recht.

Mein Rat an alle Frauen: Überlegt es euch gut, ob ihr die Mirena ausprobieren wollt. Ich kenne einige Frauen, die sie gut vertragen haben. Bei mir war das aber nicht der Fall. Die letzten 6 Monate hätten von mir aus nicht sein müssen. Also: sich selbst gut beobachten, spüren und v.a. vertrauen und nicht zu lange warten und bald wieder entfernen lassen, wenns nicht stimmt!!

Ich wünsche euch allen gute Genesung und: Hört auf euch selbst!

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