Nie wieder Hormone!

Schreibe uns hier Deine Erfahrungen mit der Hormonspirale.

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Henut
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Nie wieder Hormone!

Beitragvon Henut » 10.03.2015, 13:25

Ich möchte auch meine Erfahrungen mit Mirena hier posten, in der Hoffnung, dass es andere Frauen davon abhält, ihrem Körper das anzutun, was ich in Unwissenheit meinem zugemutet habe.

Zu Weihnachten 1998 wurde mein zweiter Sohn geboren. Ich war damals 27 Jahre alt und kerngesund. Nachdem die Nachblutungen zum Stillstand gekommen waren, also ca. 6 bis 8 Wochen nach der Entbindung, ließ ich mir die Hormonspirale Mirena setzen. Ich hatte davor von 1990 bis 1995 die Pille in verschiedener Ausführung genommen, sie aber ein Jahr vor meiner ersten Schwangerschaft abgesetzt, weil ich keines der probierten Präparate vertragen hatte. Meine Libido war zu diesem Zeitpunkt nicht besonders ausgeprägt. Ob es an der Pille lag oder an einer extremen Verengung meiner Vagina, die jeden Verkehr zu einer schmerzhaften Angelegenheit machte (dieses Problem wurde Gott sei Dank durch die Geburt meines ersten Sohnes behoben), kann ich nicht sagen. Auf jeden Fall stand für mich außer Frage, den Rest meiner fruchtbaren Jahre die Pille zu nehmen. Da mein Mann keine weiteren Kinder mehr wollte, ich daher nach einer sicheren Verhütungsmethode suchte, stieß ich schon bald auf die Hormonspirale Mirena. Sie wurde überall in höchsten Tönen gelobt, aber ich war kritisch, weil auch sie mit Hormonen arbeitete. Also ließ ich mich von meiner damaligen Gynäkologin beraten. Es hieß, Mirena würde nur innerhalb der Gebärmutter minimalste Dosen von Hormonen abgeben, wäre also absolut sicher und Nebenwirkungsfrei. Gerade deswegen würde sie sich für Frauen wie mich, die die Pille nicht vertrugen, anbieten. Außerdem könne ich damit rechnen, die nächsten Jahre keine Regelblutungen mehr zu haben, wenn ich sie kurz nach der Entbindung einsetzen lassen würde. Das klang alles so gut, dass ich mich dafür entschied, ohne je einen Beipacktext oder eine Informationsbroschüre erhalten zu haben. Die Spirale kam rein und tatsächlich, es stellte sich keine Periode mehr bei mir ein, was mich am Anfang natürlich sehr begeisterte.
Nachdem ich nach der Geburt meines ersten Kindes endlich einen schmerzfreien Geschlechtsverkehr mit meinem Mann genießen konnte, ließ die Freude daran nach dem zweiten Kind plötzlich wieder rapide nach. Anfangs schob ich es auf die Umstände. Zwei kleine Kinder, in kurzem Abstand geboren, waren anstrengend. Das Zweite wurde wegen einer Allegie auf Kuhmilch zwei Jahre gestillt, daher hegte ich auch keinen Verdacht, wieso mir oft die Brüste weh taten und gleich um zwei Körbchengrößen angewachsen waren. Dass ich auch sonst oft ausgelaugt, niedergeschlagen und unruhig war, schob ich auf alles andere, nur nicht auf die Mirena. Und dass mir büschelweise die Haare ausgingen lag wohl an irgendwelchen Mangelerscheinungen durchs Stillen. Nach Ablauf der Karenzzeit stieg ich wieder aus finanziellen Gründen in Vollzeit ins Berufsleben ein. Natürlich bedeutete das jede Menge Stress, schlechtes Gewissen, Ausbeutung der eigenen Kräfte, um der Familie gerecht zu werden. Dazu kamen Probleme mit einer Kollegin im Büro, Geldsorgen und der stille Wunsch nach einem dritten Kind, den mein Mann nicht mit mir teilte. Da wunderte es mich nicht, dass ich von Tag zu Tag müder und trauriger wurde. Zeitweise hatte ich sogar das Gefühl, mein Körper würde mir eine erneute Schwangerschaft vorgaukeln. Dann bekam ich Herzrhythmusstörungen, die am EKG nachweisbar waren. Mein Hausarzt sprach von Stresssymptomen und ich trat den Schritt nach vorne an, löste das Problem im Büro und merkte tatsächlich nach einiger Zeit eine Verbesserung. Nach Monaten verschwanden die Herzrhythmusstörungen wieder. Heute weiß ich, dass damals meine Hashimoto-Erkrankung ihren Anfang nahm, vermutlich ausgelöst durch die Hormonspirale und das von ihr verursachte Hormonchaos in meinem Körper.
