Vier Jahre gelitten, jetzt wieder OK

Schreibe uns hier Deine Erfahrungen mit der Hormonspirale.

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Johannes
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Vier Jahre gelitten, jetzt wieder OK

Beitragvon Johannes » 06.04.2016, 04:12

Hallo Forum,

seit Jahren will ich hier meine Erfahrungen als Mann einer Mirena-geschädigten Frau schildern, und zwar vor allem, um zukünftiges Leiden anderer Menschen zu verhindern, aber auch, um mir das ganze mal von der Seele zu reden. Es fiel mir bisher zu schwer, das ganze in Worte zu fassen, und auch jetzt habe ich erst mal nur vor, ganz kurz zu schreiben, weil mir schon der Puls hoch geht, wenn ich nur an diese äußerst schlimme Zeit zurückdenke. Ich schätze, um alle relevanten Erlebnisse gerecht zu schildern, müsste ich 10 bis 20 Seiten schreiben. Vielleicht mache ich es später noch.

Hier die Geschichte:

Meiner Frau wurde Mirena im Oktober 2008 eingesetzt und im Juli 2012 gezogen. Von 2010 bis 2014 haben die Nebenwirkungen meine Frau schwer belastet und von Mitte 2012 bis Mitte 2014 drehte sich unser ganzes Leben nur um die Bekämpfung der katastrophalen Auswirkungen dieser verdammten Hormone. Heute (April 2016) ist das Leben wieder im Lot, bis auf gelegentlichen Schwindel. Wir haben noch ein zweites Kind bekommen und verhüten mit einer normalen Spirale, ohne Probleme.

In der ganzen Zeit hat meine Frau so viele Ärzte besucht, dass ich es nicht mehr nachhalten kann. Neben Hausarzt und Frauenarzt: Orthopäden, Neurologen, CT, Psychiater, Psychotherapeut, Internisten, was weiß ich alles, bis hin zum monatelangen stationären Klinikaufenthalt. Das hat die Krankenkasse und damit unser Sozialsystem eine riesige Stange Geld gekostet und auch uns privat finanziell belastet wegen der ganzen Medikamente und Eigenleistungen (großes Blutbild z.B.). Ich habe eine sehr große Wut auf Bayer und wünschte, die würden auf Milliarden verklagt wegen dem Mist. Und ebenfalls wütend bin ich auf den Frauenarzt, der die Mirena angeboten und eingesetzt hat, vor allem weil er meine Frau einmal, noch bevor es ganz schlimm wurde, überredet hat, die Mirena nicht vorzeitig ziehen zu lassen, was sie wegen den ganzen Symptomen eigentlich machen wollte (das übliche, "wirkt nur lokal, kann gar nicht sein" - statt dessen hat er ihr eine Östrogenbehandlung verpasst, nach dem Motto, das sind die Wechseljahre! Mit Anfang 30, klar.). Ich fühle mich auch mitschuldig und bin wütend auf mich selbst, weil ich damals auch nicht daran geglaubt habe, dass die Mirena Schuld an der Misere war, und mich nicht besser informiert habe. Das war sehr dumm. Erst nachdem die Mirena gezogen war, habe ich angefangen zu googeln und habe die ganzen Fälle mit paralleler Leidensgeschichte entdeckt, das war schon ein Schock.

Hier die gröbsten Symptome in der Anfangszeit, als es noch nicht katastrophal war:
- Kopfschmerzen (stärker als gewöhnlich)
- Brustschmerzen
- niedriger Blutdruck
- Schwindel
- Unruhe
- Haarausfall
- Schilddrüsenunterfunktion
- Kribbeln in Armen, nachts
- Libido weg

Richtig schlimm für die ganze Familie (wir beide, unser Kind, nicht zu vergessen: Verwandte, Freunde, Nachbarn) wurde es dann mit diesen Symptomen:
- Herzrasen
- Schwindel extrem
- Taubheitsgefühle in Armen und Beinen
- Schwitzen und Zittern nachts
- Panikattacken (und zwar extrem, mehrfach mit Beteiligung von Krankenwagen, Notarzt, ansonsten musste ich oft von der Arbeit nach Hause kommen, um sie irgendwo abzuholen, weil sie mit dem Kind nicht mehr von der Stelle kam vor Angst, häufig mussten auch Freunde und sogar Nachbarn kommen, weil sie nicht mehr konnte; Supermärkte gingen eine zeitlang gar nicht, Autofahren schwierig)
- am Ende konnte sie nicht mehr die Treppe beim Arzt heraufsteigen und ist ins Krankenhaus stationär eingewiesen worden. Behandlung mit AD und entsprechender Therapie für Angstpatienten. Zwar haben die Ärzte in der Klinik und nicht geglaubt, dass es mit der Hormonspirale zu tun hat (so schien es mir), aber es war egal, meine Frau brauchte die Hilfe und sie wurde dort auch gut versorgt und behandelt.

Ich würde Bayer gerne verklagen, aber in den letzten Jahren hätte ich nicht die Kraft dazu gehabt, denn wir waren zeitweilig am Ende und dann nur noch froh, dass es langsam wieder besser ging, Monate nach dem Ziehen der Mirena. Außerdem habe ich das Gefühl, es ist aussichtslos, weil es praktisch nicht zu beweisen ist - die Ärzte haben uns da nicht geholfen, muss ich sagen. Ohne dieses Forum hätte ich mich noch viel hilfloser gefühlt (also: Danke an alle Mitwirkenden).

Ich empfehle jedem, der mich fragt oder der mir wichtig ist, die Finger von Hormonpräparaten und speziell von der Hormonspirale zu lassen, oder sich zumindest eingehend zu informieren. Ich würde den Beipackzettel lesen (http://www.jenapharm.de/unternehmen/pra ... mirena.pdf) und fest davon ausgehen, dass es stimmt, was da steht und dass es auch mit mindestens der genannten Wahrscheinlichkeit eintreten wird. "Häufig" Depressionen, das ist schon ein Hammer, wenn man weiß, was Depressionen sind. Wenn auch nur eine von 100 Frauen diese extremen Nebenwirkungen bekommt, die über Monate und Jahre das glückliche Leben zerstören, muss meiner Meinung nach das Zeug verboten werden. Es ist ja nicht so, dass man das Zeug absetzen kann, und dann hören die Nebenwirkungen auf. Nein, man hat noch Jahre "Spaß" damit. Nur mal so: wenn meine Frau mich unerwartet bei der Arbeit anruft, rutscht mir heute noch sofort das Herz in die Hose, aus Angst, es geht wieder los mit den Panikattacken.

OK, ist jetzt doch länger geworden, als gedacht, aber längst nicht alles, was ich zu dem Thema zu sagen hätte.

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