Entschädigung gefordert

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dieBeate
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Entschädigung gefordert

Beitragvon dieBeate » 22.04.2017, 15:06

:smile_wondering: Liebe Frauen, momentan denke ich viel darüber nach, was ich persönlich tun kann, um eine Entschädigung von Jenapharm/Bayer zu erhalten. Meine Empörung über "den Fall Mirena" ist sehr groß, :smile_envy: ich werde daher auf der Bayer Aktionärsversammlung am 28.04.2017 einige Worte in dieser Angelegenheit an den Vorstand und die Aktionäre richten. Das hilft mir zwar bei der Verarbeitung meiner individuellen Mirena-Story, aber bringt weiter nichts. Wahrscheinlich bin ich ja auch die einzige "Mirena-Dame" bei der Bayer HV - schade.

Was habe ich bisher unternommen:
1. Kontaktaufnahme mit dem Drug Safety Department der Fa. Jenapharm
2. Kontaktaufnahme mit dem Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte in Bonn
3. Schlichtungsverfahren wegen fehlerhafter Aufklärung und fahrlässiger Korperverletzung gegen meine Ex-Gynäkologin eingeleitet. Das Verfahren beruht auf freiwilliger Mitarbeit aller Beteiligten und ist gescheitert, da der Haftpflichtversicherer der Ex-Gyn nicht mitzieht.
4. Beschwerde bei der Ärztekammer Niedersachsen

Was könnte noch getan werden?
1. Strafanzeige gegen die Fa. Jenapharm/Bayer wegen des Inverkehrbringens eines Arzneimittels unter irreführenden Angaben (Beipackzettel ist unzureichend, lokale Wirkung wird in den Infobroschüren der Firma Jenapharm suggeriert). Das Gefahrenpotential der Hormonspirale Mirena auf die Psyche der Frau muss meiner Meinung nach im Drug Safety Department bekannt sein (Patienteninfo zur Mirena in Kanada warnt Frauen mit history of depression).
2. Strafanzeige gegen die Fa. Jenapharm wegen des Inverkehrbringens eines Arzneimittels, dessen Schädigungspotential den Nutzen übersteigt. Denselben Nutzen - zumindest bezogen auf das Indikationsgebiet Verhütung - haben andere Verhütungsmethoden, gesunde Frauen werden behandelt, daher ist nur ein minimales Schädigungspotential in Kauf zu nehmen. Und: bereits bei Verdacht muss ein Arzneimittelhersteller reagieren, das wurde so im Beschluss zum Contergan-Strafverfahren juristisch festgehalten.
3. Offener Brief an Herrn Baumann, Vorstandschef der Bayer AG: " Sehr geehrter Herr Baumann, was ich Ihnen mal sagen möchte"...usw. und das Schreiben an die Medien geben. Hier könnten wir eine Art "Fallsammlung" zusammenstellen.
4. Petition an den Dt. Bundestag stellen: Schaffung eines Entschädigungsfonds für Arzneimittelopfer allgemein bzw. Mirena-Opfer speziell. Aufgrund der rechtlichen Gesamtsituation in Deutschland haben Arzneimittelgeschädigte auch 55 Jahre nach dem Contergan-Desaster de facto keine Aussicht auf angemessene Entschädigung. Dafür verantwortlich ist der Gesetzgeber. In den USA sieht es anders aus. Dort gibt es Sammelklagen. Und hohe Entschädigungen bei "Arzneimittelzwischenfällen".
5. Die Frage der Amtshaftung des BfArM zu untersuchen wäre auch interessant: Hat die Aufsichtsbehörde angemessen reagiert? Dem BfArM liegen ja Informationen zu den Nebenwirkungen der Mirena vor, das kann frau auf der BfArM-Homepage nachlesen.