Ich hatte die Spirale etwa 3 ½ Jahre, da bemerkte ich plötzlich von Zeit zu Zeit einen stechenden Schmerz in meiner linken Brust. Ich wusste sofort, da stimmt etwas nicht, obwohl ich nichts tasten konnte. Meiner Frauenärztin musste ich eine Überweisung zur Mammographie geradezu abringen, weil sie es als lächerlich empfand, mit Anfang 30 schon zur Brustkontrolle gehen zu wollen. Am Röntgen war nichts zu erkennen, aber im Ultraschall tauchte dann plötzlich ein Knoten auf. Seine Form war ausgefranst und dadurch nicht eindeutig als Fibroadenom zu identifizieren. Nach mehreren Mammographien, einer CT-Untersuchung sowie zwei Biopsien war weiterhin unklar, ob gut- oder bösartig, also entschloss ich mich letztendlich dazu, den Knoten ein dreiviertel Jahr nach Entdeckung operativ entfernen zu lassen. Der Knoten war Gott sei Dank gutartig, hatte aber nach Aussagen meiner operierenden Ärztin durch die ungewöhnliche Form Potential, später zu entarten. Sie riet mir auch, die Mirena ziehen zu lassen, da sie in den letzten Jahren ein gehäuftes Auftreten von Brustkrebs bei Mirena-Trägerinnen beobachtet hatte. Ich solle das aber für mich behalten, es wäre nur ihre eigenen Ansicht. Ich beschloss, sobald ich einen neuen Frauenarzt gefunden hatte (der vorherigen Ärztin hatte ich Aufgrund ihres Widerstands gegen die Mammographie mein Vertrauen entzogen), die Spirale ziehen zu lassen.

Sieben Tage nach der Brust-OP ging mein Albtraum dann aber erst richtig los.
Am Entlassungstag spürte ich am Abend das typische Brennen und Jucken einer beginnenden Pilzinfektion, an der ich stets zu leiden begann, wenn ich Antibiotika nehmen musste. Ich hatte noch die üblichen Medikamente vorrätig daheim und nahm sie, um das Übel im Keim zu ersticken, doch sie halfen nicht. Da ich drei Tage nach der Entlassung zum Nähte ziehen zurück ins Spital musste, wollte ich mich dort untersuchen lassen, um besser geeignete Medikamente zu erhalten. Kurz bevor ich auf dem Untersuchungsstuhl Platz nahm, bekam ich plötzlich eine starke vaginale Blutung. Der behandelnde Arzt brach die Untersuchung ab, weil er nichts sehen könne, solange ich die Regel habe. Auf meine Erklärung, dass ich die Mirena und somit seit vier Jahren keine Regel mehr hätte, meinte er nur „nun, dann hat sie eben gerade wieder eingesetzt!“ Ich wurde ohne Medikamente nach Hause geschickt. Am Abend hatten sich auf meinen Schamlippen, die auf die dreifache Größe angeschwollen und völlig entzündet waren, Bläschen gebildet, die mit Flüssigkeit gefüllt waren und bei jeder Berührung höllisch schmerzten. Die Entzündung war auch in die Harnröhre gestiegen, so dass mir Wassser lassen nur noch im heißen Badewasser möglich war, mit einem Handtuch zwischen den Zähnen, um die Schmerzen zu ertragen. Am nächsten Morgen schleppte ich mich zurück ins Spital, denn die Blutung hatte am Vortag ca. nach einer halben Stunde geendet und war nicht wiedergekommen. Eine Ärztin warf einen Blick darauf und meinte, ohne einen Abstrich zu nehmen, das wäre eindeutig Herpes Genitalis. Im ersten Moment brach eine Welt für mich zusammen. Das war doch eine Geschlechtskrankheit, sowohl