Fremdkörpergefühl.

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Takela
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Fremdkörpergefühl.

Beitragvon Takela » 11.02.2004, 15:25

Hallo,

ich verfolge nun schon seit einigen Tagen die viele Einträge in diesem Forum (wirklich super Idee, Katja!!) und möchte euch nun auch meine Mirena-Erfahrung mitteilen. Allerdings ist diese Erfahrung sicherlich nicht repräsentativ für Beschwerden mit der Mirena weil mein Fall zu untypisch ist. Ich hatte die Mirena nur 3 Monate! Der Hauptgrund dafür, dass ich sie ziehen ließ war meine fehlende Geduld und ich konnte nicht über meinen Schatten springen, um es noch länger zu probieren. Meine Beschwerden waren total unregelmäßige, lange Blutungen, plötzlich auftretenden Bauchschmerzen, Brustschmerzen im 2. Zyklusteil, eine Zyste und eine unglaubliche Gereiztheit, die am meisten mein Freund erdulden musste, denn ich zum Schluss sogar tätlich angriff. Blutungsstärke und Bauchschmerzen gingen Hand in Hand und ich vermute dies war immer wieder der Versuch meines Körpers, die Mirena irgendwie loszukriegen. Die Gereiztheit kam davon, dass ich ständig an dieses Ding in mir denken musste und das klassische „Fremdkörper“ - Gefühl hatte obwohl man die Mirena in diesem Sinne ja nicht wirklich spüren kann. Auch wurde ich immer ungeduldiger gegenüber den unregelmäßig auftretenden Blutungen und Schmerzen. Ich war es gewöhnt, die Signale meines Körpers genauestens zu kennen (durch lange Natürliche Verhütung) und war plötzlich mit diesem Chaos konfrontiert. Ich hatte mich entschlossen, es mit der Mirena zu versuchen, weil ich einmal ausprobieren wollte wie es ist, wenn man sich über die Verhütung keine Gedanken mehr machen muss und tatsächlich absolut sicher ist, nicht schwanger zu werden. Allerdings hätte es mir gar nichts ausgemacht, schwanger zu werden, im Gegenteil ich würde eigentlich sehr gerne bald Kinder haben (bin 27), da mein Freund aber auf jeden Fall noch einige Jahre warten möchte, standen wir plötzlich vor dem Problem, dass die NFP nicht mehr so richtig funktionierte – mein Eisprung wurde total unregelmäßig. Ich bin mir ziemlich sicher, dass das psychisch bedingt war, weil ich eigentlich gerne ein Kind gehabt hätte. Kurz und gut, ich wollte mich vor meiner eigenen Psyche schützen (und auch vor der Situation plötzlich schwanger zu sein, mit einem Vater der eigentlich nicht will) und dachte, es sei wohl das beste eine richtig sichere Verhütungsmethode zu wählen. Ein kleinst möglicher Eingriff in den Körper war mir sehr wichtig so riet mir mein FA zur Mirena, auch mit dem Hinweis er habe nur zufriedenen Patientinnen. Überredet hat er mich nicht, es war wirklich meine Entscheidung. Das Einsetzen war bei mir nicht schlimm, irgendwie schaffte ich es mich recht gut zu entspannen (eine Schmerztablette hatte ich zuvor auch bekommen) und die Mirena war ruckzuck drin. Die ersten paar Tage danach fühlte ich mich überhaupt nicht wohl, hatte Kopfschmerzen, Bauchschmerzen und Kreislaufprobleme und es fingen auch schon die ersten Blutungen an (obwohl ich beim Einsetzten am 7. Tag war). Diese Beschwerden legten sich nach und nach und ich fühlte mich ganz o.k.. Leider mussten mein Freund und ich jedoch feststellen, dass sich unser Sexleben veränderte. Jetzt wo wir keine bestimmten Tage mehr einhalten mussten und alle Freiheiten hatten, fühlte es sich für uns beide irgendwie flach, leer und mechanisch an wenn wir miteinander schliefen ! Es war nicht so, dass ich keine Lust mehr gehabt hätte, es dauerte aber länger bis ich in die Gänge kam und ich war meist recht trocken, was früher nie der Fall gewesen war. Wir hatten recht wenig Sex in diesen drei Monaten, z.T. wegen der Blutungen und Schmerzen, oft aber auch weil die Stimmung nicht mehr richtig