1 Jahr Mirena: Gewichtszunahme, Aggressivität, Schwitzen, Inkontinenz

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Jejulin
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1 Jahr Mirena: Gewichtszunahme, Aggressivität, Schwitzen, Inkontinenz

Beitragvon Jejulin » 04.08.2017, 22:56

Vor 12 Stunden - nachdem die Mirena 1 Jahr lang lag - habe ich mir das Ding ziehen lassen. Und nachdem ich - sogar währenddessen und auch kurz danach noch Zweifel hatte, ob das die richtige Entscheidung war - bin ich inzwischen sehr, sehr, sehr erleichtert.

Aber um am Anfang zu beginnen: Ich bin 40, habe zwei Kinder und habe mir, nachdem ich meine Jüngste abgestillt hatte, vor einem Jahr die Mirena legen lassen. Sie wurde mir von meiner Frauenärztin wärmstens empfohlen, da sie mein PMS abmildern würde und ich würde außerdem nicht so stark bluten wie mit Kupferspirale, die ich zuvor hatte. Nebenwirkungen? Keine - da extrem niedrig dosiert und nur lokale Wirkung. Sie erzählte mir dann noch, dass kürzlich eine Hormonspirale -Diana oder so? - für ziemlich viel Trubel gesorgt hatte, weil sie so viele Nebenwirkungen hatte, aber die Mirena sei da ganz anders. Das überzeugte mich. Da ich auch vorher nicht selbst recherchiert hatte - wofür ich mich heute ohrfeigen könnte - bin ich also total unvoreingenommen und positiv gestimmt in die Sache gegangen. Und erstmal meinte ich auch, dass alles gut sei.

Dann las ich einen Bericht über die Mirena in der Brigitte und bekam zum ersten Mal ein Bewusstsein dafür, dass die Mirena vielleicht doch nicht so unproblematisch sein könnte. Hab es aber ziemlich schnell wieder vergessen.

Nebenwirkung #1: Gewichtszunahme
Anfang des Jahres wurde ich dann stutzig, dass ich immer weiter zunehme - ganz gleich, ob ich mich gut ernähre und Sport treibe oder eben nicht. Total egal. Um es kurz zu machen: ich habe seitdem ich die Mirena hatte - also innerhalb eines Jahres - 10 Kilo zugenommen. Nachdem ich vorher nach der Schwangerschaft schon 7 Kilo abgenommen hatte, wiege ich inzwischen genau so viel wie in der Schwangerschaft - nur hatte ich da noch ein Kind und Fruchtwasser an Bord. Bis vor kurzem habe ich das auf die Fressattacken geschoben, denen ich nur mit größter Mühe und oft gar nicht widerstehen konnte. Inzwischen glaube ich aber, dass auch die von der Mirena kamen. Denn schon heute war ich - wie sonst auch - in der Lage mich zu zügeln. Während ich dies schreibe, reicht mir mein Tee und ich habe nicht das Gefühl, ich müsste mir jetzt noch fünf Schokoriegel reinschieben.

Nebenwirkung #2: Inkontinenz
Das ging schon nach einem Monat mit der Mirena los. Ich war entsetzt und extrem peinlich berührt. Husten, Niesen, Lachen ....uuuuups! und auch mal etwas mehr. Ich hatte jetzt immer Einlagen für Blasenschwäche im Haus und im Slip. Nie im Leben wäre ich aber auf die Idee gekommen, dass das mit der Spirale zusammenhängen könnte. Nach zwei Geburten ist das eben so, dachte ich. Ich sprach bei der ersten Kontrolluntersuchung mit meiner Frauenärztin darüber und sie meinte, dass das von den Hormonen der Mirena begünstigt werden könnte. Sie verschrieb mir Vaginalzäpfchen mit Östrogenen, die würden das ausgleichen und meinte, ich sollte beim Pilates aufpassen - einige Übungen wären schlecht für den Beckenboden.
Die Zäpfchen habe ich nie genommen, noch nicht mal aus der Apotheke geholt. Irgendwie hatte ich keine Lust mit noch mehr Hormonen dagegen zu feuern. Stattdessen probierte ich es mit Beckenbodentraining und Gewichtskugeln. Half alles nix. Zuletzt musste ich manchmal alle 15 Minuten auf Toilette gehen und konnte ich das nicht tun, konnte es unangenehm werden. Längere Ausflüge, bei denen man vielleicht mal nicht gehen konnte, versuchte ich zunehmend zu vermeiden. Inzwischen ist nun auch bei mir und zwar durch dieses Forum angekommen, dass das möglicherweise auch von der Mirena kommt. Ich bin gespannt und habe Hoffnung, dass ich den Spezialisten, dessen Kontaktdaten ich schon habe, doch nicht brauche.