mein Mann und ich hatten vor unserer Partnerschaft noch keinen anderen Partner gehabt, ich selbst war nicht fremdgegangen, woher kam dann ein Herpes? Zum Glück habe ich meinem Mann, der mich heute noch nach 25 Jahren Beziehung auf Händen trägt, vertraut und ihm keine Szene gemacht, sonst wäre am Ende auch noch meine Ehe wegen einer Fehldiagnose den Bach runtergegangen. Aber natürlich bekam ich Herpes-Medikamente verschrieben. Sie reichten für zehn Tage. Nachdem die Packung leer war, trat erstmals eine Verbesserung der Beschwerden ein und ich dachte, das war es jetzt. Aber leider war das Gegenteil der Fall. 8 Wochen später brachen die Symptome erneut aus, noch heftiger als vorher. Ich also diesmal zu einem neuen Arzt, der einen Blick darauf warf und sagte „Herpes Genitalis, ganz klar!“ So schluckte ich die nächsten Jahre regelmäßig in Abständen von drei bis acht Wochen diese Medikamente, denn in diesen Abständen brach der Albtraum immer wieder bei mir aus. Mittlerweile war ich psychisch am Ende. Die Hormonspirale hatte ich mir ebenfalls von diesem Arzt ziehen lassen. Sie war viereinhalb Jahre in meinem Körper. Als er sie herausgeholt hatte, meinte der Gyn, ich hätte nur ein paar Tage länger warten müssen, dann wäre sie von alleine abgegangen, so weit unten saß sie bereits. Ich denke, mein Körper hat da schon begonnen, das Teufelsding abzustoßen. Die in immer kürzeren Abständen wiederkehrenden Entzündungen sorgten dafür, dass meine Haut so empfindlich wurde, dass sie bereits bei der sanftesten Berührung aufplatzte und blutete. Dazu juckte sie ständig. Der Gang zur Toilette war mir oft nur möglich, wenn ich vorher eine Lydocainhaltige Salbe, die zum Kathedersetzen verwendet wird, zwecks Betäubung aufgetragen hatte. Ich fühlte mich aussätzig und an ein normales Eheleben war nicht mehr zu denken. Jeder neue Geschlechtsverkehr sorgte dafür, dass ich am nächsten Tag sofort wieder Blasen bekam. Zwei Jahre nahm ich bereits Herpesmedikamente ein, als mir bewusst wurde, dass eine abklingende Wirkung immer erst nach der Einnahme der letzten Tablette einsetzte. Ich begann daran zu zweifeln, dass die Medikamente überhaupt eine Wirkung hätten und ging bei der nächsten Attacke erneut zu meinem Gyn, um von ihm eine sofortige Überweisung in ein Labor zu verlangen. Er schüttelte nur verständnislos den Kopf. Es wäre doch klar wie Kloßbrühe, dass ich einen Herpes hätte. Ich beharrte darauf, fuhr noch am selben Tag ins Labor, um dort von der Ärztin die gleiche Aussage zu hören. Eine Woche später teilte mir mein Gyn mit, dass der Befund nichts aufzeigte, was nicht in die natürliche Scheidenflora einer Frau gehören würde. Kein Herpes, kein Pilz, kein gar nichts. Auf meine Frage, was wir nun weiter tun sollten, meinte er wortwörtlich: „Gar nicht, denn wogegen soll ich Sie behandeln, wenn Sie gesund sind?“. Das war es dann mit meinem Vertrauen in Frauenärzte. Seit 2006 habe ich bis heute einen großen Bogen um jede gynäkologische Praxis gemacht. Allerdings muss ich demnächst einen neuen Versuch wagen, weil mittlerweile neue Beschwerden aufgetaucht sind. Aber dazu später.