aufkam. Die einzige Zeit in der es „ganz nett“ war, waren die Tage um den Eisprung. Allerdings meldete sich bei mir auf einmal ein EXTREMER Kinderwunsch. Es muss für den Körper und die Psyche recht komisch sein, wenn man zu einem Zeitpunkt miteinander schläft, zu dem man normalerweise schwanger werden würde, aber genau weiß und spürt, dass das ja nichts passieren wird (und das alles, wenn das Unterbewusstsein eigentlich gerne ein Kind hätte). Letztendlich habe ich überhaupt nicht mehr eingesehen, weshalb ich die Mirena noch länger tragen sollte. Ich hatte Beschwerden damit, es gab sowieso nicht mehr Sex als früher (der zudem oft komisch war) und gefühlsmäßig war es für mich ziemlich anstrengend diesen unterdrückten Kinderwunsch und die totale Verhütung unter einen Hut zu bringen. Dieser psychische Spagat war mir zu groß! Am Anfang überlegte ich noch, dass es ja ein teurere Spaß war für dieses kurze Zeit und ich war noch einige, wenige Wochen bereit, es weiter zu versuchen – mein Freund wollte schließlich immer noch kein Kind und ich war durchaus bereit damit noch ein bisschen zu warten. Warum die Mirena also nicht noch ein bisschen drin lassen? Das habe ich aber nicht geschafft, dazu war ich von den ganzen Begleiterscheinungen zu genervt. Kurzentschlossen machte ich einen Termin mit meinem FA, hatte etwas Bedenken dass er mich auslacht, aber im Gegenteil er hat sich toll verhalten und mir bestätigt, dass ich mich nicht unnötig quälen soll und er die Mirena gerne herausnimmt. Das Ziehen hat etwas wehgetan, aber wirklich nicht schlimm. Ich habe mich sehr gut und befreit gefühlt danach. Mein Freund und meine Kolleginnen haben mir die gute Laune sofort angesehen. Es ist noch überhaupt nicht lange her, dass ich Mirena-frei bin aber das Kapitel ist für mich abgeschlossen. Es kommt mir vor, als hätte ich vergeblich versucht ein schlechtes Buch zu lesen und es nun einfach zugeklappt. Für mich war es auf jeden Fall die richtige Entscheidung, die Mirena herauszunehmen denn ich bin nicht der Typ für dieses Verhütungsmittel, auch wenn ich keinen Kinderwunsch hätte. Ich gehe jetzt wieder über zur NFP und bin auch sehr gewillt damit noch einige Zeit nicht schwanger zu werden, weil ich für mich und meinen Freund sehen möchte, dass diese Methode für uns wirklich funktioniert (die evtl. unregelmäßigen Eisprünge werden sich schon einpendeln). Mein Rat also an alle, die sich die Mirena einsetzen lassen wollen:
- Ihr müsst wirklich bereit sein, eine möglicherweise recht nervige Anpassungszeit durchzustehen (unregelmäßige lange Blutungen, Bauchschmerzen, Kreuzschmerzen, Brustspannen, Kopfschmerzen, und aus all dem resultierende Gereiztheit).
- Frauen, die Ihren Körper gut kennen, sollten darauf gefasst sein, dass überhaupt nichts mehr so ist wie früher. Von den biologischen Abläufen her ist man keine Frau mehr, was übrigens bei allen hormonellen Verhütungsmethoden der Fall ist. Die ganzen Signale des Körpers können einem wirklich fehlen!!
- Für Frauen, die noch keine Kinder haben und evtl. irgendwo einen Kinderwunsch in sich spüren, kann es recht belastend sein, einerseits während der fruchtbaren Zeit Sex zu haben, was ja eigentlich zu einem Kind führen würde/könnte und dies andererseits bewusst zu verhindern durch einen Fremdkörper in der Gebärmutter.
- Es gibt nur ganz oder gar nicht bei der Mirena. Man kann nicht ein bisschen probieren, wieder aufhören und vielleicht wieder probieren. Man kriegt sie nur rein mit Arzt und wieder raus mit Arzt, man ist also richtig abhängig (was in meinem Fall wegen gutem FA zum Glück nicht das Problem war).
- Zu guter Letzt sollte man sich umfassend informieren (was ich nicht getan habe) und darauf gefasst sein, dass die Beschwerden auch nach der Anpassungsphase andauern (sieht man ja bei allen hier im Forum).