Meine Frage an die Runde:
Gibt es hier eine Frau, die juristisch bewandert ist und sagen kann, ob irgendwelche dieser Massnahmen eine realistische Aussicht auf Erfolg haben? Oder gibt jemanden mit Rechtschutzversicherung, der zu allem entschlossen ist? :smile_dull: Ich selbst habe ehrlich gesagt "die Nase voll" von dem Thema, evtl. gehe ich mal wieder zu meiner Kinesiologin, um "den Fall Mirena abzulösen" bzw. von den Grübeleien, wie mir als Apothekerin das passieren konnte, loszukommen. Mit diesem Beitrag wollte ich euch nur sagen, dass es ja noch Möglichkeiten gibt, sich zu wehren und eine Entschädigung anzustreben. Ich weiss auch nicht, ob die oben erwähnten Massnahmen sinnstiftend wären, habe auch nicht mehr viel Kraft. Aber wir Frauen sollten wirklich nicht alles mit uns machen lassen, sondern uns wehren und Schadensersatz - zumindest finanziell - fordern. Gesundheit ist sowieso unbezahlbar. Zumindest in meinem Fall sind die Folgeerscheinungen der Mirena von Dauer: meine psychische Belastbarkeit ist auch 1,5 Jahre nach dem Ziehen sehr niedrig, die Schilddrüse ist dauerhaft geschädigt (Hashimoto, evtl. auch eine Folge der Hormonspirale), berufsunfähig bin ich seit über 8 Jahren und das wird auch nichts mehr, kann mich nicht lange konzentrieren usw. Auch für meine Familienangehörigen waren zumindest die letzten Jahre mit der Mirena schlimm. Ehrlich gesagt, mir fällt da keine Summe ein, die auch nur annähernd angemessen wäre.

Liebe Grüße und alles Gute für euch Beate :smile_wink:

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Wolke7
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Re: Entschädigung gefordert

Beitragvon Wolke7 » 22.04.2017, 17:23

hallo beate, das habe ich auch schon direkt versucht, ohne erfolg. das beste für unsere gesundheit ist wohl eher, loszulassen und sich auf was anderes zu konzentrieren. wielange hattest du die mirena? bu warst schon mit mirena ? oder davor schon? was tust du alles für dich? lg wolke7

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lekado
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Re: Entschädigung gefordert

Beitragvon lekado » 22.04.2017, 17:56

Liebe Beate,
ich kann Deinen Frust nur zu gut nachvollziehen. Wenn ich daran denke, was die Mirena uns alle gekostet hat, könnte ich k...!!!
Ich hatte an anderer Stelle schon mal vorgeschlagen, dass wir uns besser vernetzen. Warum nicht Unterschriften von betroffenen Frauen hier im Forum sammeln, die Du z.B. bei der AV übergeben könntest. Wer will, kann Namen und Wohnort angeben und wir machen eine Liste. Die könnte man auch mal an das Bundesamt schicken mit dem Hinweis auf dieses Forum und dass wir mehrere Tausend Betroffene hier sind. Oder an die FÄ in seiner Stadt schicken. Oder an regionale Medien oder was einem noch so einfällt.
Ich denke, wenn jeder alleine was macht, hat das wenig Wirkung. Seinen Namen zur Verfügung stellen kann aber jeder, auch wenn er nicht selber aktiv werden will, aber man kann andere Frauen unterstützen, die etwas unternehmen wollen.
Gemeinsam sind wir stark!!!

Das würde z.B. dem offenen Brief, den Du angesprochen hast, mehr Nachdruck verleihen.

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dieBeate
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Re: Entschädigung gefordert

Beitragvon dieBeate » 22.04.2017, 19:30

Hallo, Wolke7, ich hatte die Mirena 15 Jahre und bin unter der Mirena berufsunfähig geworden (Psyche). Was ich für mich tue: Stress vermeiden, Vitamine und Mineralstoffe auffüllen. Das übliche eben. Soweit ich mitbekommen habe, hast du dich an die Fa. Bayer bzw. Jenapharm gewandt. Ohne Druck von oben (Staat, Gerichte) passiert bei denen meiner Meinung nach nichts.