Nervlich war ich danach ein Wrack, auch optisch begann ich mich zu verändern. Ich legte 14 Kilo Gewicht zu, bekam plötzlich starken Bartwuchs im Gesicht, starke Behaarung an den Brüsten und eine Schambehaarung die sich bald über meine Oberschenkel hinweg ausbreitete. All das nahm mir jegliches Selbstwertgefühl. Ein Enthaaren der Beine war kaum noch möglich, denn der Nachwuchs wuchs ein, es bildeten sich überall Eiterpusteln und Entzündungen. Meine Haut wurde teigig, ich hatte plötzlich Pickel im Gesicht, ein Doppelkinn wuchs. Ich fühlte mich wie ein entstelltes Monster, unfähig, meinen Mann glücklich zu machen, und das Schlimmste - ich begann langsam zu glauben, dass die Ärzte Recht hatten und ich eine Hypochonderin war! Ich sage deswegen Ärzte, weil mittlerweile noch zahlreiche andere Beschwerden aufgetreten waren. Da waren zunächst einmal akute Sehstörungen. Ständig sah ich verschwommen, ich konnte nicht mehr schnell fokussieren und nach dem Anpassen neuer Kontaktlinsen bekam ich plötzlich schwere Hornhautverletzungen und danach konnte ich nie wieder Kontaktlinsen tragen. Meine Augen stießen sie plötzlich ab. Davor hatte ich 24 Jahre keine Probleme damit gehabt, und selbst nach mehrjährigen Pausen scheiterte jeder neue Versuch, welche anzupassen. Eine Brille kann meinen Astigmatismus nur minimal korrigieren, also bin ich seitdem stark in meiner Sehleistung eingeschränkt. Dann leide ich seither an trockenen Schleimhäuten. Ständig ist mein Mund trocken, gleichzeitig habe ich aber eine starke Abneigung gegen das Trinken entwickelt. Ich muss mich zwingen, mehr als 1 ½ l Flüssigkeit am Tag aufzunehmen. Es gibt Tage, da trinke ich gar nichts, weil es mich so anwidert.
Ich habe ständig ein Kloßgefühl im Hals, Probleme zu schlucken. Dann bekam ich extremes Sodbrennen, das immer wieder in Intervallen auftritt. Am schlimmsten sind die Gelenkschmerzen und Muskelversteifungen. Es gab Tage, da kam ich morgens nur die Treppe runter, wenn ich mich mit beiden Händen am Geländer anhielt und vorsichtig im Seitwärtsgang runterstieg. Meine Finger sind heute noch steif und oft so angeschwollen, dass ich das Gefühl habe, sie würden gleich platzen. Meinen Ehering kann ich seit Jahren nicht mehr tragen. Eine Zeit lang ging ich wöchentlich zum Masseur, weil ich im Schulter-Nackenbereich so stark verspannt war, dass ich jeden Abend migräneartige Kopfschmerzen davon bekam. Nach zwei Jahren schmiss dieser das Handtuch und sagte, dass es aufs Gleiche hinauskäme, wenn er eine Betonplatte massieren würde. Er könne mir nicht mehr helfen. Meine Arbeit am Computer wurde jeden Tag zur Qual. Aber egal, zu welchem Arzt ich auch ging, immer waren alle Blutwerte in bester Ordnung, Röntgenbilder sagten nichts aus, und überall bekam ich mehr oder weniger dezent den Hinweis, mich in psychiatrische Behandlung zu begeben. Dann machte ich eine Zufallsentdeckung. Bei meinem Mann war Hashimoto diagnostiziert worden, er litt deswegen auch an zahlreichen Beschwerden und fand nichts dagegen. Ich interessierte mich zu dieser Zeit bereits