Mein Fazit nach 3 Jahren

Schreibe uns hier Deine Erfahrungen mit der Hormonspirale.

Paula278.

Mein Fazit nach 3 Jahren

Beitragvon Paula278. » 03.02.2007, 09:27

Ich habe mich vor drei Jahren auf Empfehlung meines Arztes für die Hormonspirale entschieden. Anamnese: 37 Jahre, Raucherin, zwei Kinder, zu chaotisch und unstet für die regelmäßige Einnahme einer Tablette, Privatpatient.Hormonspirale weil: keine Regelblutung, kein Vergessen der Einnahme, von daher sicherer als Pille, geringe Hormonabgabe und die direkt in der Gebärmutter, Nebenwirkungen wurden mir keine genannt.

Das Einsetzen war sehr schmerzhaft, aber kaum hatte ich mich wieder beruhigt, spürte ich von der Spirale nichts mehr. Der trügerische Friede dauerte ca. 10 Wochen an. Danach sprach ich bei meinem Frauenarzt erneut vor und wollte eine Erklärung für die nicht enden wollenden Zwischenblutungen, das langsame Dahinschwinden meiner Libido und meinen zunehmend stäker werdenden Stimmungsschwankungen. Für die Blutungen bekam ich ein Päckchen Cerazette, Libidoverlust gibts nicht, sei wohl ein Partnerschaftsproblem getreu dem Motto und ist er nicht willig, dann straft frau ihn ab. Stimmungsschwankungen gänzlich unbekannt, muß wohl am südländischen Temperament liegen. Super, dann ist das ja alles nicht so schlimm. Zuhause hab ich dann erst mal kräftig mit meinem Mann über die Menschenkenntnis meines Arztes abgelacht und eine Pille die er mir alter Raucherin nie verschreiben würde, braucht er mir nicht Wochen später in die Hand zu drücken. Ab mit der Cerazette in den Müll und weitergelebt. Nach einem Jahr Tragezeit ließen die Zwischenblutungen auch etwas nach. Das Partnerschaftsproblem welches die Libido vegrault hat, hab ich weiterhin gesucht und mein aufbrausendes Temperament entwickelte sich im zweiten Spiralenjahr so langsam zu einer richtig dicken depressiven Verstimmung.Entweder habe ich meine Familie so ordentlich zusammengebügelt, oder ich war mich permanent am entschuldigen.

Bei der Nachsorgeuntersuchung war mein Arzt begeistert von der schönen Lage der Spirale, die Zwischenblutungen können nur am meinem renitenten Hormonhaushalt liegen (aber er hat da ja ein lecker Pillchen für mich),Haarausfall(unmöglich von der Spirale, eher Altersbedingt) Da mußte ich echt lachen. Stirnglatze mit fast vierzig. Schick!! Vorzeitig rausnehmen, keine Veranlassung. Meine Stimmungsschwankungen da brauch ich einfach mehr Ruhe. Mal ausspannen, schönes Wochenende mit dem Männe. Die Libidotheorie hat er sich diesmal verkniffen, lag wohl an der Anwesenheit meines Mannes. hihi

Kurz darauf, während unseres ärtzlich verordneten Ausspannwochenende bekam ich dann einen Weinkrampf und fand für den Totalausfall sämtlicher Nervenstränge einfach keine rationale Erklärung mehr. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch nie Probleme mit meinem Nervenkostüm. Ich stand weder unter Streß, niemand setzte mich durch irgendetwas unter Druck. Es gab in meinem Leben überhaupt keinen Auslöser für eine solche Reaktion. Das große Heulen dauerte zwei Tage und wurde von einer äußert langen Zwischenblutung abgelöst.

Ich beschloß den Arzt zu wechseln und bin diesmal zu einer Frauenärztin.Zu allem übel gesellten sich zu den schon vorhandenen Sachen nun auch noch die Symptome einer Schuppenflechte. Ich habe der Ärztin von den Blutungen, den Depressionen, dem Libidoverlust und der Schuppenflechte berichtet und erwähnt, daß ich die angebotene Cerazette nicht genommen habe. Genau dies sei des Pudels Kern. Unbedingt diese Pille nehmen und dann kommt ruckzuck alles ins Reine. Bei der Untersuchung entdeckte die Ärztin noch eine große Zyste am Eierstock , was bei Frauen ganz normal sei und ich bestimmt schon immer unter Zysten leide.(ich hatte noch nie Beschwerden mit dem Unterleib, weder Zysten noch Regelbeschwerden) Rausnehmen der Spirale fand auch sie keine gute Idee. Die von mir genannten Beeinträchtigungen kämen nicht daher und ich sollte mich da auch nicht reinsteigern und die Spirale für meine Probleme verantwortlich machen. Die Blutungen gingen mit Einnahme der Pille weg und für die anderen Problemchen sollte ich Fachärzte aufsuchen.