Ich habe versucht meinen Beitrag trotz allem "objektiv" zu halten, es mag ja sein dass manche Frauen mit der Mirena gut können. Aufgrund meiner Erfahrung würde ich sie aber nicht empfehlen. Es handelt sich vielleicht um den kleinst möglichen hormonellen Eingriff, trotzdem kann man eine Menge Ärger damit erleben und man muss abwägen, ob es einem das Wert ist! Also, überlegt es euch genau!

Eure Takela

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Boo_nice
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.....nicht untypisch

Beitragvon Boo_nice » 12.02.2004, 10:09

Hallo Takela,

ich finde nicht, dass dein Fall untypisch ist (abgesehen vom Kinderwunsch, den ich nicht habe), denn ich habe ja leider auch die von Dir beschriebenen Nebenwirkungen am eigenen Leibe erfahren. Mir sind die Nebenwirkungen sogar erst nach langer Zeit bewusst geworden, denn diese Beschwerden wie u.a. extreme Brustspannungen, ständiges Ziehen im Unterleib,Gereitztheit, trocken beim Sex, noch längere und auch unregelmäßigere Blutungen, kannte ich vorher nicht. Meine Blutungen waren zwar auch stark und lang (ab und zu bis zu 15 Tage) bevor ich die Mirena hatte, aber es hat sich alles noch verschlimmert, d.h. sie sind immer noch stark und meistens soger noch länger als 15 Tage bzw. ich habe ja schon sozusagen Dauerblutungen mit einer ab und zu kurzen Pause dazwischen. Ich bin mir sicher, dass dies nichts mit meinem Myom zu tun hat, sondern eindeutig die Nebenwirkungen der Mirena sind. Ich bin sie ja Gott sei Dank am Dienstag wieder los. Ich bin schon auf die Zeit danach gespannt. :roll: Ansonsten hat mir Dein Beitrag hier auch wieder bestätigt, dass ich mich richtig entschieden habe, dieses Ding wieder entfernen zu lassen. :) Vorher hatte ich nämlich schon hin und wieder an mir selbst gezweifelt und dieses Forum hat mir zu diesem Thema dann die Augen geöffnet. An dieser Stelle vielen Dank an Katja.

Viele Grüsse Boo_nice

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Takela
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Re: Zweifel sind ganz normal...

Beitragvon Takela » 12.02.2004, 10:34

Hallo Boo_Nice,

ich denke die Zweifel sind ganz normal, man hat sich schließlich freiwillig dafür entschieden und auch viel Geld auf den Tisch gelegt. Je länger man es versucht hat, desto schwerer fällt es wahrscheinlich sich einzugestehen, dass es nicht das richitge war. Bei mir haben sich die großen Zweifel zum Glück auf nur ca. 10 Tage beschränkt. Das sah so aus, dass ich mich mindestens 5 mal am Tag umentschied es nochmal zu probieren, oder sie rauszumachen. Meist entschied ich mich fürs "nochmal probieren" wenn es mir gerade einigermaßen gut ging. Dann kamen wieder unvermittelt Blutungen und sehr unangenehme Unterleibsschmerzen und meine Geduld war dahin.....Das Hin- und Her- Entscheiden ging soweit dass ich mich eines Sonntagmorgens in die Notaufnahme begab um die dämliche Spirale SOFORT ziehen zu lassen, damit ich mich nicht wieder umentschied . Leider waren sie dort mit ernsteren Fällen beschäftigt und ich bin deprimiert wieder abgezogen. Irgendwann hat mein Freund mich sogar angefleht, das Ding ziehen zu lassen, weil ich ihm mit meinem Verhalten Jahre seines Lebens kosten würde :x Ich habe dann nicht mehr auf das "richtige Ziehgefühl" gewartet, sondern vom Kopf entschieden, "so, jetzt kommt sie raus!" :D Das war das Beste was mir passieren konnten, sonst hätte ich es womöglich noch länger probiert und mich täglich umentschieden. Ich hatte früher nie Probleme mit meinen Tagen, Dauer und Stärke sind in Ordnung und gelegentliche leichte Bauchschmerzen gehören einfach dazu. Was ich unter der Mirena erlebte war einfach nicht NORMAL :twisted:

Deshalb bin ich wirklich froh, dass sich dieses Drama doch auf eine recht kurze Zeit beschränkt hat!!!
Ich hoffe, du fühlst dich ebenso gut nach dem Ziehen! Natürlich, man hat immer Probleme im Leben und ist einfach mal deprimiert, aber diese Dauerbelastung (mit Mirena) kann's ja wohl nicht sein
:!:
Wünsch dir alles Gute!
Viele Grüße, Takela

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Boo_nice
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Beitragvon Boo_nice » 13.02.2004, 01:11

Halli Hallo Takela,

das mit der Entscheidung, soll ich oder soll ich nicht kenn ich zu gut. Jedes mal als es mir etwas besser ging und es den Anschein gab, dass die Blutung nach 8 Tagen aufhört habe ich gedacht/gehofft, dass es sich doch alles noch einspielen wird. Leider war dies nicht der Fall. Als dann wie so oft und wie bei Dir unvermittelt die "Dauer" Blutungen wieder kamen hatte ich mir wieder gedacht, nein jetzt muss ich was machen, denn ich habs satt. Meine Nerven sind am Ende. Wie lange soll ich das noch mitmachen. Es wird ja nichts besser, sondern eher noch schlimmer.
Wie Du siehst ging es bei mir auch immer wieder hin und her. Jetzt endlich wird bzw. muss sie ja sowieso bei der OP entfernt werden. Ich muss sagen, dass ich anfangs schon ganz mit der Mirena zufrieden war. Ich hatte keine Abneigung gegen diesen Fremdkörper. Vielleicht hat es auch etwas damit zu tun, dass ich einfach Hoffnung hatte, dass sich dadurch alles bessert und es für mich sozusagen ein Strohalm war an den ich mich damals geklammert habe. Die Nebenwirkungen waren ja nicht gleich von Anfang an so bzw. ich habe die NW sind mir ja auch erst durch dieses Forum und die ganzen Berichte so richtig bewusst geworden :idea: . Ich wünsche Dir auch alles Gute und ich werde mich auf jeden Fall wieder melden, um über die Zeit danach zu berichten. Viele Grüsse Boo_nice (leider noch Mirenaträgerin - aber nicht mehr lange!!! :P)

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