stark für Kräuterheilkunde und machte Ausbildungen dazu, vor allem, um vielleicht etwas zu finden, was mir selbst helfen konnte. Damals fiel mir ein Magazin in die Hand, wo Alternativbehandlungsmöglichkeiten bei Hashimoto angeführt waren. Ich las den Artikel, fand eine Liste mit Symptomen und entdeckte meine eigenen in großer Zahl darin wieder. Drei Tage später war ich beim Endokrinologen und Bingo! Auch ich hatte Hashimoto. Meine Freude war groß (das muss man sich mal vorstellen, dass man sich zu freuen beginnt, wenn eine Krankheit diagnostiziert wird, aber der Leidensdruck war da schon so stark, dass mir die Diagnose wie ein Rettungsanker erschien!), denn ich dachte, nun hätte ich endlich eine Möglichkeit, meine Beschwerden loszuwerden, aber meine Werte waren in einem Bereich, wo man noch keine Hormone verordnen würde. Da ich allerdings so viele Symptome hatte, verschrieb man mir probeweise Euthyrox. Eine Woche nach Einnahmebeginn bekam ich noch einmal die sogenannte „Herpes“-Attacke, aber in gemäßigter Form, danach hatte ich zwei Jahre Ruhe. Die Muskelversteifungen verschwanden auch quasi über Nacht. Aber neue Beschwerden tauchten auf. Plötzlich hatte ich ständig Zahnschmerzen, ich ließ sogar einen gesunden Zahn wurzelbehandeln, weil ich es nicht mehr aushielt. Mein Blutdruck wechselte ständig zwischen zu nieder und zu hoch hin und her, mein Ruhepuls war schon seit Jahren, eigentlich ziemlich genau seit ich Mirena hatte setzen lassen, zu hoch. Er bewegt sich stets zwischen 85 und 120 hin und her. Ständig war mir schwindelig, teilweise wurde mein Gang dadurch unsicher. Ich bekam Konzentrationsstörungen, hatte manchmal Probleme, Wörter zu finden, wenn ich schnell sprach, und ich vergaß unheimlich viel. Meine Verdauung funktionierte nicht mehr richtig, ständig hatte ich Blähungen und Durchfall. Meine Nase war laufend verstopft und morgens war mein Rachenraum völlig verschleimt und ich musste erst alles abhusten, um überhaupt reden zu können. Plötzlich vertrug ich viele Lebensmittel nicht mehr, mein Gewicht hatte sich seit dem Entfernen der Spirale um 14 Kilo gesteigert, obwohl ich nicht anders aß als sonst, mich nach wie vor viel bewegte. Allerdings musste ich mit dem Walken aufhören, weil die Gelenkschmerzen unerträglich wurden. Dann kam das Herzrasen dazu. Vor allem abends, wenn ich mich aufs Sofa legte, ging es damit los. Es machte mich so unruhig, dass ich nachts einfach nicht zur Ruhe kam und meistens bis weit nach Mitternacht aufblieb. Nächtliche Schweißausbrüche sorgten zusätzlich für Schlafentzug.
Ich wurde auf Nebennieren-Insuffizienz getestet – negativ. Ich unterzog mich Rheuma- und Gichtuntersuchungen – negativ. Ich machte Allergietests – negativ. Nach zwei Jahren Euthyrox riet mir ein Heilkräuter-Ausbildner, die Hormone abzusetzen und pflanzlich zu behandeln. Das half mir neun Wochen, danach kam der totale Absturz. Die Vaginal-Entzündungen kamen sofort wieder, allerdings in größeren Abständen und weniger aggressiv, seit etwas mehr als eineinhalb Jahren habe ich endlich Ruhe davor.