Dermaßen beruhigt griff ich zur Cerazette. Die Blutungen stoppten sehr schnell und wurden durch ein gewaltiges Erythem (unschöne, braune Flecken im Gesicht) ersetzt. Diesmal hatte ich den Beipack greifbar und konnte ersehen, das diese Veränderungen eine Nebenwirkung des Medikamentes waren. Pille abesetzt, Blutungen wieder angefangen, Flecken langsam verblaßt. Das letzte Spiralenjahr plätscherte vor sich hin. Meine Familie hat sich an mein explosives Wesen gewöhnt und wenn ich mir nicht gerade antriebslos und weinerlich rumhing, gings eigentlich.

Fachärztlichen Rat für meine anderen Zipperlein habe ich keinen eingeholt, statt dessen habe ich begonnen mein Leben auf eine gesunde Lebensweise umzustellen. Ich bewege mich sehr viel, ernähre mich gesund (wurde trotzdem immer etwas schwerer), sorge für viel Ruhephasen. Mit Kopfschmerzen habe ich schon seit meiner Jugend zu tun. Im letzten Vierteljahr verging kein Tag an dem ich nicht morgens aufgestanden bin und irgendein kleines Leiden habe. Mal schmerzen die Gelenke, mal der Kopf, mal Blute ich, mal juckt es mich, mal gehen mir viele Haare aus, mal sprießt mir das Haar am Brüstchen,mal trocknen mir die Augen aus, mal laufen mir die Augen ständig aus, mal können mich die anderen nicht leiden, mal kann ich die anderen nicht leiden. Keine dieser Beschwerden dauern länger als einen Tag. Nichts was mich vor Schmerzen krümmen läßt, einfach nur lästige Zipperlein, die mir den Tag vermiesen. Letzte Woche war dann der absolute Höhepunkt für mich erreicht. Eine Nacht konnte ich vor Schmerzen im Brustkorb nur in erhöhter Position schlafen, die nächste Nacht bin ich von meinem eigenen Zittern aufgewacht und habe fast drei Stunden lang am ganzen Körper geszittert. Ich hatte das erste Mal in meinem Leben regelrechte Angszustände DIE Nacht nicht zu überleben. Mein Mann im Dienst, meine Kinder selig geschlafen. Ich habe um Hilfe gerufen, weil ich es nicht mehr ans Telefon gepackt habe um mir einen Arzt zu rufen. Morgens waren die Beschwerden wie verflogen und es ging mir gut. Mit meinem Mann konnte ich darüber nicht reden, denn der lebt nur noch aus Mitleid mit mir zusammen. solch irre, kranke Gedanken gingen mir durch den Kopf. Ich bin keine einzige Sekunde auf den Gedanken gekommen, daß es vielen Frauen genauso geht wie mir. Frauen die Angst haben verrückt zu werden und nicht einmal zu wissen weshalb.Durch Zufall bin ich auf die Seite dieses Forums gestoßen und als ich den ersten Erfahrungsbericht gelesen habe, dachte ich mich tritt ein Pferd. Da breschreiben wildfremde Frauen mein Leben. Sie leiden unter den selben Symptomen. Mein eigentlicher Plan war, nun doch zu Fachärzten zu gehen, aber ich werde mir zuallererst die Spirale entfernen lassen und dann abwarten was geschieht. Ich möchte hier auf keinen Fall einen anderen für meine Beschwerden verantwortlich zu machen. Ich hätte meinen Leidensweg verkürzen können, wenn ich von Anfang an auf meine innere Stimme gehört hätte und mich nicht ehrfurchtsgläubig den Ansichten meines Arztes ergeben hätte. Am meisten ärgert es mich, daß ich hier nicht einmal über ein lebensverlängerndes Medikament schreibe(bei dem ich solche Einschränkung stillschweigend und dankbar ertragen müßte), sondern über ein popliges Verhütungsmittel. Etwas was ich für einen Euro an jedem Automaten ziehen könnte und was genau dem selben Zweck dient.Es geht für mich nur um die Verhütung einer Schwangerschaft. Ich möchte zusammen mit meinem Partner meinen und seinen Körper genießen können und mich nicht ständig über Unlust, schmierige Ausflüsse und all den anderen lästigen Kram unterhalten müssen.Da ich Privatpatient bin und bei allen medizinischen Geschtichten erst mal in Vorkasse treten darf, war das für mich so ziemlich die teuerste Aktion die ich je am Hals hatte. Möglich daß ich die geschilderten Symptome nur entwickelt habe, weil ich von Anfang an nicht wirklich glücklich mit dem Präparat war und es mich unheimlich gestört und verunsichert hat, keine Regelmäßigkeit mehr zu erleben. Das Ende jeder Spontanität. Immer erst mal abwarten, ob ich den kommenden Tag bluten werden, wie lange, wie stark.Selbst der lästigste Apparat hat noch was positives. Ich weiß heute hundertprozent, daß ich mich für den besten aller Männer entschieden habe und meine Kinder absolut krisenfest und nervenstark sind. Ich möchte weder von diesem Produkt abraten noch könnte ich es einer anderen Frau empfehlen. Ich kann allen nur raten auf ihr Gefühl zu hören und sich danach zu richten. Danke, daß es Einrichtungen wie dieses Forum gibt und ich werde euch berichten, wie das Entfernen und das Leben nach der Spirale sein wird.

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