Hallo, Leonie, Vernetzung ist gut. In einem facebook-Forum zur Mirena gibt es eine PLZ-Liste von betroffenen Frauen. Mein persönlicher Wunschtraum in Sachen "der Fall Mirena" sieht so aus: Eine Juristin stellt in eigener Sache oder auch im Auftrag einer Betroffenen eine Strafanzeige gegen die Fa. Jenapharm/Bayer wegen des Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz (Inverkehrbringen eines Arzneimittels, dessen Kosten/Nutzen-Verhältnis bei bestimmungsgemäßem Verbrauch für die Arzneimittelanwenderinnen negativ ist, außerdem unzureichender Beipackzettel, irreführende Angaben (lokale Wirkung)). Damit könnte auch eine einzelne Frau ganz viel erreichen und das Medieninteresse wäre uns sicher. Ich selbst habe keine juristische Ausbildung und leider auch keine Rechtschutzversicherung. Geld habe ich auch nicht genug, um mir eine juristische Auseinandersetzung leisten zu können. Aber ich kann irgendwie immer noch nicht glauben, dass es in Deutschland legal ist, ein Arzneimittel zu vertreiben, dass Frauen psychisch und körperlich krank macht. Und auch wenn die Kausalität nicht 100%ig zu beweisen ist: auch bei Verdacht müssen der Arzneimittelhersteller und das Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte Maßnahmen zum Schutz der "Patientinnen" (eigentlich: der bisher gesunden Frauen) ergreifen. Man müßte per Crowdfunding das Geld für eine Musterklage sammeln und einen Staranwalt beauftragen....Allerdings habe ich den Eindruck, dass die wenigsten Frauen was gegen die Verantwortlichen im Drug Safety Department der Fa. Jenapharm bzw. gegen Bayer unternehmen wollen. Ich kann es verstehen. Jede ist eben mit der eigenen Regeneration beschäftigt. Ich auch. Liebe Leonie, siehst du eine Chance, dass sich genug Frauen finden, die wirklich was unternehmen wollen? Als früheres Mitglied der facebook-Mirena-Gruppen habe ich den Eindruck gewonnen, dass es mehr um Tipps zur Gesundung und um das Gefühl, nicht allein zu sein, geht als um irgendwelche weiteren Maßnahmen. Hier habe ich mich bisher noch nicht viel an der Diskussion beteiligt. Es wäre ja super, wenn es in diesem Forum auch mal um Maßnahmen gegen Jenapharm/Bayer ginge und nicht immer gleich der Hinweis kommt: "In Deutschland gibt es keine Sammelklagen". Nein, aber auch in Deutschland ist Körperverletzung strafbar. Und es gibt ein Arzneimittelgesetz. Also juristisch müßte da was zu machen sein.

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lekado
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Re: Entschädigung gefordert

Beitragvon lekado » 22.04.2017, 19:53

Ja, das ist ein Problem! Leider habe ich auch keinerlei juristische Ahnung und alleine gegen die Pharmaindustrie... Nee, danke!
Ich glaube, da hätte man wenig Chancen, bei einem Jahresumsatz von fast einer Milliarde Euro alleine durch Mirena dürfte sich Bayer gute Anwälte leisten können.
Ich finde den Weg über die Medien eigentlich gut. Frauen müssen aufgeklärt werden über das Teufelsteil! Ich habe schon überlegt, meine Geschichte einfach mal an verschiedene Redaktionen zu schicken, im Moment fehlt mir aber noch die Kraft dazu. Und an das Bundesamt werde ich auch noch einen Brief schreiben. Vielleicht ans Gesundheitsministerium? Was hältst Du davon?
Ich habe Deiner Antwort entnommen, dass Du bislang keine Mitstreiter gefunden hast? Falls ich mal helfen kann, Du z.B. eine "Zeugin" brauchst, stelle ich mich gerne zur Verfügung.
Ja, dieses Sch...teil nimmt einem nicht nur die Gesundheit, sondern jede Energie. Damit ist Bayer echt auf der sicheren Seite!!! Ich schicke meine Geschichte da auch mal hin, denke ich. Ach ja, das hattest Du vorgeschlagen. Sollen wir nicht mal einen Aufruf starten, wer seine Geschichte dafür freigibt?

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lekado
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Re: Entschädigung gefordert

Beitragvon lekado » 22.04.2017, 19:58

Liebe Beate, hab gerade Deine überarbeitete Version gelesen. Ich glaube, viele schrecken davor zurück, sich mit einem Pharmariesen anzulegen. Aber Fallberichte zu sammeln und an Medien, Bundesamt, Bayer zu schicken dürfte eigentlich machbar sein. Man könnte im Forum fragen, wer seine Geschichte dafür hergibt. Genug "Stoff" haben wir hier allemal. Was hältst Du davon?