Nebenwirkung #3: Schwitzen
Vor ein paar Wochen fiel mir auf, dass ich unnormal stark schwitze. Schon bei kleinsten Anstrengungen läuft mir der Schweiß die Schläfen und den Rücken runter und oft auch, wenn ich sitze, schwitze ich. Dazu muss ich sagen: ich bin eigentlich kein Mensch, der zum Schwitzen neigt. Selbst wenn ich jogge oder mich körperlich anstrenge, schwitze ich normalerweise nicht in dieser Weise. Und solange ich mich nicht in den Tropen aufhalte, schon gar nicht, wenn ich mich gar nicht bewege. Das war dann für mich der Anlass mal bei Google "Mirena schwitzen" einzugeben. Und siehe da: Ich wurde fündig. Ich fand einige Erfahrungsberichte von Frauen, die exakt das gleiche erlebten. Gleichzeitig stieß ich noch auf andere Nebenwirkungen. Unter anderem auf ..

... Nebenwirkung #4: Aggressivität
Ich mach's kurz: von null auf hundert. Keine Geduld mit den Kindern, meinem Mann, anderen Autofahrern usw.. Richtig schlimm. Aber nur schwer zu bändigen. Ich stand eigentlich unter ständiger emotionaler Anspannung und wehe ... :smile_angry: Abends war immer total geschlaucht von meiner eigenen Impulsivität.

Ich möchte die Mirena bestimmt nicht komplett verteufeln. Immerhin scheint die Hälfte der Frauen sie gut zu vertragen. Problematisch und erschreckend finde ich allerdings, dass die Frauenärzte so gar kein Problembewusstsein zu haben scheinen, eigentlich gar nicht auf Nebenwirkungen hinweisen und so wie es scheint, sogar falsch informieren (z.B. dass die Mirena sehr niedrig dosiert sein soll, tatsächlich aber täglich so viel Gestagen abgeben soll wie 2-6 Minipillen. WHAT???!!! Quelle: https://www.netzwerk-frauengesundheit.c ... wirkungen/).
Ja, Nebenwirkungen vielfach nicht mal einräumen, wenn die Frauen vor ihnen sitzen und von ihren Beschwerden berichten und den Wunsch nach Entnahme äußern. (Auch meine Frauenärztin hat heute eher nicht den Eindruck gemacht, als würde sie wirklich glauben, dass meine Beschwerden und Empfindungen von der Mirena kommen. Aber immerhin hat sie sich nicht geweigert, sie zu entnehmen. Das soll ja offensichtlich auch vorkommen.) Und wenn ich dann denke, dass es Frauen gibt, die über Jahre und Jahrzehnte mit dem Ding rumlaufen und sich schlecht fühlen, dann ist das echt ungeheuerlich. Und ich frage mich, warum die Frauenärzte/innen so arglos sind.
Meiner Meinung nach jedenfalls sollte jede Frau, die weiß, dass sie sensibel auf Hormone reagiert, tunlichst auf die Mirena verzichten oder zumindest sorgfältig abwägen, ob sie sich für die Mirena entscheidet. Denn im besten Fall hat man nur 350 Euro in den Sand gesetzt, im schlechtesten Fall mehrere Lebensjahre.

Tja, dies soweit. Nun ist sie draußen. Und vielleicht bilde ich mir auch das nur ein, aber ich fühle mich schon sehr viel besser. Gut, die 10 Kilo habe ich immer noch drauf :smile_giggle: , aber ich fühle mich schon nach einem halben Tag ohne die Spirale besser. Kein Blähbauch mehr, keine Fressattacke, kein Schwitzen. Ich bin schon den ganzen Tag entspannt und ausgeglichen. :smile_flower:

Ich hoffe, ich kann bald von weiteren Verbesserungen berichten. Allen anderen wünsche ich das Gleiche.

LG
Jejulin

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