Von diesem Zeitpunkt an schleppte ich mich nur noch jeden Tag unter großer Kraftanstrengung ins Büro, ich wurde vom einstmals schaffensfreudigen Menschen zum antriebs- und kraftlosen Individuum, das für nichts mehr zu gebrauchen war und ist. Mittlerweile sorgt jede noch so kleine körperliche Anstrengung für Atemnot und Druckgefühl im Kopf sowie dem Gefühl, als ob mein Brustkorb in eine Stahlklammer gepresst würde und sich nicht mehr ausdehnen kann.
Ich hatte letzten Sommer einen Termin beim Kardiologen, ein Blutdruckprotokoll über mehrere Monate in der Tasche, auf dem klar ersichtlich war, dass meine Werte immer viel zu hoch wären, wurde dann aufs Ergometrierad gesetzt, wo ich nach vier Minuten einen Kreislaufkollaps erlitt. Ein 24-Stunden-EKG ergab, dass ich laufend Extrasystolen habe. Das Fazit des Spezialisten: alles in Ordnung, gehen Sie mehr Rad fahren! Auf mein Gegenargument, dass ich kurz davor am Rad kollabiert wäre, kam der Rat, ich solle mir ein E-Bike zulegen, wenn mich Steigungen so anstrengen würden.
Ein Arzt im AKH wollte mich, nachdem er meine gesamte Vorgeschichte gehört hatte, gleich zum Psychologen schicken, weil er ohne Untersuchung schon vorab überzeugt war, dass beruflicher Stress und private Probleme der Auslöser wären. Als ich daraufhin sofort ja sagte, wenn es mir denn helfen würde, meine Schmerzen los zu werden, war es plötzlich kein Thema mehr. Offensichtlich wird man ernster genommen, wenn man bereit ist, sich auf die Psychocouch zu legen, um endlich wieder ein menschenwürdiges Leben führen zu können, als wenn man darauf beharrt, dass die Psyche in Ordnung wäre. Wobei ich selbst dankbar bin, über eine stabile Psyche zu verfügen, denn ohne diese und ohne den Rückhalt meines Mannes hätte ich die letzten sechzehn Jahre nicht durchgestanden.
Im Augenblick haben sich meine Gelenkschmerzen minimal verbessert, ich komme wieder im normalen Gang eine Treppe hinunter. Aber nun merke ich, dass meine Brüste wieder extrem schmerzen, wenn ich in der zweiten Hälfte meines Zyklus bin. Außerdem spüre ich wieder während der Regel ein schmerzhaftes Ziehen im Unterleib, wie ich es nur aus meinen Teenagertagen kenne. Auch der Eisprung, den ich immer durch ein leichtes Ziehen wahrgenommen habe, macht sich nun als stechender Schmerz bemerkbar. Ich habe auch beobachtet, dass meine Schmerzschübe mit dem Zyklus zusammenhängen. Immer um den 14. Tag herum werden die Gelenkschmerzen schlimmer, nimmt das Herzrasen zu, kommen die nächtlichen Schweißausbrüche. Wenn die Regelblutung aufhört, wird mein Befinden wieder besser, bis zum nächsten Eisprung. Da ich jetzt 43 Jahre alt bin, habe ich schon vermutet, dass mein Wechsel beginnt. Durch die aktuellen Beschwerden habe ich mir nach langem Ringen wieder einen Gynäkologen gesucht und einen Termin ausgemacht. Durch mein Nachdenken, was ich ihm alles erzählen werde, kam mir die Mirena wieder in den Sinn und plötzlich hatte ich das Bedürfnis, zu googeln, ob es einen Zusammenhang zwischen der Mirena und meinen Beschwerden gäben könnte. Was ich dann im Netz fand, hat mir erst einmal den Boden unter den Füßen weggezogen und mich unendlich wütend gemacht. All die vergeudeten Jahre! All die Schmerzen, die Demütigungen bei Arztbesuchen! Heute bin ich mehr als zuvor überzeugt davon, dass ich durch Mirena