Mirena und Morbus Menière?

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regentropfen
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Mirena und Morbus Menière?

Beitragvon regentropfen » 09.10.2012, 16:19

Hallo zusammen,
ich hatte die Mirena von 2003 bis Mitte Dezember 2011.
In den ersten 6 Jahren war alles wunderbar, ich hatte keine Periode, und noch viel schöner, ich hatte auch kein PMS: Keine Stimmungsschwankungen, keine unbegründeten Aggressionen, keine Bauchschmerzen, keine Spannungsgefühle in der Brust. Vorher war ich eine Woche im Monat nahezu unzurechnungsfähig, das war mit Mirena völlig weg. Ich war gut gelaunt, ab Herbst 2005 auch mit meinem neuen Mann unglaublich glücklich, und ich hatte eigentlich so gut wie immer Lust auf Sex.
Im November 2008 musste ich mir dann die zweite Spirale einsetzen lassen.
Im Mai 2009 gingen die Probleme los. Irgendwo habe ich gelesen, dass nach 6 Monaten Mirena die höchste Hormonkonzentration im Körper zu finden ist, das würde also vom Zeitpunkt her übereinstimmen (leider kann ich nicht mehr sagen, wo ich diese Info im Internet gefunden hatte, ein paar der Seiten vom letzten Jahr sind offenbar auch nicht mehr online).
Es begann zunächst mit Tinnitus. Da ich einen sehr stressigen Job hatte, und viele meiner Kollegen auch darunter litten, war das für mich nicht verwunderlich. Ich hatte nicht nur ein Pfeifen im Ohr, sondern ich hörte auch hohe Töne völlig verzerrt und quietschend. Musik hören wurde zur Qual statt zum Vergnügen. Gleichzeitig konnte ich aber aufgrund der lauten Pfeifgeräusche nur noch sehr schlecht hören. Ich geriet auch noch an einen sehr schlechten und überheblichen HNO-Arzt, bekam Tabletten gegen Depressionen und gegen Demenz (mit damals 38 Jahren!). Weil der Arzt so schlecht war, bin ich natürlich auch nicht mehr hingegangen.
Im Juni 2010 bekam ich dann plötzlich den ersten Schwindelanfall. Mein Hausarzt wollte es als Verspannung abtun, aber mein Mann bestand darauf, dass ich richtig untersucht werde, auch wegen dem Tinnitus, und weil wir auch Angst vor einem Hörsturz oder sogar Schlaganfall hatten. Ich geriet dann an einen sehr guten HNO-Arzt. Auf die Frage, ob ich Medikamente nehme, antwortete ich natürlich mit nein, gab aber noch an, die HS zu haben, und fragte, ob das daran liegen könnte, was verneint wurde. In den folgenden Monaten bekam ich verschiedenste Medikamente und Infusionen. Zwischendurch hatte ich mal drei Monate keine Beschwerden, aber sonst lag ich alle 2 bis 4 Tage flach mit Schwindel. Ich konnte während der Anfälle kaum laufen, mir war hundeelend und schlecht und ich konnte nichts essen, nichts trinken und musste mich übergeben. Wer schon mal einen über den Durst getrunken hat und „Karussellfahren“ kennt, weiß in etwa, wie sich das für mich anfühlte. Mein Arzt war sich nicht wirklich sicher in der Diagnose, aber er vermutete die Menièrsche Krankheit. Dabei handelt es sich um eine Erkrankung des Innenohres, die sehr mit Veränderungen im Kaliumgehalt im Ohr einherzugehen scheint.
Ich hatte damals einen ziemlich verantwortungsvollen Beruf, mit Verantwortung für über 100 Mitarbeiter und viel Publikumsverkehr. Zur Arbeit hatte ich eine Strecke von 56 km zu fahren. Die Fahrt zur Arbeit war schon schwierig, aber noch schwieriger war es, dass ich mich teilweise von Kollegen am Arm führen lassen musste, weil ich allein nicht mehr laufen konnte. Die Leute wissen ja nicht, was los ist, und denken man wäre betrunken Aber irgendwann konnte ich einfach nicht mehr, deshalb habe ich im Mai 2011 aufgehört, obwohl mein Arbeitgeber das Ganze mitgemacht hätte und unglaublich loyal war.
Damals hatte ich dann die Hoffnung, das Ganze käme vom Stress und würde aufhören, wenn der weg ist. Ich hatte zwar auch in 2011 zwischendurch immer wieder mehrere Wochen lang keine Schwindelattacken, aber sie kamen doch wieder. Im Herbst und Winter war es dann wieder alle 2-3 Tage soweit und ich lag tagelang flach.
Während dieser Zeit kam mir aus irgendeinem Grund wieder die Sache mit der HS in den Sinn und ich begann zu recherchieren und stieß auf dieses Forum, und speziell den Bericht von annkiste „Mirena und die Folgeerscheinungen von Levenorgestrel“, der mir beim Punkt Kaliumhaushalt natürlich sofort die Augen öffnete!
Ich ließ mir daraufhin sofort die HS ziehen, das war am 14. Dezember 2012. Mein Frauenarzt hat das gleich getan - ohne mit der Wimper zu zucken -, nachdem ich mit einem Schwindelanfall bei ihm saß und berichtete, wie es mir geht. Er hat sich aber auch überhaupt nicht weiter dazu geäußert! Ich vermute, dass er mehr über die Nebenwirkungen weiß, als er zugeben würde!
Seitdem (inzwischen sind 10 Monate vergangen) hatte ich nur 5 leichte Schwindelanfälle, die alle nach ca. 15 min vorüber waren. Ich habe mich im ganzen Jahr nicht übergeben, ich konnte immer auch während des Schwindels laufen, die Anfälle waren eher so, wie kleine Kreislaufschwindelanfälle, also kein Problem. Und ich hoffe immer noch, dass sie irgendwann einfach weg bleiben. Tinnitus habe ich so gut wie gar nicht mehr, manchmal rauscht es ein bisschen im Ohr, aber das geht nach einem Tag immer wieder weg. Ich habe meinen HNO über das Ganze informiert und gebeten, an das Bundesinstitut für Arzneimittel zu melden, was er mir auch zugesagt hatte. Ich weiß, dass er noch zwei weitere Frauen mit der gleichen Krankheit behandelt (sie kommt wohl nicht so oft vor und er war sehr daran interessiert, immer die neuesten Forschungsergebnisse dazu zu kennen), ich hoffe natürlich, dass er sie zumindest darauf anspricht, ob die auch die HS haben.
Ich rate deshalb inzwischen jeder Frau davon ab, die HS setzen zu lassen. Auch wenn es mir fast 6 Jahre damit gut ging, überwiegen für mich die negativen Erfahrungen. Letztlich hat mich die HS meine berufliche Karriere gekostet, bzw. ihr zumindest einen herben Tritt verpasst, da ich ja jetzt wieder arbeite.
Leider habe ich auch wieder mit PMS zu kämpfen, was ja offenbar auch mit Kalium und Magnesium zu tun hat. Vermutlich bin ich deshalb auch irgendwie in dieser Hinsicht vorbelastet und die Mirena war evtl. nur der Katalysator für den Ausbruch einer schlummernden Krankheit. Eindeutig ist für mich aber, dass es mir gut geht, seitdem sie weg ist.
41 J. k.K.

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