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Beitragvon dieBeate » 22.04.2017, 20:11

Liebe Leonie, gern komme ich auf dein Angebot als "Zeugin" bei Gelegenheit zurück. Ein Schreiben ans Gesundheitsministerium finde ich sehr sinnvoll. Ich kann auch nur sagen: alleine gegen die Pharmaindustrie...Nee, danke. Ob du deine Geschichte nach Bayer schicken solltest...hmm. Wenn, dann nach Jena (Drug Safety Department der Fa. Jenapharm, die sind für die Frauenarzneimittel der Fa. Bayer zuständig). Aber das bringt rein gar nichts. Verschwendete Energie.

Zu deiner Frage in Sachen Fallberichte sammeln:
Ich halte davon sehr viel. Es wäre super, wenn eine derartige Fallsammlung zustande käme. Falls du oder eine andere Frau die Organisation übernehmen würden, würde mich das freuen. Meine Energie reicht leider gerade nur aus, um dies anzuregen. Mein Energielevel schwankt sehr stark, daher wirke ich auf andere Menschen manchmal ziemlich unberechenbar. Das weiß ich, kann es aber leider nicht ändern. :smile_whew: Liebe Grüße Beate

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Re: Entschädigung gefordert

Beitragvon Wolke7 » 22.04.2017, 21:46

liebe beate, ja ich habe da hingeschrieben, ohne erfolg. richtig, verschwendete energie. lohnt sich denn das, sich noch jahre danach aufzuregen? ich brauche meine kraft, die ich noch habe, zum gesundwerden. und ich glaube nicht, dass die das lesen......das interessiert die gar nicht. wenn, dann müssen wir im umfeld aufklären, die ärzte etc. wir müssten noch mehr an die öffentlichkeit gehen..... vll. auch das ganze an verschiedene frauenzeitschriften geben, das geht,w enn viele mitmachen. ich bin bereit meine geschichte frei zu geben und mitzumachen. gemeinsam schaffen wir das am ehesten. ich für meinen teil habe meinen fa aufgeklärt und zwar solange, bis er es kapiert hat und selbst nicht mehr an das mythos "lokal" glaubt. wenn frauen das nicht mehr mitmachen, wacht bayer vll. auf. lg wolke7

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Beitragvon dieBeate » 22.04.2017, 22:11

Hallo, Wolke7, du hast durchaus recht, aufregen lohnt sich nicht. Aber ehrlich gesagt: mir geht es durchaus auch um eine finanzielle Entschädigung. Nicht nur für mich, auch für die Menschen, die mit mir gelitten haben. Und das finde ich legitim. Meine beiden an meiner Mirena-Story beteiligten Ex-Gynäkologinnen in einer Gemeinschaftspraxis waren beratungsresistent. Aber ich gehe sowieso nur noch 1mal jährlich zur Krebsvorsorge, dafür reicht meine neue Gyn. Eine Hormonbestimmung auf Kosten der Krankenkasse habe ich nicht durchsetzen können. Ansonsten wollte diese neue Gyn mich über die neue Hormontherapie in den Wechseljahren aufklären. Ich lasse sie reden. Angeblich ist die Studie in den USA zur Hormonersatztherapie, die wegen alarmierender Erkenntnisse (Brustkrebs usw.) abgebrochen wurde, nur falsch interpretiert worden. Die neue Mär der Pharmazeutischen Industrie. Eine Diskussion mit GynäkologInnen halte ich allerdings nach meinen persönlichen Erfahrungen "in Sachen Mirena" für Zeitverschwendung.

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Kytka
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Re: Entschädigung gefordert

Beitragvon Kytka » 22.04.2017, 23:07

Hallo,
ich finde es muss was passieren. Wenn ich Tage habe, an denen es mir gut geht, überlege ich auch was man machen könnte. Im Moment mache ich Mundpropaganda. Ich erzähle es jedem und warne davor. Ich denke auch, dass die meinsten Frauen sich nicht trauen etwas zu unternehmen. Und ehrlich...wenn es uns schlecht geht, haben wir dafür keine energie und wenn es uns gut geht, sind wir so froh, dass wir das Leben genießen wollen. Und damit alles "nicht schöne" vermeiden wollen. Aber wie gesagt, es MUSS was passieren. In Östereich wurde auch ein Institut gegründet und die Frauen sollen sich da melden, damit sie was dagegen unternehmen können. Es würde mich freuen, wenn etwas klappen würde. Ich wäre auf jeden Fall dabei. Im Moment bin ich auf Hormonentzug und muss mich auf mich konzentrieren, damit ich wieder normal leben kann.

Liebe Grüße

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