auch eine Freundin verloren habe. Wir haben zeitgleich Kinder bekommen und uns auch zeitgleich die Spirale bei derselben Ärztin setzen lassen. Beide erhielten wir keine Auskunft über die Nebenwirkungen. Ich hätte sie nicht erhalten dürfen, weil ich die Pille nie vertragen habe, meine Freundin nicht, weil sowohl ihre Mutter als auch ihre Großmutter Brustkrebs hatten und sie zur Risikogruppe zählte. Nach meiner OP und der Aussage der operierenden Ärztin riet ich ihr dringend, sie ebenfalls ziehen zu lassen, aber sie hatte keine Nebenwirkungen, fühlte sich wohl damit und ließ noch eine zweite legen. 2008 erkrankte sie an einer besonders aggressiven und spontanen Form des Brustkrebses und erlag ihm zwei Jahre später. Ihre drei Kinder müssen nun ohne Mutter aufwachsen. Es macht mich einfach nur fassungslos, wie hier mit Millionen von Frauen umgegangen wird! Man hat uns bewusst mit diesem Dreck vergiftet, uns als Versuchskaninchen missbraucht! Ich kann nicht glauben, dass Mirena immer noch am Markt erhältlich ist, dass sie mittlerweile sogar Teenagern eingesetzt wird! Ich habe übrigens nie wieder nach Entfernen der Spirale Verhütungsmittel zu mir genommen. Mein Mann benutzt Kondome und ich bin auch nicht mehr schwanger geworden. Meine Libido ist erst vor etwa zwei Jahren langsam zurückgekehrt. Noch fällt es mir aber schwer, mich fallen zu lassen, denn die Angst im Hinterkopf, dass möglicherweise wieder etwas ausbricht, wenn ich Sex habe, ist noch zu groß. Ich weiß nicht, ob ich jemals wieder ein normales, beschwerdefreies Leben führen kann, ob die Nebenwirkungen jemals nachlassen. Ich habe seit zehn Jahren das Gefühl, im Körper einer alten Frau zu stecken. Jetzt, wo ich mir sicher bin, in Mirena die Wurzel allen Übels gefunden zu haben, trauere ich auch massiv um die Zeit, die ich verloren habe. Es waren doch die besten Jahre im Leben einer Frau, wenn sie jung und gesund sein sollte, mit Freude und Elan ihre Kinder großziehen und Spaß am Leben haben könnte. Stattdessen waren sie geprägt von Schmerzen, Entsagungen und dem ständigen Gefühl, vom eigenen Körper und von allen Ärzten im Stich gelassen zu werden. Ich weiß auch im Moment gar nicht, wie ich nun mit dem Wissen umgehen soll. Wohin kann ich mich wenden? Gibt es überhaupt Hilfe in meiner Situation? Kann ich jemals wieder gesund werden? Was kann noch alles auf mich zukommen? Und vor allem – wird es jemals offiziell anerkannt werden, dass uns Mirena krank gemacht hat und werden die Verursacher zur Verantwortung gezogen? Den Termin beim Frauenarzt habe ich storniert. Er warb auf seiner Homepage für Mirena. Ich hoffe, einen Arzt zu finden, der mit homöopathischen Ansätzen behandelt, aber ich suche noch nach dieser raren Spezies…

Mein Fazit: lasst die Finger von Mirena! Es mag sein, dass manche Frauen diese Spirale ohne Nebenwirkungen vertragen, aber keine kann wissen, wie sie sich auf den eigenen Körper auswirkt. Und auch die, die jetzt noch keine Probleme haben, wissen nicht, welche Folgewirkungen später mal auf sie zukommen könnten. Wäre ich damals über die möglichen Nebenwirkungen aufgeklärt worden, hätte ich dankend abgelehnt, mir viel Geld, eine Operation, Schmerzen ohne Ende und viele verlorene Jahre erspart.

Liebe Grüße

Andrea

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